Oberursel

Oberurseler Theologen bauen für die Zukunft

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Die Lutherische Theologische Hochschule erhält einen Neubau für Verwaltung und Bücherei - trotz sinkender Studierendenzahlen.

Mit 21 Studierenden und fünf Professoren ist die Lutherische Theologische Hochschule (LThH) in Oberursel eine der kleinsten Hochschulen Deutschlands. Die Lage am Waldrand bietet zudem eine idyllische Lernatmosphäre.

Allerdings schlug in den vergangenen Jahren auch ein „Negativeffekt“ zu Buche, wie Rektor Christoph Barnbrock es nennt. Damit meint er den Zustand von Hauptgebäude und Bibliothek – beides einfache Baracken aus der Zeit der Hochschulgründung vor 70 Jahren. Sie sollen bis Oktober nächsten Jahres durch einen zweistöckigen Neubau ersetzt werden. Er entsteht am gleichen Ort, an dem sich das bereits abgerissene alte Hauptgebäude befand.

Der Neubau, für den am Reformationstag der Grundstein gelegt wurde, soll Mitarbeitern und Studierenden der Hochschule auf insgesamt 1000 Quadratmetern zeitgemäße Büros, Veranstaltungsräume und eine Kapelle bieten. Außerdem werden die 48 000 Bände der Hochschulbücherei darin unterkommen, die zurzeit in extrem engen Reihen zu finden sind – zumal pro Jahr etwa 500 Medien hinzukommen.

Prunkstück der Sammlung ist die Fürstenauer Kirchenbibliothek („Odenwaldbibliothek“) mit Erstdrucken aus der Reformationszeit und theologischen Sammelwerken aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Sie erhalten „einen angemesseneren Platz als bisher“, sagt Barnbrock. Hinzu kommen praktische Verbesserungen: „Die Wege werden kürzer.“ Für die Zeit der Bauarbeiten ist die Verwaltung in Container umgezogen, außerdem sind zwei Apartments im Studentenwohnheim zu Büros umfunktioniert worden.

Zwei Millionen Euro investiert die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche (Selk) als Träger der Hochschule in den Neubau. Das Geld stammt aus Kirchenbeiträgen und Spenden, die vor allem über den Kreis der Freunde und Förderer der LThH eingeworben werden.

Um die Finanzierung zu stemmen, musste die Hochschule aber auch einen Teil ihres vier Hektar großen Areals abzwacken. Zwei Wohnhäuser sollen darauf entstehen; dem hat das Oberurseler Stadtparlament zugestimmt. Die Grundstücke seien bereits verkauft, teilt Christoph Barnbrock mit. Gebaut wird derzeit aber noch nicht.

Der Neubau sei „ein Signal, dass wir die Dinge in die Zukunft entwickeln“, betont der Rektor der LThH. Was in Zeiten sinkender Studierendenzahlen in den theologischen Fächern keine leichte Aufgabe ist, wie er einräumt. Zumal es sich dabei um einen Trend handele, der weltweit und konfessionsübergreifend zu spüren sei.

Immerhin haben an der Oberurseler Hochschule seit ihrer Gründung 1948 insgesamt 1500 junge Männer und Frauen studiert. Die staatlich anerkannte kirchliche Hochschule bildet Studierende aus der Selk, ihren Partner- und Schwesterkirchen sowie aus verschiedenen Landeskirchen aus. Bei der Selk handelt es sich um einen Zusammenschluss der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland.

Das Studium an der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel kann man entweder mit dem Magister oder der Befähigung für das evangelische Pfarramt abschließen. Die Stärke der Hochschule ist das Grundstudium. Nach der Zwischenprüfung wechseln viele der Studierenden an eine Universität oder nutzen das interne Austauschprogramm mit Hochschulen in den USA und Brasilien.

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