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Goldonis „Der Diener zweier Herren“ belustigt das Publikum.

Oberursel

Der schöne Traum vom Festspielort in Oberursel

Das „Theater im Park“ eröffnet in Oberursel die Jubiläumssaison. Betrieben wird bodenständige Arbeit mit knappem Budget.

Theaterträume. Im ersten Sommer Schillers „Don Carlos“ und die Vision vom ambitionierten Amateurtheater unter professioneller Leitung. Shakespeare, der „Sommernachtstraum“ natürlich, klassisches Drama, Zuckmayer und „Des Teufels General“, lustige Komödien, mal was Ernstes und immer wieder gern gesehener Gast: Carlo Goldoni, der Meister der Commedia dell’arte. Schauspieler und Theaterfreunde nennen den Namen Oberursel in einem Atemzug mit bekannten Festspielstädten wie Bad Hersfeld, Heppenheim und Bad Vilbel.

Theaterträume? Wohl wahr, aber sie haben ihn gern geträumt, die Macher, die Darsteller auf der Bühne und die kulturbeflissene Stadtgesellschaft. Meist mit Realismus und in Bescheidenheit, ohne den klaren Kopf zu verlieren. Denn das Geld saß nie locker, es bleibt nicht unerwähnt bei der Saisoneröffnung. Dem „Theater im Park“ hat das stets bodenständig gebliebene Denken einen soliden 25. Geburtstag beschert. Mit Goldoni und dem „Diener zweier Herren“, das passt in die Philosophie, dem geneigten Publikum vor allem einen entspannt-fröhlichen Abend in lauer Sommerluft im dazu passenden Ambiente zu bieten. Volles Haus bei der Premiere am Mittwoch, weinselige Stimmung lange vor dem ersten „Vorhang“, passende meteorologische Atmosphäre, ein spielfreudiges Ensemble, warmer Applaus, die Grundnahrung des Theaters macht Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison. Über 4000 Besucher hatten im Vorjahr den „Don Quijote“ gesehen.

„Der Diener zweier Herren“ wird immer freitags und samstags auf der Open-Air-Bühne im Park der Klinik Hohe Mark aufgeführt, nach der „Volkspremiere“ heute Abend noch bis einschließlich 17. August.

Beginn ist immer um 20 Uhr, der Cateringbereich im lauschigen Park öffnet um 19 Uhr. Oberurseler Vereine bewirten im Wechsel das Publikum mit Getränken und kleinen Speisen.

Einen traumhafteren Platz als den Park der Villa Gans hätten die Gründer des Freilichttheaters nicht finden können. Die Abendsonne wirft ihre Strahlen durch die Bäume auf die Spielfläche. Eine runde Lichtung in einem Winkel des Parks, schlanke Scheinzypressen umrahmen die Szenerie. Noch heute zieren sie das Logo vom „Theater im Park“ auf allen Werbeplakaten. Wenn die Sterne am Abendhimmel funkeln und die Mücken nicht gar so sehr beißen, ist der Theatertraum perfekt. Auf harten Holzbänken musste das Publikum im Sommer 1994 sitzen. Verwegene sprachen sofort vom „Muss“, das Theater fest zu etablieren. Nach dem zweiten Jahr mit Shakespeares „Was ihr wollt“ wurde von „Tradition“ geredet. So schön lassen sich Theaterträume inszenieren. Wenn schon der beleuchtete Weg durch den Park zur Bühne Teil der Theaterillusion zu sein scheint. Hier hatte der Besitzer der Villa vor vielen Jahren vor illustrem Publikum Privattheater aufführen lassen.

Tatsächlich war ein „Heimatspiel“ Auslöser, über den heimischen Tellerrand hinaus Theater zu machen. „Das Spiel von der befreiten Glocke“ anlässlich der 1200-Jahr-Feier anno 1991, eine Story aus der Oberurseler Historie, in der es um Bürgersinn und Heimattreue ging. Vier gefeierte Aufführungen in der Altstadt vor der Kulisse von St. Ursula bestätigten die Initiatoren in ihrer Idee, die kulturelle Szene in der Stadt zu bereichern. „Das ,Theater im Park‘ ist zu einem tollen Stück Kultur geworden, wir können stolz sein“, fasst der Vorsitzende des Kultur- und Sportfördervereins 25 Jahre Freilichttheater bei der Premiere in einem Satz zusammen. Trotz Einsparungen und Kürzungen spricht er von „finanziell gesunden Füßen“ auch für die Zukunft.

Der Name der Sommerreihe ist über all die Jahre geblieben, nur der Park ein anderer geworden. Als aus der alten Villa Gans eine Nobelvilla mit Hotel wurde, bot die Klinik Hohe Mark dem Theater eine neue Heimat, nun auch schon wieder im zehnten Jahr. „Ein Glück, ein Kleinod, einen Traum“ nennt Produktionsleiter Klaus-Peter Hieronymi die zweite Spielstätte. Wieder wird das Publikum in einem schönen Park verwöhnt, steht die inzwischen größere Bühne bei etwas verkleinerter Tribüne zwischen altem Baumbestand auf einer Lichtung. Das Publikum sitzt bequem in Schalensitzen mit Sitzkissen, gegen Regen schützt ein Dach. Hieronymi hat 25 Jahre „Theater im Park“ mitgelebt. Mit dem Begriff Festspielstadt werde „sehr leichtfertig“ umgegangen, sagt er und mahnt an, „eine gewisse Demut walten zu lassen“. Mit den arrivierten Freilichtbühnen könne und wolle man sich im Park der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie nicht vergleichen.

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