1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Orschel als Comic-Stadt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bürgermeister Brum setzt zum Hechtsprung an.
Bürgermeister Brum setzt zum Hechtsprung an. © Privat

Der Designer und Illustrator Hennig Rathjen zeichnet Oberurseler Eigenarten und vertreibt erstmals einen satirischen Kalender. Für ihn ist das Neuland: Normalerweise entwirft der 44-Jährige Postkarten oder entwickelt Logos für Firmen.

Von Julia Wacket

Hans-Georg Brum macht sich zum Hechtsprung bereit. Anzug und Krawatte sind schnell abgeworfen, sie werden spontan gegen die rote Badehose eingetauscht. Nur das Becken, in das er springen will, ist noch nicht mit Wasser gefüllt – das wird wohl doch eine eher harte Landung für den Bürgermeister. Real ist dieses Bild nicht, sondern zu finden in dem neuen satirischen Kalender: „Orschel – Szenen einer Kleinstadt“. Der Mann dahinter: Henning Rathjen, Designer und Illustrator.

Die Idee für den Kalender kam dem 44-Jährigen spontan. „Mach’ einfach mal“, hatte er sich gedacht. Als Motiv „seine Stadt“ zu wählen, lag nahe, noch dazu, da der Hessentag vor der Tür steht. „Oberursel ist eigentlich ein Dorf“, sagt der Designer. „Wenn man durch die Stadt geht, ist man eigentlich nur am Grüßen.“

Obwohl kein Ur-Hesse und auch kein Ur-Orscheler, die Eigenarten der Brunnenstadt erkannte Rathjen schnell. Sei es die Neutorallee, die bei ihm zur Hundehaufenallee wird, oder aber auch der sonntägliche Familienrummel am Maasgrund. Rathjen hatte so viele Ideen, dass er manche Motive gar nicht unterbringen konnte. Seine persönlichen Lieblingsorte sind aber gerade diejenigen fernab von den berühmten Ansichten. „Ich mag Oberursels Seitenstraßen, die Ansichten, die nur wenige kennen. Etwa die obere Haingasse“, sagt der Familienvater.

Mit dem satirischen Kalender betritt er Neuland. Als Illustrator entwirft er sonst Postkarten, Weihnachtskarten für Firmen oder entwickelt Logos. Auch im Webdesign ist Rathjen tätig. Fünf Monate brauchte er von der ersten Idee bis zur Fertigstellung im November. Nebenher musste er seinem eigentlichen Beruf als Illustrator nachgehen, denn Geld verdient er mit dem Kalender erst ab dem Verkauf.

Auch Nachhilfe in Sachen schriftliches Hessisch war nötig. In Kiel geboren und in Baden aufgewachsen, fiel Rathjen die fremde Schreibweise oft schwer. Trotzdem, seinen „Exotenstatus“ will er gerne beibehalten: „Nur so kann ich Sachen kritischer sehen als ein Ur-Orscheler“ , sagt er. Als kreativen Typ bezeichnet Rathjen sich nicht: „Ich sehe mich vielmehr als Handwerker.“ Vor seinem Design-Studium in Darmstadt hatte er ursprünglich eine Schlosserlehre gemacht. „Erst wollte ich etwas mit Technik machen, aber meine Mathe-Noten waren zu schlecht.“ So kam er zum Design.

Mit einer Auflage von 200 Stück geht der Hessentag-Kalender ab dem 20. November in den Verkauf. Man erhält ihn für 15 Euro in der Buchhandlung Bollinger am Camp King, der Buchhandlung Libra am Rathausplatz oder bei größeren Stückmengen unter henning@strichzeug.de. Nur Bürgermeister Brum hat sein Kalenderbild bereits. Dieses wurde ihm von den Kollegen zum Geburtstag geschenkt – heute schmückt es sein Arbeitszimmer im Rathaus.

Auch interessant

Kommentare