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Das alte Rathaus findet sich als Motiv auf einer der Druckplatten.

Oberursel

Oberursel: Klischees aus der Kiste

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Die Volkshochschule übergibt mehr als 100 historische Druckplatten an das Stadtarchiv Oberursel. Sie sind durch einen Zufall wieder aufgetaucht.

Gut, dass der Hausmeister der Volkshochschule (VHS) Hochtaunus noch ein zweites Mal hingesehen hat. Beim alljährlichen Aufräumtag sei der Mitarbeiter auf eine alte Kiste gestoßen, mit der er zunächst nichts habe anfangen können, berichtet VHS-Leiter Carsten Koehnen.

Nach dem Öffnen sei aber schnell klar gewesen, dass sich in dem Karton ein „kleiner Schatz“ befand: Mehr als 100 Druckstöcke mit Kupferplatten lagen darin, sogenannte „Klischees“, auf denen Stadtansichten von Oberursel zu sehen sind.

Diese hat Koehnen nun offiziell an das Stadtarchiv übergeben, sehr zur Freude von dessen Leiterin Andrea Bott. Denn bereits im vorigen Jahr war ebenfalls in der VHS eine städtische Aktenmappe mit Probedrucken entdeckt worden, die sie zunächst nicht habe zuordnen können. Nun zeigte sich, dass die Abzüge und die Klischees zusammengehören.

Weitere Recherchen ergaben, dass es sich bei den Druckplatten um Vorlagen für Bücher, Broschüren und andere Veröffentlichungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts handelt. Die beiden Lokalhistoriker Manfred Kopp und Bernd Ochs konnten einen Großteil sogar konkreten Publikationen zuordnen. Demnach stammen die bislang identifizierten Klischees aus den Jahren 1901 bis 1937.

Zu sehen sind darauf Motive wie das alte Rathaus, das alte Gymnasium oder eine Straßenbahn. Die Bilder wurden für Stadtführer durch Oberursel oder Festschriften zu Vereinsjubiläen verwendet. Nach Manfred Kopps Erkenntnissen wurden diese in der Regel in dem Betrieb von Jakob Abt gedruckt, gelegentlich auch in der Druckerei von Heinrich Berlebach.

Die Technik des Klischeedrucks

Zusammengetragen hatte die Druckplatten wohl Wilhelm Wollenberg, der nicht nur von 1960 bis 1966 Oberurseler Kulturdezernent war, sondern auch zu den Gründern des Bundes für Volksbildung gehörte, dem Trägerverein der VHS Hochtaunus. Möglicherweise habe er die Klischees für eine Fortschreibung der Stadtchronik gesammelt, vermutet Kopp.

Kopp befasst sich bereits seit den 60er Jahren mit der Geschichte der Oberurseler Druckereien. Diese reicht nach seinen Erkenntnissen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Technik des Klischeedrucks sei aber auch für ihn etwas Neues gewesen. Dabei sei das Negativ eines Fotos mit Hilfe eines chemischen Verfahrens auf eine Kupferplatte übertragen worden, die auf einem Holzklotz befestigt war.

Theoretisch wäre es möglich, die alten Klischees nochmals zum Drucken zu verwenden, erläutert Kopp. Eine örtliche Druckerei habe sogar noch die entsprechende Maschine dafür. Allerdings sei der Aufwand für einzelne Abzüge extrem hoch. Der Lokalhistoriker will im kommenden Jahr ein weiteres Buch über das Druckereigewerbe in Oberursel veröffentlichen.

Bevor Besucher des Stadtarchivs die wiederentdeckten Klischees in Augenschein nehmen können, müssten diese erst einmal detailliert beschriftet werden, sagt Andrea Bott. Eine Ausstellung ist vorerst nicht geplant. Ohnehin bleibt das Stadtarchiv in der Schulstraße von Montag, 28. Oktober, bis Mittwoch, 20. November, geschlossen. Das Foyer wird saniert.

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