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Ohne Stadthalle kein Stadttheater

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Kulturschaffende unterstreichen im „Studio Orschel“ die große Bedeutung des Gebäudes

Oberursel - Stadthalle Oberursel - Kunst oder kann das weg?“ Schließlich muss gespart werden, und zwar an den großen Brocken - denn das strukturelle Defizit, das den städtischen Etat belastet, ist hoch, Tendenz steigend. Da gelte es, jede freiwillige Leistung auf den Prüfstand zu stellen, heißt es aus der Kämmerei. Die Stadthalle schreibt schon lange rote Zahlen - die Rede ist von rund 600 000 Euro Miese im Jahr. Dazu stehen Millionen-Investitionen in den Brandschutz an. Aber kann und will man die Stadthalle zumachen? Abreißen? Fläche verkaufen? Wie viel Geld ist die Stadt bereit, für die Kultur in die Hand zu nehmen? Darum ging es im ersten „Studio Orschel“ nach der Sommerpause. Das Livestream-Talkformat mit Dirk Müller-Kästner vom Verein Kunstgriff und Michael Behrent vom Verein Windrose lockte am Montag rund 20 Zuschauer. Eingeladen waren Sebastian Scherer von der Volkshochschule (VHS) und Rolf Kohlrausch von der Chopin-Gesellschaft. Sowohl Gastgeber als auch Gäste wären von einer Schließung der Stadthalle betroffen: „Die Windrose konnte während der Kontaktbeschränkungen dort mit ihrem Deutsch-Kurs weitermachen. Die Projekte wären sonst tot gewesen“, erinnerte Behrent. Die Stadthalle sei „die Location in Oberursel, die dank der Veranstaltungstechnik, der Akustik, der Saalgröße und des Teams dort unglaublich professionelle Veranstaltungen ermöglicht“, ergänzte Scherer, der bei der VHS unter anderem fürs Stadttheater zuständig ist. „Die VHS nutzt für Kurse und Prüfungen aber auch die Kollegräume. In Oberursel herrscht Raummangel, für unseren Kursplan ist die Stadthalle als weitere Räumlichkeit sehr wichtig“, betonte Scherer. Die Chopin-Gesellschaft buche den Saal schon seit 40 Jahren, sagte Rolf Kohlrausch. Auch der Kulturkreis richte dort die meisten Veranstaltungen aus. Einen berühmten Pianisten bekomme man weder in die Taunushalle noch in die Burgwiesenhalle, weiß Kohlrausch. „Das ist eine Katastrophe, da gibt es nicht mal eine Klimaanlage. Und wenn man im Sommer die Türen aufmacht, hört man die Fußballer.“

Nicht an der Kultur sparen

Auch der Kunstgriff braucht die Stadthalle - wenn auch selten, so Müller-Kästner, schließlich finden die meisten Veranstaltungen des Vereins unter freiem Himmel statt, etwa beim Orscheler Sommer. Auch Müller-Kästner und Behrent sprachen von einem Raumproblem in der Brunnenstadt: Es gebe zwar noch die Gemeindezentren, aber auch diese Räume seien häufig belegt. „Ohne Stadthalle würden wir das Stadttheater lassen müssen“, sagte Sebastian Scherer. Doch an Kultur und Bildung zu sparen, das sei der falsche Weg. „Vor Ort ein Kulturangebot zu haben, also nicht immer nach Frankfurt fahren zu müssen, das ist auch ein Identifikationsmoment für die Oberurseler.“

Auch die großen Konzerte der Chopin-Gesellschaft und des Kulturkreises wären erstmal Geschichte, wenn es die Halle nicht mehr gäbe. „Dabei sind die weichen Faktoren auch ein Standortvorteil. So etwas spielt für Firmen, die sich hier ansiedeln wollen, eine Rolle“, sagte Kohlrausch.

Windrose-Vize Behrent machte sich Gedanken über die Zukunft der Stadtmitte: „Was bedeutet es eigentlich für unser Stadtzentrum, was ist da, wenn wir dort kein Rathaus und keine Stadthalle mehr hätten?“ Eine Vorstellung, die „sehr irritierend“ sei, so Behrent. Die Frage sei, so Müller-Kästner, wie viel Kultur noch kosten dürfe. „Es geht da auch um den Ruf Oberursels als Kulturstadt.“ Die Stadthalle bringe nicht zuletzt Leute in die Stadt - und entsprechend Umsatz.

Kohlrausch unterstrich: „Die Kultur wird man immer unterstützen müssen, mit den Ticketpreisen kann man ja nicht ins Unermessliche gehen. Wer keine Kultur unterstützt, will sie auch nicht.“ Mindestens die Hälfte finanzierten ohnehin Sponsoren. Das Quartett war sich einig: „Wir müssen die Stadthalle erhalten.“ Und vielleicht sogar besser machen - sei es mit einem Kiosk im Eingangsbereich oder dauerhaften Kunstausstellungen. mrm

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