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Sie haben ihren Baum schon gefunden.
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Weihnachten

Taunus: Mit kleiner Säge auf der Suche nach dem Bau

  • VonJürgen Streicher
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Dutzende durchstreifen den Oberurseler Stadtwald, um den perfekten Weihnachtsbaum zu finden.

Tradition verpflichtet. Wo passt diese Idee besser als im Weihnachtswald. Und wo hört man sie öfter als freudige Daseinsversicherung. Dort, wo der Städter mal selbst Hand anlegen kann in der Schonung, mit dem Fuchsschwanz oder einer kleinen Handsäge in der Regel. Wo die Weihnachtsbaumjäger und -jägerinnen im Dutzend zwischen den meist jungen Bäumen umherstreifen, auf der Suche nach dem Objekt, mit dem am Ende zu Hause in der Höhle alle zufrieden sein müssen, damit es ein friedliches Lichterfest wird. Generationen übergreifend lebt diese Tradition, denn nach ein paar Jahrzehnten haben alle eine Geschichte davon zu erzählen.

„Das machen wir immer, jedes Jahr“, erzählt Ben, der mit Tochter Anouk und Wolfshund Patru und kleiner Säge zwischen den zum Teil leicht mit Schnee berieselten Nadelbäumen im Oberurseler Stadtwald auftaucht. „Ein Familienevent“, die Mama ist auch dabei, eine Schwester mit Mann und Kindern, Tradition verpflichtet. Mit U-Bahn und Bollerwagen für den Abtransport sind sie aus der Stadt gekommen zur Forstdiensthütte im Stadtwald. „Bäume mit Charakter“ bieten sie hier an, mit Öko-Zertifikat, ohne Einsatz von Spritzmitteln gezüchtet. Da passt so ein Bollerwagen.

Bäume selbst schlagen

Die letzte Chance für einen selbst geschlagenen Baum aus dem Taunus bietet sich am Samstag, 18. Dezember, von 10 bis 16 Uhr am Parkplatz „Pferdskopf“ bei Schmitten-Treisberg. Dort gibt es Nordmanntannen.

Auf dem Hof Groos in Neu-Anspach/Westerfeld am Obernhainer Weg ist Selbstschlagen noch vom 16. bis 20. Dezember von 9 bis 16 Uhr möglich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Schmuck- und Deckreisig aus dem Stadtwald gibt es mittwochs von 16 bis 17 Uhr an der Oberurseler Forsthütte, Altkönigstraße 174. jüs

Fast alle anderen, das muss man konstatieren an diesem milden dritten Adventsamstagmorgen, sind mit ganz anderen Bollerwagen gekommen. An der Waldgrenze herrscht munterer Betrieb, die Straße zum Friedhof hinauf ist schnell zugeparkt, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Verkaufsbeginn um 10 Uhr tummeln sich die Jäger:innen am Zaun. Oberförster Luis Kriszeleit hat alle Mann aufgeboten, die der Betrieb hergibt, um den Ansturm zu bewältigen, private Jagdpächter:innen und ihre großen Kinder ergänzen das Wald-Ensemble als Helfer beim meist fröhlichen Treiben. Trotz Corona und Maskenpflicht im eingezäunten Gelände, trotz ordentlich gestiegener Preise, die Nachfrage nach frischen Bäumen aus dem Stadtwald ist eher noch gewachsen. Tradition eben, die darf auch ein bisschen teurer sein.

„Das ist ein Sechziger“, sagt Forstmeister Michael Hansel häufig. Heißt, dass 60 Euro fällig sind für einen Standardbaum in Zimmerhöhe, wenn’s eine Tanne ist, die Fichte gibt’s für etwas mehr als den halben Preis. Forstmeister Hansel bestimmt an der Messlatte vor dem Försterhaus den Preis, in rot-gelber Warnweste und mit Filzhut ist der große Mann eine freundliche Autorität, an ihm müssen alle vorbei. Die Kund:innen begrüßt er mit einer geschnitzten Holzhand am 1,50 Meter langen Stiel, absolut coronakonform. Über kleine Abschläge aufgrund von Mängeln kann verhandelt werden, außer im Spaß klagt kaum einer, Qualität hat ihren Preis. „Ja, die Preise haben angezogen“, bestätigt Förster Kriszeleit, hinter dem Fenster seines improvisierten Zahlbüros in einem Bauwagen stapeln sich zur Devise „Nur Bares ist Wahres“ die Scheine in der Kasse. Nach einer Stunde sind schon rund 150 Bäume durch die Netztonnen geschleust worden, um die „500 bis 600“ bereits geschlagene Bäume stehen für die Kundschaft aus der gesamten Region bereit.

Auch Ben und Anouk (7) haben sich wie Annedore (72) aus Bad Homburg ordnungsgemäß in die Schlange vor Forstmeister Hansel eingereiht. Ihrer beider Jagdzoll fällt etwas geringer aus, dafür hatten sie viel mehr Spaß im Weihnachtswald beim Stolpern über Dornenranken und Wurzelgestrüpp auf der Suche nach dem natürlich absolut schönsten Weihnachtsbaum im abgesperrten maskenpflichtigen Geviert für die Selbstsäger:innen. Anouk ist einverstanden mit der Wahl, die Mama nickt dezent im Hintergrund, Annedore hat das nur für sich entschieden und strahlt dem Fest freudig entgegen.

Mit der Säge auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum.

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