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Lichte, weite Räume

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Klare, strenge Formen: Die Dachterrasse der Familie Rohé.
Klare, strenge Formen: Die Dachterrasse der Familie Rohé. © Martin Weis

Beim Tag der Architektur gibt es edles Design zu sehen und ungewöhnliche Wohnlösungen.

Von Klaus Nissen

Keine 400 Wohnungen werden pro Jahr im Hochtaunuskreis gebaut. Der Boden ist besonders im Vordertaunus sehr teuer. Wer trotzdem baut, kann sich auch Besonderes leisten. Der Tag der Architektur ermöglichte am Wochenende den Blick in neue Wohnhäuser, von denen die FR zwei besichtigte. Sie wirken edel, klar gegliedert, großräumig und hell. Frei von runden Formen. Und ein wenig steril. Die Hausherren haben vorher aufgeräumt.

Beim Ehepaar Wolfertz in Bad Homburg führt eine Außentreppe aus angerostetem Corten-Stahl zur Haustür mit dem großen Seitenfenster. Das Satteldach und alle Fassaden sind mit großen dunkelgrauen Eternitplatten bedeckt. So etwas gibt es hierzulande nur an Funktionsbauten – beispielsweise am neuen Oberurseler Gymnasium. Die Dach- und Fassadenverkleidung von Wohnhäusern sei eher in der Schweiz üblich, sagt Lore Wolfertz.

Fließt denn das Wasser nicht die Wände herunter, wenn es regnet? „Es läuft unter den Platten ab“, erzählt die Hausherrin. „An der Dachkanne liegt eine verdeckte Regenrinne“. Und ins Dach sind sieben Solarmodule zur Warmwasserbereitung integriert.

Die Friedrichsdorfer Straße am Rande des Hardtwaldes ist eingezwängt zwischen Hecken aus Buchsbaum, Buche oder Lorbeer. Die Bewohner dieser Gegend wollen ihre Ruhe. Familie Wolfertz hat hier vor 22 Jahren ein noch bezahlbares Haus aus dem Jahre 1949 erstanden. Einen Nachkriegsbau mit dünnen Wänden, kleinen Zimmern und einem Steildach, dessen oberste Kammer nur per Ausziehleiter erreichbar war.

Keine Frage des Geldes

Als die Kinder aus dem Haus waren, legten Lore und Dirk Wolfertz richtig los. Sie haben ein Architekturbüro in einem 450 Jahre alten Haus der Homburger Altstadt, befassen sich jeden Tag mit der behutsamen Erneuerung alter Gebäude. „Jetzt wollte ich mal etwas ganz Modernes bauen“, bekennt die Hausherrin. „Etwas, das trotzdem noch etwas mit unserem alten Haus zu tun hat.“ Vom Heim der Familie blieben nach dem Umbau freilich nur das Kellergeschoss, die Eichentreppe in den ersten Stock und ein paar Mauerkerne übrig. „Mehr war leider nicht erhaltenswert“, sagt Lore Wolfertz. Die große, helle Küche mit dem langen Esstisch aus einer alten Spessart-Eiche und dem rundum erreichbaren Herd hat ein großes Fenster und eine Tür zur ebenfalls großen Terrasse. Deren Boden besteht aus Bambusholz. Der Abgang zum Rasen ist ebenso aus Cortenstahl wie das seitliche Terrassenregal mit quadratischen Fächern für das Kaminholz.

Drinnen schließt sich das Wohnzimmer ein paar Stufen tiefer offen an die Küche an. Die Bauherren haben es tiefer gelegt, um mehr Deckenhöhe zu erreichen. Der Boden besteht im Erdgeschoss und oben im großen Badezimmer aus hellgrauen Kalksteinplatten, die Wände in den Sanitärbereichen aus Metall und Eternit. Keine Fliese ist in diesem Haus verlegt. Die Wände weiß, die Decken hoch, die Fenster groß. Versenkbare Schiebetüren. Das Haus sieht edel aus, sehr teuer. „Es ist keine Frage des Geldes“, widerspricht die Hausherrin energisch. Im ersten Stock zeigt sie auf das Parkett im Eichendielen-Look: „Der Fußboden kostete 44 Euro pro Quadratmeter. Er ist ultragünstig!“

Fünf Kinderzimmer

Für Sharon und Thomas Rohé in Oberursel war ein großer Neubau angesagt, weil sie fünf Kinder im Alter von ein bis 13 Jahren haben. Karin Schunda vom Architektenbüro „monogruen“ baute ihnen ein Großfamilienhaus mit 550 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche. An der Brüder-Grimm-Straße ragen zwei verschränkte Kuben in die Höhe. Über der Doppelgarage die große Küche mit dem Esszimmer und dem von Panoramascheiben gesäumten Wohnbereich. In der schneeweiß gestrichenen Etage darüber hat jedes Kind sein eigenes Zimmer. Die fünf Kids teilen sich ein Bad und ein Wohnzimmer. „Sie sollen sich hier wohlfühlen“, sagt ihre Mutter. Ins Staffelgeschoss ganz oben zieht sie mit ihrem Mann ein. Die riesige Dachterrasse mit dem Holzboden bietet einen Blick auf die Hochhäuser von Frankfurt. „Ich kann selber auch mit wenig auskommen“, sagt die Hausherrin. Aber sie muss es nicht.

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