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Mehr Kinder verköstigt

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Von: Fabian Böker

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Die Tafel-Runde sortiert die Lebensmittel für die Bedürftigen.
Die Tafel-Runde sortiert die Lebensmittel für die Bedürftigen. © Rolf Oeser

Die Oberurseler Tafel versorgt 400 Bedürftige mit Essen. Unter den Menschen, die sie verköstigt, sind immer mehr Kinder. Um sie zu versorgen, braucht die Tafel mehr ehrenamtliche Helfer.

Mittwochvormittag, 10.30 Uhr, Oberursel. Während draußen die Temperaturen allmählich auf Höchstwerte steigen, wuseln drinnen die Mitarbeiter der Oberurseler Tafel durch die Räume, begutachten Lebensmittel, sortieren diese und räumen sie in eine der zahlreichen grünen Boxen. Die Arbeit ist anstrengend. Aber sie lohnt sich, denn die Lebensmittel sind für Bedürftige, die sie später am Nachmittag abholen werden.

Die Zahl der Bedürftigen ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen.

Strenges System

Rosemarie Steinkamp ist seit 1997 für die Tafeln tätig, zunächst in Bad Homburg, seit der Eröffnung der Oberurseler Stelle 2009 vor allem dort. Derzeit werden 195 Haushalte mit 435 Menschen in Oberursel von der Tafel unterstützt. Davon sind 117 Kinder unter 14. Außerdem packen die Mitarbeiter hier an der Wallstraße auch noch Boxen für 90 Menschen in Neu-Anspach und 37 weitere in Königstein.

Die Arbeit beginnt um 9 Uhr, jeden Dienstag und Mittwoch. Die beiden Fahrer bringen Lebensmittel, die sie aus Supermärkten kostenlos beziehen, vorbei. Die Helfer der Tafel räumen diese dann in die Boxen. Jede Box ist genau beschriftet, mit Namen und Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. Das können auch schon mal bis zu sechs sein, erklärt Rosemarie Steinkamp. Entsprechend voller muss die Box werden.

Obst, Gemüse, Brot, Kartoffeln, Chips, Joghurt, Wurst, Fertiggerichte die Auswahl ist groß, kaum ein Unterschied zum Einkauf im Supermarkt. Nur der Preis, der ist selbstverständlich anders. Zwei Euro müssen für eine Box gezahlt werden, die Ausgabe erfolgt alle zwei Wochen. Um Missbrauch vorzubeugen gibt es ein strenges System bei der Ausgabe: Die erfolgt ab 14 Uhr, und jeder Tafel-Besucher hat eine feste Uhrzeit, zu der er seine Box abholen muss. Ausgehändigt wird sie ihm dann gegen Vorlage eines Ausweises der Diakonie.

Dass nicht noch mehr Menschen diesen Ausweis beantragen und sich Lebensmittel bei der Tafel holen, hat einerseits einen ganz banalen Grund: Wir haben keinen Platz mehr, um noch mehr Essen und Boxen zu lagern, sagt Steinkamp. So existiert auch schon eine Warteliste. Andererseits ist es auch eine gewisse Scham bei den Bedürftigen. Eine falsche Scham, wie es Renate Weigand nennt, die ebenfalls seit der Eröffnung der Oberurseler Tafel 2009 aktiv ist. Viele bringen es nicht übers Herz, sich Essen bei der Tafel zu holen.

Um so glücklicher sind die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter, wenn sie die Dankbarkeit spüren. Zu Weihnachten gebe es schon mal Dankeskarten, nach der Essensausgabe auch oft ein Lächeln. Nur bekommen das Helfer wie Renate Weigand oder Erika Langanke fast nie mit. Wir sortieren ja nur ein, die Ausgabe übernehmen andere, sagen beide bescheiden. Aber wir wissen, dass wir helfen, und das macht uns glücklich.

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