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Jahrelang arbeitete eine Anlage, um Schadstoffe per Dampf-Luft-Injektion aus dem Boden zu holen.

Oberursel

Vier Tonnen Giftstoffe entsorgt

Die Sanierung auf dem früheren Firmengelände in Oberursel kostet bisher drei Millionen Euro. Die Atemluft wird weiter überwacht.

Heute ist ein guter Tag“, sagt Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne), als in seinem Rücken zwei große grüne Container auf einen Lastwagen gehoben werden. Darin, sicher verpackt für den Rücktransport an die Stuttgarter Uni: jene Anlage, mit der seit 2012 die Altlastensanierung in der Eppsteiner Straße 13 lief. Mittels Dampf-Luft-Injektion wurde der Boden des städtischen Grundstücks aufgeheizt, woraufhin das im Untergrund befindliche Gift – sogenannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) – verdampfte und mit der Bodenluft abgesaugt werden konnte.

Mit dem Abtransport der Anlage, freut sich Fink, gehe eine „technisch anspruchsvolle Sanierung erfolgreich dem Ende entgegen“. Die Maßnahme sei ein „enormer Kraftakt“ gewesen. Aus den zwei Jahren, nach denen laut Fink „der Spuk vorbei“ sein sollte – wie man anfangs dachte –, wurden acht, aus geschätzten Kosten von 660 000 Euro wurden drei Millionen. 330 000 Euro hat Wiesbaden übernommen, mehr war nicht zu holen – das Förderprogramm wurde eingestellt. „Das hat alles der Steuerzahler gezahlt, dafür dass eine Firma in den Siebzigern kräftig Geld verdient hat“, sagt Fink, der sich immer noch darüber ärgert, dass man der Verantwortlichen „nicht mehr habhaft werden“ konnte.

Von 1955 an reinigte die Chemiefabrik Büscher und Gausmann an der Eppsteiner Straße Fässer mit LHKW-haltigen Mitteln. Was „in den Boden gekippt“ worden sei, so Fink, sei von „kriminellem Ausmaß“. 1976 kaufte die Stadt das Areal im Rahmen der Altstadtsanierung, 2002 gab sie – nach Hinweisen auf Altlasten – erste Bodenuntersuchungen in Auftrag. Auch Volker Schrenk vom Projektsteuerer CDM Smith spricht von einem „gigantischen Schaden“. Die verunreinigte Fläche misst 200 Quadratmeter. 14 Meter ging’s mit den inzwischen zugeschütteten Injektionsbrunnen in die Tiefe. Aus 6000 Tonnen Boden, resümiert Schrenk, seien über vier Tonnen Schadstoff geholt worden. Schon im Sommer 2019 stellte man die weitere Aufheizung des Untergrunds in Abstimmung mit der zuständigen Behörde, dem Regierungspräsidium (RP), ein, weil immer weniger LHKW ausgetragen wurde – seitdem kühlt der auf 82 Grad erhitzte Boden ab, aktuell sei er 23 Grad warm, berichtet der Ingenieur.

 „Wir sehen eine geringe Restbelastung“

Doch komplett sauber ist er nicht. „Wir sehen eine geringe Restbelastung“, sagt Schrenk. Um die wird es in der sogenannten Nachsorgephase gehen, in der eine deutlich kleinere Anlage weiter kontaminierte Luft absaugen soll – losgehen könnte es im Januar. Die Kosten sind unklar, hängen sie doch auch davon ab, was das RP vorgibt. In der Regel erstrecke sich die Nachsorge über fünf Jahre, weiß Jens Gessner aus der Umweltabteilung im Rathaus.

Das Grundwasser, das laut Fink weiterhin Belastungen zeigt, und die Raumluft in den Häusern auf der Sanierungsfläche würden weiter überwacht. Das Ziel des Vorhabens – die Qualität der Luft, die die Bewohner einatmen, deutlich zu verbessern –, sei schon erreicht worden, kein Grenzwert werde mehr überschritten. „Wir haben dort jetzt gesunde Verhältnisse“, betont Schrenk. Gesundheitliche Folgen der LHKW-Belastung, so Fink, seien nicht aufgetreten. Schwierig war die Altlastensanierung auch wegen des hohen Tongehalts – deshalb startete die bundesweit einzigartige Versuchseinrichtung zur Erforschung der Sanierung von Kontaminationen in Boden und Grundwasser (Vegas) an der Stuttgarter Uni 2012 mit einem Piloteinsatz der Sanierungsanlage. „Wir mussten schauen, ob es funktioniert, vor allem wegen der Setzungseffekte, die im Zentimeterbereich liegen können, was unter Häusern schwierig wäre“, erklärt Oliver Trötschler von der Vegas. In der Folge habe die Uni das Gesamtprojekt durchgeführt – und Erkenntnisse gewonnen. Das Anwendungsfenster habe sich erweitert, sagt der Ingenieur für Verfahrens- und Umwelttechnik.

Die Sanierung mit thermischer Unterstützung habe sich etabliert, bestätigt Schrenk. Umstritten war sie trotzdem: Vor allem der BUND kritisierte sie immer wieder. „Das ging an die Grenze“, sagt Trötschler, und Schrenk meint: „Das war eine völlig transparente Sanierung. Wir haben die Diskussion versachlicht und konnten alle Behauptungen wissenschaftlich widerlegen.“ Die hohen Werte im Abstrom des Areals, an Messstelle fünf, hätten nichts mit der Altlastensanierung zu tun. „Die waren schon vorher so hoch.“ Was in Sachen Grundwasserbelastung noch getan werde müsse, stimme man mit dem RP ab, erklärt Fink. Und Gessner sagt: „Wir wissen, dass unter dem Stadtgebiet noch eine Menge LHKW unterwegs ist.“

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