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Lernen unter Bäumen

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Von: Olaf Velte

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Förderverein-Vorsitzender Dieter Rosentreter inmitten des Schulwaldes.
Förderverein-Vorsitzender Dieter Rosentreter inmitten des Schulwaldes. © Martin Weis

Im Schulwald in Oberursel steht die Naturpädagogik im Vordergrund. Die Betreuer wollen feste Kooperationen mit Naturschutzverbänden und dem Naturpark Taunus eingehen, um die Angebote weiterzuentwickeln.

Im Schulwald in Oberursel steht die Naturpädagogik im Vordergrund. Die Betreuer wollen feste Kooperationen mit Naturschutzverbänden und dem Naturpark Taunus eingehen, um die Angebote weiterzuentwickeln.

Noch einmal Indianer sein. Auf geheimen Pfaden durchs Unterholz pirschen, das Lagerfeuer in Brand setzen, abends müde ins Tipi kriechen. Über sich die Vögel hören, den Wind in den Baumwipfeln. Noch einmal Grundschüler sein – um den Oberurseler Schulwald besuchen zu dürfen.

Es ist leicht zu verstehen, warum die kreisweit einmalige Einrichtung am Ende des Altenhöfer Wegs solch einen Zauber auf Kinder ausübt. Rund 5000 dürfen sich hier jedes Jahr tummeln, an Veranstaltungen, Schulausflügen oder Ferienspielen teilnehmen. Heute kommen Anfragen von Kindergärten und Schulklassen aus der ganzen Region.

Die Nachfrage ist groß

„Wir müssen vielen Interessenten eine Absage erteilen – die Nachfrage ist einfach zu groß“, sagt Dieter Rosentreter, Vorsitzender des Fördervereins Schulwald. Aus bescheidenen Anfängen ist eine Institution erwachsen, um die Oberursel zu beneiden ist. Auf 10 000 Quadratmetern Forstfläche finden sich nicht nur verschiedene Baumarten wie Wildapfel, Zitterpappel oder Stechpalme, das Areal ist auch bestückt mit Waldmuseum, Insektenhotel und Indianerzelt.

Seit zehn Jahren wird die „Oase der Stille“ naturpädagogisch genutzt. Vor einigen Monaten hat die städtische Abteilung Umwelt- und Naturschutz die organisatorische Betreuung übernommen, das Konzept soll weiterentwickelt werden. Feste Kooperationen mit Naturschutzverbänden und dem Naturpark Taunus sind geplant.

Für Dieter Rosentreter eine zukunftsfähige Konstellation: „Der Erhalt des Schulwaldes muss gesichert sein.“ Auch in Zeiten schlaffer Stadtsäckel. Jahr für Jahr summieren sich Kosten von rund 15 000 Euro – die weitgehend durch Spenden gedeckt werden müssen. „Wir sind immer auf der Suche nach Sponsoren und Menschen, die den Verein unterstützen.“ Ohne ehrenamtliches Engagement läuft auch in dem eingezäunten Naturraum nichts: Wege müssen regelmäßig instand gesetzt und Veranstaltungen betreut werden. Unverzichtbar sind auch die Fachleute von Bau & Service Oberursel, die alle notwendigen Baumfällungen durchführen.

Reichhaltig ist die Angebotspalette. Ob Nachtwanderungen, Bachexkursionen, Kinderwerkstätten oder Vater/Kind-Touren – kaum ein Naturerlebnis wird ausgelassen. Das große Waldfest am Ende der Sommerferien hat sich mittlerweile zum stark frequentierten Höhepunkt im Jahreskreis gemausert. Am Programm 2014 wird derzeit gearbeitet.

„Der Jugend zu Nutze – dem Wald zum Schutze“, ist über dem alten Eingang zur „Häschenschule“ zu lesen.

Hessenweit ohne Beispiel

Hier, wo 1992 alles begann, sieht es aus wie in dem Kinderbuch-Klassiker von Fritz Koch-Gotha: Hölzerne Bänke und Tische, die Tafel unter hochstrebenden Kiefern. „An Pädagogik haben wir anfangs nicht gedacht“, so Rosentreter, der das Projekt mit dem damaligen Förster Jörg Schultz und Altbürgermeister Gerd Krämer vorangetrieben hat. Der Platz, zu dem auch ein Teich gehört, sollte Kindergärten als Ort sinnlicher Erfahrung zur Verfügung stehen.

Weil die Einrichtung so gut angenommen wurde, erwuchs aus der Häschenschule ein ganzer Schulwald. 1999 gründete sich der Förderverein. „Zu jener Zeit gab es so etwas in Hessen noch nicht.“ Dass Förster Schultz viel Zeit und Energie investiert habe, sei ein Glück gewesen. „Heutzutage wäre ein solches Vorhaben nicht mehr zu realisieren.“

Ein Schafstall wurde in der Oberurseler Wiesengemarkung abgeschlagen und in den Forst versetzt – das „Museum“ mit seinen Schautafeln und Exponaten ist dort untergebracht. Daneben erhebt sich ein flaches Wirtschaftsgebäude mit Küche und Sanitäranlagen. In den stürmischen Aufbaujahren fanden sich begeisterte Unterstützer am Altenhöfer Weg ein – darunter auch ein Sägewerksbesitzer aus Schloßborn. Heute ist das Gatter von 1909 ein Juwel im Waldesrund. Frisch geschnittene Bretter stapeln sich an der Hüttenwand, der Geruch von Sägemehl liegt in der Luft.

„Wer einmal hier war, möchte wiederkommen“, sagt Dieter Rosentreter. Nicht nur Kinder – auch erwachsene Indianer haben eine Sehnsucht, einen Freiheitsdrang. Weitere Attraktionen sind geplant. Hinter dem Tipi soll ein Kohlenmeiler in Betrieb genommen werden. Die entsprechende Info-Tafel ist jedenfalls schon platziert.

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