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Das stille Gift kehrt zurück

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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BSO-Mann Hans-Jürgen Carstens zieht mit dem Heissluftgerät gegen Unkraut zu Felde.
BSO-Mann Hans-Jürgen Carstens zieht mit dem Heissluftgerät gegen Unkraut zu Felde. © Michael Schick

Der städtische Dienstleister Bau & Service Oberursel (BSO) setzt gegen Unkraut wieder auf das umstrittene Pflanzengift Roundup. Das Produkt des Monsanto-Konzerns wird mit Missbildungen und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Alternative Herbizide sind teuer.

Das Pflanzengift Roundup des Monsanto-Konzerns ist äußerst umstritten. Die Umweltschützer vom BUND sehen es kritisch, und eine ZDF-Dokumentation mit dem Titel „Das stille Gift“ fand bei ihrer Ausstrahlung im Mai viel Beachtung. Der Roundup-Wirkstoff Glyphosat wird in dem Film mit Missbildungen und Krebserkrankungen in Südamerika in Verbindung gebracht. Roundup ist aber auch eine billige Lösung und wirkt sehr effektiv gegen Unkraut.

In diesem Dilemma steckt die Stadt. Nach dem ab Mai zunächst ein Moratorium gegolten hatte, ist Roundup nun wieder beim städtischen Dienstleister Bau & Service Oberursel im Einsatz. Allerdings soll es nur verwendet werden, wenn es nicht anders geht. Die Stadt will aber alternative Methoden erproben und ist dafür vom BUND gelobt worden.

Eine der möglichen Alternativen ist ein Heißluftgebläse. Eine solche Maschine wird unter anderem auf dem Alten Friedhof eingesetzt. Die Wirkweise des auf einem Schubkarren montierten Gerätes ist denkbar einfach: Ein Gasbrenner erhitzt die Luft am Boden auf mehr als 1000 Grad, die Pflanzen sterben ab. Doch in den Winkeln, in die der breite Riesenfön nicht hinlangt, wird nun wieder gespritzt.

Zu hohe Personalkosten

Laut Gartenbauingenieur Thomas Bücher von Bau & Service Oberursel wäre dem Unkraut allein mit heißer Luft ohnehin nicht zu begegnen. Die Anwendung müsse beim Nachwachsen der Pflanzen sehr oft wiederholt werden, „da kommen zu viele Personalstunden zusammen“, sagt er.

Der Umgang mit dem Unkraut ist nach Büchers Meinung eine Frage der Toleranz. „Die Gesellschaft muss toleranter werden und kleine Pflanzen in der Öffentlichkeit eben auch mal dulden“. Ähnlich hatte sich auch schon der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) zu dem Thema geäußert und um Verständnis geworben, falls in der Stadt mal ein Grashalm hervorlugt.

„Die Umweltschützer“ müssten andererseits, meint BSO-Mann Bücher, auch akzeptieren, dass ein Einsatz von Chemie bei der Pflege von Sportanlagen und der Erhaltung der Verkehrssicherheit von Straßen und Wegen nötig sein könne. Der massive Spardruck, der auf der Stadt lastet, lässt ohnehin keinen Spielraum für teure Lösungen.

Die Debatte wird sich nun mit dem herbstlichen Wetter und dem gebremsten Pflanzenwachstum möglicherweise wieder legen.

Doch vom Tisch ist das Thema mitnichten. Spätestens, wenn sich im Frühjahr die spontane Begleitvegetation wieder allerorten Bahn bricht, werden in der Stadtpolitik wohl auch die Argumente pro und wider Herbizide neuerlich ins Kraut schießen.

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