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Das Kurzfilm-Festival läuft an der frischen Luft im Rushmoor-Park.  

Oberursel

Rasante Filme im Rushmoor-Park in Oberursel

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Der Jurypreis beim „Orscheler Filmfest“ in Oberursel geht nach Chicago, der Publikumspreis nach Bad Vilbel.

Das Publikum beschert der zweiten Maus-Mensch-Mücke mit rosafarbenen Donut auf dem Rücken eine kurze Reise nach Bad Vilbel. Die Gewaltenteilung macht es möglich, beim „Orscheler Filmfest“ vergibt nicht nur die Jury einen Preis, auch die Filmfans im Open-Air-Kino im Rushmoor Park ehren ihren Lieblingsfilm mit einem Publikumspreis. Das Rennen macht Alexander Conrads mit seinem Film „Sardinien“, der eine kurze handfeste Paar-Krise in Dialogen und kleinen Gemeinheiten auf den Punkt bringt. Kaum einer hat es gewusst, „Sardinien“ hat 2018 den Deutschen Jugendfilmpreis in der Kategorie Jahresthema („Wir müssen reden“) den Hauptpreis gewonnen.

Dass die „Orscheler“, also die Oberurseler, ein spezielles Völkchen sind, soll sich auch im Preis ausdrücken, findet Festivalleiter Ludwig Kempf. Die Idee zu den seltsamen Wesen beim Auftrag zur Gestaltung der „Siegerpokale“ sei ihm gekommen, als er sich mit geschlossenen Augen Gedanken gemacht habe, gibt Kunststudent Robert Glöckner zu Protokoll. Außer dem skurrilen Pokal gibt es noch jeweils 500 Euro Preisgeld.

Dass Cineasten je nach Platz in der „Fachwelt“ sich nicht immer einig sind und zu bisweilen extrem unterschiedlichen Einschätzungen kommen, ist nicht überraschend. Also bekommen Megan Jedrysiak und Jackson Amme aus Chicago für ihren Animationsfilm „Cache Cache“ das zweite Fabelwesen mit Popcorn auf dem Rücken als Hauptpreis der Jury und damit einen Hauch von „Orschel“ in Übersee.

Als Kurzfilm-Festival wurde die Oberurseler Schau 2010 von jungen Filmfreaks gegründet, um das Kulturprogramm im „Orscheler Sommer“ zu bereichern. So schnell sich der Filmgeschmack wandeln kann, ändern sich auch die Akteure hinter den Kulissen. Ludwig Kempf war gerade 20 Jahre alt, als er vor drei Jahren die Leitung des „Filmfests Oberursel“ übernahm.

Neue Leute, neuer Name

Neue Leute, neuer Name, nun heißt es „Orscheler Filmfest“. Ein bisschen Lokalpatriotismus muss sein, das stellt auch der Trailer „Morsche vom Orscheler Filmfest“ unter Beweis, eine Liebeserklärung.

Die Idee aber ist geblieben, das Festival soll jungen Filmemachern ein Forum bieten und die Chance, bekannt zu werden. Längst ist es international geworden, über die Listung der Oberurseler Macher auf Internet-Portalen, die Filmfestivals bewerben, sind Filme aus Japan, Großbritannien, USA, Israel, Frankreich und Kroatien ins Wettbewerbsprogramm gelangt.

Rund 50 Bewerbungen aus aller Welt sind bei Ludwig Kempf eingegangen, zwei Dutzend Filme hat sich die Jury bei der Vorauswahl angeschaut, zehn hat das Publikum im feuchtwarmen Park am Samstagabend zu Gesicht bekommen. Keiner länger als 15 Minuten, das ist die Vorgabe, das Publikum durch flotte Wechsel bei Laune bleiben.

Der Rushmoor-Park ist von Anfang an Spielfläche gewesen für die engagierten jungen Cineasten und die Kinofreunde im Publikum. Ein paar Meter nur entfernt vom kleinen Teich, wo Frösche quaken und Enten quietschen und die Glocken der Christuskirche den Sound im Background bereichern.

„Orscheler Filmfest, Film ab!“ sagt Ludwig Kempf vor jedem Streifen. Der Oberurseler ist Filmemacher und Student für Film und Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Viele Filmemacher, die nicht den weiten Weg in den Taunus auf sich nehmen konnten, haben Video-Botschaften geschickt. Irgendwann wollen sie live dabei sein bei diesem speziellen Festival.

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