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Eine Führung mit Forstingenieur und Waldtierbiologe Luis Kriszeleit im Stadtwald Oberursel.
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Eine Führung mit Forstingenieur und Waldtierbiologe Luis Kriszeleit im Stadtwald Oberursel.

Oberursel

Sonnenaufgang auf dem Altkönig

  • VonJürgen Streicher
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Waldzeit“ mit Trompete und Poesie, Meditation, Lamas und Druidensuche in Oberursel.

Frühaufsteher genießen den Sonnenaufgang auf dem Altkönig. Um 2 Uhr in der Nacht sind sie an der Hohemark aufgebrochen, um rechtzeitig zum Höhepunkt der „Waldzeit“ knapp 800 Meter über Meereshöhe zu sein. Dort, wo einst die Kelten lebten und der Moment, da sich Tag und Nacht begegnen, immer besonders ist. In Stille, nur noch erfüllt von den Geräuschen der Natur, zeitlos im Wald unterwegs.

So leise sie durch die Taunus-Nachtwelt gekommen sind, so leise verziehen sie sich wieder in den Wald, wenn die anderen im Frühtau zu Berge und zu den Bäumen kommen. Zum Waldbaden, zu stillen meditativen Übungen, um ihre Malkunst im flirrenden Sommermorgenlicht zwischen Stämmen, Geäst und Blättern zu zeigen, zum Lama Trekking oder für kleine Reisen durch die Welt der Kräuter oder Bäche. Musik von Trompete und Violoncello erklingt an lauschigen Plätzen, wer es hart, trocken und bodenständig braucht, kann sich bei Revierförster Luis Kriszeleit beim Gang durch den Forst über nackte Tatsachen zum „Wald im Klimawandel“ informieren.

„Waldzeit“, ein sportlich-kulturelles Kind der Corona-Pandemie bietet ein neues Format für Veranstaltungen in natürlicher Umgebung. Gerne nennt sich Oberursel „Stadt im Grünen“ oder das „Tor zum Taunus“. Auf diese alte Werbung hat sich der Kultur- und Sportförderverein (KSfO) besonnen, sich Partner aus Sport und Kultur, den Naturpark Taunus und Krankenkassen ins Boot geholt, um die Menschen in der Stadt „mehr für die Natur und deren Schönheit zu begeistern“, sagt KSfO-Geschäftsführer Udo Keidel-George.

Die Premiere mit Veranstaltungen an drei Tagen war ein Erfolg und hat allen Beteiligten Lust auf mehr gemacht. Nahezu alle Angebote, die bei begrenzter Teilnehmerzahl vorab gebucht werden mussten, waren ausverkauft. „Pilates hätten wir dreimal anbieten können“, berichtet Bea Steinfort-Krailing vom Organisationsteam.

„Waldzeit“ ist auch ein bisschen Bildungsurlaub zwischen Bäumen. „Stundenplan“ steht über dem Programm, von „Naturmandalas legen“ bis zu einer Wanderung auf den Spuren der Druiden und der heiligen Bäume der Kelten reicht die Bandbreite, Veranstaltungen speziell für Kinder inbegriffen.

Ein „waldiges Du“ erwartet Mental- und Gesundheitstrainerin Michaela Dalchow beim gemeinsamen „Waldbaden“ am späten Vormittag, sofern Reden überhaupt nötig ist beim tiefen Eintauchen in die Natur, um sich dort in Achtsamkeit und Sinneswahrnehmung zu üben. „Ziellos, planlos unterwegs“, erklärt Dalchow. Stress reduzieren, Wohlbefinden steigern, Seele beruhigen, mit Waldbaden Körper und Geist steigern. Ihre Kollegin Manuela Nehls, die am Tag zuvor die Mandala-Gruppe besucht, nennt das Waldbaden nach der japanischen Lehre des Shinrin Yoku „absichtsloses Verweilen“ im Wald, völlig entspannt im Hier und Jetzt. Also ganz anders als die Mountainbiker, die plötzlich mit viel Gedöns durch die Gruppe der schweigenden Wandler prescht.

Der Mensch braucht Zeit im Wald, der Wald braucht Zeit, die ihm der Mensch wieder geben muss. Viele große, leere Flächen hat die „Borkenkäfer-Kalamität“ im Taunus zurückgelassen, wie die Förster sagen. Schäden an über 60 Prozent der Waldfläche. Aber es gibt auch Hoffnung. Über den Wald im Klimawandel kann Luis Kriszeleit viel erzählen, der Förster aber redet jenseits von absichtslosem Verweilen im Wald vor allem von dessen Zukunft, die er jetzt gestalten muss. Auch wenn der „Mensch meist ungeduldig ist“, Stichwort Wiederaufforstung. Jetzt werde hier nur der „Grundstein gelegt“, die Ernte werde der Mensch erst in Jahrzehnten einfahren. Etwa auf den 25 Hektar im tiefgelegenen Stadtwald, wo der natürliche Nachwuchs mächtig grünt und der Förster erst später „korrigierend einwirken“ wird. „Bis wir den Wald so haben wie wir wollen.“ Es wird zu überprüfen sein bei weiteren „Waldzeiten“ mit Programm in freier Natur zu unterschiedlichen Jahreszeiten, die bereits angekündigt sind.

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