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Etwa 70 Höfe, Hauseingänge, Garagen und ähnliches bieten Platz für einen ungewöhnlichen Flohmarkt in Oberursel.  

Oberursel

Raritäten vom Hinterhof in Oberursel

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Ein ungewöhnlicher Flohmarkt in der Oberurseler Altstadt öffnet sonst verborgene Flure und Höfe.

Überraschende Zauberwelten stecken hinter den sonst meist verschlossenen Toren, die das private von dem öffentlichen Leben trennen. Offenbar werden sie hier und da, wenn sich Türen und Tore einmal im Jahr öffnen. Und die Bewohner der immer noch kuscheligen, verwinkelten, eng bebauten Altstadt zwischen mittelalterlichen Stadtmauerresten rund um die alte St.-Ursula-Kirche in ihre Höfe laden. Zum Feilschen am Flohmarktstand, mehr aber noch zum Gespräch und freundlichen Kontakt. Privates wird für ein paar Stunden preisgegeben, „wir öffnen unseren Hof, unser Reich“, sagt Georg Sterzel. So ist das nämlich, ein ziemliches Vertrauen.

Der Altstadt-Flohmarkt einmal im Jahr ist ein Kind der Projektwoche „Oberursel im Dialog“. Es ging um die Zukunft der Stadt in diesen lebhaften Tagen im Spätsommer 2017. Um Perspektiven für die „Oberursel City 2030“. Gefragt waren daher alle, die in der Stadt leben. Das war die Idee des öffentlichen Dialogs, der vor allem draußen stattfinden sollte. Außerhalb von Rathaus und Planungsbüros. Dort, wo die Menschen leben müssen und leben wollen, auch 2030 noch. Zusammen sollten sie Ideen für die Zukunft der Stadt gestalten. „Ab in die Mitte!“ lautete das Motto der „Innenstadt-Offensive“.

Antje Runge, selbst Bewohnerin eines sanierten Hauses in der „Eselsgasse“ im Schatten von St. Ursula brachte die Idee vom Flohmarkt mit offenen Höfen ins Gespräch. Um nachbarschaftliches Miteinander und so auch ein „Wir-Gefühl in der Altstadt“ zu pflegen. Eine Anwohner-Initiative mit der Stadt nur als Partner im Hintergrund, die sich etwa um Plakate und Werbeflyer kümmert. Die Idee bekam schnell Flügel, für die dritte Auflage am Samstag (fester Termin soll der erste Samstag im September bleiben) hatten sich fast 80 Teilnehmer angemeldet, die auch für „alte Orscheler“, wie sie sich hier gerne nennen, noch Offenbarungen zu bieten hatten.

Der schmalste Flohmarktstand im Revier

Die kleine Zwischenwelt der Familien Sterzel und Nüchter etwa. Angerichtet im so genannten Feuerlauf zwischen den am Marktplatz eng nebeneinander stehenden Altstadthäusern. Als Zugang für die Feuerwehr im Notfall war er einst vorgesehen, heute ist er eine Mischung aus Hausmuseum und mit knapp einem Meter Breite wohl der schmalste Flohmarktstand im Revier. Wo Verkäufliches wie bestickte Taschentücher aus Omas Zeiten und ein Autogramm von Eintracht-Spieler Gonzalo Pazienza neben Unverkäuflichem wie einem von hinten beleuchtetem 3-D-Panoramabild der Oberurseler Altstadt und einem Spontan-Kunstwerk des bekannten Oberurseler Künstlers Georg Hieronymi hängt, liegt oder rumsteht. Georg Sterzel freut sich über die vielen Gäste, die er an diesem Tag teilhaben lässt an seiner besonderen Welt und der seiner Familie.

„Laufen durch die Altstadt, gucken, entdecken, das ist das Schöne an diesem besonderen Flohmarkt“, sagt Gabi Pfeffer. Entdecken, den Hof von Jutta Ochs etwa in der St.-Ursula-Gasse. Verwunschen, verwachsen, zum Teil improvisiert überdacht, auch hier ist nicht so einfach zu entscheiden, was zum Inventar gehört oder zum Verkauf steht. Eine alte Küchenuhr wird gesucht, die Chancen stehen gut beim Rundgang durch die Trödelwelt. Bei Tanja Bethke in der „Eselsgasse“ kommt die Generationenidee zum Tragen. An den Wühltischen treffen sich Alt und Jung, der Ehemann hat Chili für Freunde und Besucher gekocht, im „Kuchen-Fenster“ stehen Pia und Julie (beide 8) und bieten Waffeln und Muffins gegen Spenden an. Mama Bethke findet’s gut: „Kaufladen in echt, das ist doch super, oder?“

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