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Streit am Weiher

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Die neuen Hinweisschilder sind eindeutig.
Die neuen Hinweisschilder sind eindeutig. priedemuth © Priedemuth

Seit 1. Januar geltendes Tierfütterungsverbot sorgt für Zoff

Oberursel - Unterlassen Sie das! Hören Sie damit auf! Es ist verboten.“- „Sie haben mir gar nichts zu sagen! Nazi!“- „Sie wissen, was entschieden wurde! Ich rufe die Ordnungspolizei!“ - Verbaler Schlagabtausch vor wenigen Tagen am Maasgrundweiher zwischen einer Enten und Gänse fütternden Frau und einem Passanten, dokumentiert auf einem Smartphone-Video.

Das vom Stadtparlament im vergangenen Jahr beschlossene und seit 1. Januar geltende absolute Fütterungsverbot der am Maasgrundweiher wildlebenden Enten, Gänse und Nutrias sorgt offenbar immer wieder mächtig für Zoff am Gewässer. Auch in den sozialen Netzwerken wird sich heftig gestritten. Manche meinen anscheinend, das Fütterungsverbot gelte nur für die Nilgänse, wie einem Chat-Verlauf zu entnehmen ist. Andere meinen, nur im unmittelbaren Bereich der Hinweisschilder. Jedenfalls kochen die Emotionen.

Claudia Neufert hatte das Fütterungsverbot mit einer Petition angestoßen und berichtet, am Weiher bereits „übelst beleidigt“ worden zu sein, als sie Leute auf ihr illegales Füttern angesprochen habe. Es gebe Menschen, die fast täglich zum Weiher kommen und altes Brot „wie Kamelle“ ins Wasser schmeißen und sich als Vertreter des Tierschutzvereins bezeichnen würden. Der müsse sich schließlich auch um verletzte und kranke Tiere kümmern, und um sie leichter einfangen zu können, „anfüttern“. Das sei eins der Argumente selbst ernannter Tierschützer. Kürzlich habe ein Anwohner gar die Stadtpolizei gerufen, weil eine Frau Toastbrot verfüttert habe, die immer wieder behaupte, für den Tierschutzverein zu sprechen. Eine Stadtsprecherin bestätigt Einsätze der Ordnungspolizei, bei denen mitunter Anzeigen wegen Beleidigung gegenseitig erstattet worden seien. Der Erste Stadtrat Christof Fink habe bereits Ende vergangenen Jahres verkündet, dass die Stadtpolizei die Einhaltung des Fütterungsverbots verstärkt im Auge behalten werde. Zuwiderhandlungen können mit bis zu 5000 Euro Geldstrafe belegt werden.

Zunächst nur Belehrungen

Doch die Stadt wolle die ganz große Keule gegenüber den Leuten noch nicht schwingen. Es sei ja auch Ermessenssache. Anwesende Personen würden erst einmal belehrt, auf das Fütterungsverbot hingewiesen und darauf, dass verstärkt kontrolliert werde. Viele hätten die neue Regelung einfach noch nicht auf dem Schirm, heißt es. Der Konflikt zwischen vermeintlichen Tierschützern und öffentlicher Gefahrenabwehr würde die Verwaltung wohl noch länger beschäftigen, bis die Neuregelung bei allen angekommen und akzeptiert sei. Das Stadtparlament hatte am 24. November mit großer Mehrheit das Fütterungsverbot beschlossen, um den Populationen von Wasservögeln, Nutrias und anderen Wildtieren im innerstädtischen Raum Einhalt zu gebieten. Daraufhin war die städtische Gefahrenabwehrverordnung entsprechend ergänzt und Hinweisschilder installiert worden.

Eine Fütterung von freilebenden Wasservögeln und anderen wildlebenden Tieren sei nicht notwendig, hieß es in der Beschlussvorlage. „Das natürliche Nahrungsangebot ist auch im Winter völlig ausreichend“, war eine der Begründungen.

Eine zusätzliche Fütterung könne gravierende Auswirkungen auf Tiere und Umwelt haben. Die Tiere würden ihre natürliche Scheu vor den Menschen verlieren und träge. Zudem werde mehr gebrütet und immer mehr Artgenossen wanderten zu.

Wildtiere, einmal an Menschen gewöhnt, belagerten öffentliche Wege und Plätze, um zu „betteln“. Dies führe zu Verschmutzungen von Gehwegen, Straßen und privatem Eigentum durch Exkremente. Tierkot und Brotreste gelangten zudem ins Wasser, wo sich Keime bilden könnten. Damit habe man auch ein hygienisches Problem und es drohten gesundheitliche Gefahren. Ganz abgesehen davon, dass das Verfüttern von Brot in großen Mengen für Wasservögel selbst schädlich ist.

Der Tierschutzverein Oberursel steht ausdrücklich hinter dem Fütterungsverbot. „Das ist unstrittig“, sagt Vorsitzender Kai Ohme auf Anfrage. „Wir füttern nicht.“ Seit vielen Jahren kümmere sich der Tierschutzverein Oberursel tatsächlich um die Tiere am Maasgrundweiher. Auch das „Anfüttern“ habe man angewendet. Doch das habe ein Ende. „Man kann diskutieren, wie angesichts des Fütterungsverbots künftig damit umgegangen werden soll, und andere Methoden entwickeln.“

Der Vorsitzende stellt außerdem klar, dass das Fütterungsverbot auch für den Tierschutzverein gilt und dieser es respektiere. Es gebe für den Verein keinerlei Ausnahmeregelung. „Ansonsten hat niemand offizielle Statements im Namen des Tierschutzvereins abzugeben“, stellt Ohme klar.

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