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Im Vortaunusmuseum geht es um „Die fünfte Jahreszeit“. 

Oberursel

Geschichte der fünften Jahreszeit in Oberursel

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Fastnacht, Karneval, Fasching – der Ursprung und der Wandel sind in einer Ausstellung im Vortaunusmuseum zu sehen.

Karneval – das Spiel der verkehrten Welt. Das Fest der Eitelkeiten. Die Zeit, in der die Gegenpole Völlerei und Fasten, Ausschweifung und Verzicht, Maßlosigkeit und Demut sich auf dem Höhepunkt begegnen. Der Ausdruck von der „Fünften Jahreszeit“ ist ein schönes Bild für diesen Ausnahmezustand, der ja ein durchaus christliches Vorfastenfest spiegelt. Ein Spiel außerhalb der Normalzeit mit neu gemischten Karten und in mancherlei Hinsicht mit völlig anderen Regeln. Seit Jahrhunderten, als der Karneval bei Hofe die Tradition begründete.

„Temporäre Gegenwelt“

Die Ausstellung
Die Ausstellung im Vortaunusmuseum, Marktplatz 1, ist bis 28. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs 10 bis 17 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

„Es ist eine temporäre Gegenwelt“, so fasst das Renate Messer zusammen. „Weiber werden zu Männern, Herren zu Sklaven, der Reiche spielt den Armen und der Narr regiert die Welt.“ Die Leiterin des Vortaunusmuseums am Historischen Marktplatz hat die Sonderausstellung „Die Fünfte Jahreszeit – Fastnacht, Fasching, Karneval“ passend zum Beginn der närrischen Umtriebe akribisch vorbereitet. Hat sich im berühmten Fastnacht-Museum Kitzingen begeistern lassen und dort Leihgaben eingesammelt, hat mit Hilfe der vielen Oberurseler Karnevalvereine aus den Stadtteilen die örtliche Fastnachtsgeschichte liebevoll dokumentiert und einen Blick in die Historie des Brauchtums gewagt, das schon seit dem 15. Jahrhundert verbrieft ist. Für Oberurseler sind die vielen Schwarz-Weiß-Fotos aus närrischen Zeiten zwischen 1930 und 1980 ein wunderbar weites Feld für Entdeckungsreisen.

Vorhang auf, hinter Stoffbahnen in krachendem Rot öffnet sich die kleine Welt, die vom Ursprung und vom Wandel eines Festes erzählt. Wappenschilder aus Holz geschnitzt, Teufels- und Eulenmasken, Schellengurt, Dreschflegel und Peitsche, Bilder vom Zottler und Klötzler und der „Krameter“, der den Zug der Thaurer Muller in Tirol mit seinen skurrilen Masken anführt. Das Gewand des Krameters besteht aus frisch geschnittenen duftenden Wacholderstauden, sein Träger kann schon mal bis zu 45 Kilogramm schleppen müssen, heißt es in der Erklärung.

Da hat es der Fastnachter in hiesigen Gefilden leichter, es sei denn, er hat Orden im Dutzend und mehr zu schleppen. Wie Günter III. vom CV Stierstadt, Narrenprinz der Kampagne 1998/99. In diesem Fall die Schaufensterpuppe, die sein blau-goldenes Ornat trägt, sie ist als einzige in der ausgestellten Sammlung festlicher Roben von Prinzen und Prinzessinnen und Gardetänzerinnen nicht kopflos, bei den anderen lenkt nichts vom Blick auf das Festkleid ab. Aber Orden ohne Hals, das würde nicht schön aussehen.

„Karneval – das Fest der Eitelkeiten“, so wird ein Fastnachtsforscher auf einer der nüchtern-sachlichen Info-Tafeln zitiert. „Frauen blockieren vor einer Sitzung stundenlang den Toilettenspiegel und Männer gockeln in Operettenuniformen, stecken sich Pfauenfedern an die Mützen und lassen Orden auf der Brust scheppern“. Einst wurden diese zum Spott über eitle Militärs getragen, später gierten die uniformierten Narren nach solcherart Ehrbezeugung.

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