+
Noch kann man bei Rompel Haushaltswaren und Spielzeug kaufen.

Beispiel Rhein-Main

Oberurseler Traditionskaufhaus: Nach 120 Jahren ist Schluss

Im Oberurseler Traditionskaufhaus startet bald der Räumungsverkauf.  In den vergangenen Jahren habe man mit dem Kaufhaus keine Gewinne mehr erzielen können.

Es ist immer noch eine Institution in der Oberurseler Innenstadt, auch wenn es in den vergangenen Jahren in die zweite Reihe gerückt ist: das Kaufhaus Rompel zwischen Vorstadt und Holzweg. Seit fünf Generationen versorgt der Familienbetrieb die Oberurseler mit Eisenwaren, Haushaltsgeräten und Spielsachen. Doch damit ist bald Schluss. Wie Geschäftsführer Andreas Kügel nun im Gespräch mit der FR bestätigt hat, wird das Traditionskaufhaus im kommenden Frühjahr für immer seine Pforten schließen. Demnächst beginnt der Räumungsverkauf.

„Man kann sich nicht mit Gewalt gegen die Zeit stellen“, sagt der 56-Jährige, der das Kaufhaus gemeinsam mit seiner Schwester Beate Kügel-Egler leitet. Natürlich tue es weh, nach mehr als 120 Jahren Familientradition den Schlussstrich ziehen zu müssen, sagt Kügel. Aber es fehle schlicht die Perspektive.

Wie viele andere Kaufhäuser leidet auch Rompel unter dem zunehmenden Onlinehandel. Dabei gehe es vielen Kunden nicht einmal in erster Linie um den Preis, hat Andreas Kügel festgestellt. „Es ist vor allem die Bequemlichkeit.“ Shoppen habe als Freizeitaktivität an Attraktivität verloren. Hinzu komme, dass ein Angebot wie die Geburtstagskiste, in der Verwandte und Freunde Geschenke für Kindergeburtstage finden können, inzwischen in ähnlicher Form auch von großen Internetkonzernen angeboten wird. „Bei uns ist das Interesse seitdem eingebrochen“, so Kügel.

1897 eröffnet Josef Rompel in der Vorstadt 31 eine Kupferschmiede, in der er seine Produkte auch direkt vertreibt. Seine Nachkommen bauten die Handelsaktivitäten aus.

1966 entsteht nahe dem Stammgebäude ein zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, in das die Spielwarenabteilung einzieht. Es wird 1990 noch einmal aufgestockt.

2015 wird das Kaufhaus Rompel um die Hälfte auf knapp 1000 Quadratmeter verkleinert. Ein Investor errichtet das Rompel-Carré. twe

Vor fünf Jahren hatte die Familie das Grundstück von Stammhaus und Parkplatz an einen Investor verkauft, der dort ein Wohn- und Geschäftshaus mit 28 Eigentumswohnungen und 1000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche errichtete. Davon habe man sich eine deutliche Attraktivitätssteigerung für die Fußgängerzone erhofft, sagt Andreas Kügel.

Er und seine Schwester investierten in das Zweitgebäude im hinteren Bereich, wo derzeit noch auf drei Stockwerken Spielzeug und Haushaltswaren verkauft werden. Leider habe sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass das neue Rompel-Carré zusätzliche Kunden in das Kaufhaus locken würde. Die Eigentumswohnungen waren schnell verkauft, doch die Geschäftsflächen stehen zum Teil bis heute leer. Lediglich die Filiale einer Kette für Kinderkleidung und eine Fahrschule haben sich eingemietet.

Die Folge: In den vergangenen Jahren habe man mit dem Kaufhaus keine Gewinne mehr erzielen können, sagt Andreas Kügel. Deshalb hätten er und seine Schwester schon im Februar entschieden, das Geschäft aufzugeben – zumal es auch keine Interessenten für die Nachfolge gebe.

Betroffen sind inklusive Aushilfen 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch die seien ein Grund gewesen, die Entscheidung jetzt zu treffen, betont Kügel. „Derzeit gibt es noch einen guten Arbeitsmarkt.“ Um neue Jobs für sie zu finden, nutze man die eigenen geschäftlichen Kontakte und helfe, wenn nötig, auch bei den Bewerbungsunterlagen. So sei nur noch bei drei oder vier Beschäftigten unklar, wie es weitergeht.

Und auch für die Geschäftsräume gibt es schon eine Lösung. Zum 1. Juli 2020 werde dort ein anderer Gewerbetreibender einziehen, kündigt Andreas Kügel an. Genaueres könne er zurzeit aber noch nicht sagen. Man habe Stillschweigen vereinbart.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare