Oberursel

Oberursel: Vier Tonnen Giftstoffe im Boden

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Seit Jahren wird ein Grundstück am Rande der Oberurseler Altstadt saniert. Die Arbeiten könnten bald enden. Doch das Grundwasser bereitet noch Probleme.

Seit mehreren Jahren sind Spezialisten dabei, die giftigen Hinterlassenschaften einer Chemiefirma am Rande der Oberurseler Altstadt zu beseitigen. Die enorme Menge von 4000 Kilogramm an chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) habe man dabei mit Hilfe der Dampf-Luft-Injektion (siehe Info-Kasten) aus dem Boden geholt, teilte Projektsteuerer Volker Schrenk von dem beauftragten Unternehmen CDM-Smith am Mittwoch mit.

Doch er hatte den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses auch eine gute Nachricht mitgebracht: Die Schadstoffmengen seien inzwischen so stark zurückgegangen, dass das energieintensive Injektionsverfahren in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium (RP) als Aufsichtsbehörde bereits Ende Juli eingestellt werden konnte. Seien zu Spitzenzeiten 150 bis 160 Kilogramm CKW pro Monat ausgetragen worden, liege die Menge derzeit nur noch bei drei bis vier Kilo, so Schrenk. Zudem sei das wichtigste Ziel erreicht, die Luft-Schadstoffkonzentration in den anliegenden Gebäuden dauerhaft unter die vom RP vorgegebenen Werte zu senken. „Eine Gefährdung der Anwohner ist nicht mehr vorhanden“, betonte der Projektsteuerer.

Ursprünglich war die Stadt davon ausgegangen, dass die Sanierung schon deutlich früher beendet werden kann. „Da waren wir zu optimistisch“, räumte der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) ein. Mit Unterbrechungen laufen die Arbeiten auf dem Grundstück an der Eppsteiner Straße bereits seit 2012. Und auch jetzt können sie noch nicht komplett eingestellt werden.

Bei den Schadstoffen handelt es sich um chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW), die eine krebserregende Wirkung haben können. Sie sind Hinterlassenschaften der Firma Büscher und Gausmann, die bis in die 1970er Jahre auf dem Grundstück Eppsteiner Straße 13 aktiv war.

Bei der Dampf-Luft-Injektion (DLI) wird heißer Dampf bis zu zwölf Meter tief in den Boden gepumpt. Der heizt sich so auf 80 bis 90 Grad Celsius auf (üblich sind etwa 9 Grad), wodurch die CKW gelöst und in Gas umgewandelt werden. Dieses wird aus dem Boden abgesaugt und durch Aktivkohlefilter unschädlich gemacht. 

So müsse das Absaugen der Luft noch etwa ein bis zwei Jahre fortgesetzt werden – bis sich der aufgeheizte Boden wieder abgekühlt hat, erläuterte Volker Schrenk. Dabei werde man weiterhin genau die Entwicklung der Schadstoffmenge im Auge haben, um die Dampf-Luft-Injektion bei Bedarf wieder starten zu können. Ende Januar 2020 soll gemeinsam mit dem RP entschieden werden, ob ein Teil der Anlage abmontiert werden kann.

Zum anderen befinden sich die CKW auch im Grundwasser. Die Konzentration betrage bis zu 100 Milligramm pro Liter. „Das ist eine sehr hohe Belastung“, sagt Schrenk. Derzeit pumpe man das Wasser ab, um ein Ausbreiten zu verhindern.

Im Gegensatz zur Schadstoffbelastung im Boden sei es bislang nicht gelungen, eine wesentliche Verbesserung beim Grundwasser zu erreichen, so Schrenk. Deshalb will er nach einer Genehmigung durch das RP das Verfahren der In-Situ-Chemischen-Oxidation (ISCO) anwenden. Dabei wird ein Oxidationsmittel in das Grundwasser gegeben und die CKW in Kohlendioxid und Chlorid umgewandelt. Dass das Grundwasser dadurch zusätzlich belastet wird, sei auszuschließen, betonte Volker Schrenk. Schließlich kämen die Endprodukte der eingesetzten chemischen Verbindungen auch in der Natur vor.

Bislang habe man die ISCO wegen der hohen Bodentemperaturen nicht anwenden können, so Schrenk. Nach seiner Einschätzung dürften die Temperaturen zur Jahreswende 2019/20 so weit abgesunken sein, dass die Grundwassersanierung beginnen kann. Schrenk geht davon aus, dass sie bereits nach wenigen Wochen erfolgreich beendet werden kann.

Auch an anderen Stellen in der Stadt vermuten die Verantwortlichen Schadstoffe im Boden, die das Grundwasser belasten. Man bemühe sich, die Quellen aufzuspüren, sagte Jens Gessner, Leiter der Umwelt-Abteilung im Rathaus. Eine Gefährdung der Bevölkerung gebe es aber nicht, versichert er. Bevor es als Trinkwasser in die Leitungen gelangt, werde es entsprechend behandelt.

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