1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Lage der Kinderbetreuung „dramatisch“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Personal und Plätze fehlen in Kita, Hort und Krippe / Kosten stark gestiegen

Oberursel - Die Kita-Betreuung ist für Kommunen kein gutes Geschäft: Während die Stadt Oberursel zwischen 2012 und 2022 mehr als 500 neue Betreuungsplätze für unter Dreijährige, Kindergartenkinder und Grundschüler schuf, was einer Steigerung um durchschnittlich 20 Prozent entspricht, stiegen die Ausgaben im gleichen Zeitraum um mehr als 70 Prozent: Vor zehn Jahren belastete der Sektor Kinderbetreuung den städtischen Haushalt noch mit rund zwölf Millionen Euro, 2022 waren es schon knapp 21 Millionen Euro.

Dem stehen stadtweit rund 3400 Plätze gegenüber - 550 im U 3-Bereich, 1580 in Kindergärten und 1290 in der Grundschulbetreuung, wie im Entwurf des Kita-Entwicklungsplans 2023 nachzulesen ist. Das 35-seitige Papier stand am Dienstag auf der Tagesordnung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses.

Ausbaubedarf besteht nach wie vor: In Krippen und bei Tageseltern fehlen aktuell rund 80 Plätze für unter Dreijährige, um die 80-prozentige Versorgungsquote zu erreichen, mit der die Stadt zur Erfüllung des Rechtsanspruchs kalkuliert.

Familien bekommen immer wieder Absagen

Bis 2028 steigt der Fehlbedarf auf insgesamt knapp 100 Plätze an, wenn man Geburten-Prognosen und die neuen Baugebiete berücksichtigt. In den Kindergärten schaut es besser aus - zumindest auf dem Papier: Die stadtweite Versorgungsquote liegt aktuell und in den kommenden Jahren konstant bei über 100 Prozent.

Allerdings ist nicht jeder Stadtteil gleich gut aufgestellt, insbesondere in Bommersheim und Stierstadt fehlen derzeit noch wohnortnahe Kindergartenplätze. Und: In der Realität kommt es trotz der grundsätzlich mehr als ausreichenden Kapazität immer wieder zu Absagen für Familien. „Die Hauptursache liegt in dem immer stärker spürbaren Fachkräftemangel, der zur Nichtbesetzung von Plätzen bis hin zur Schließung ganzer Kitagruppen führt“, heißt es im Kita-Entwicklungsplan. Im Kindergartenbereich seien schon heute mangels Erzieherinnen rund 100 Plätze nicht belegbar, „was dann doch zu einem Engpass in der Sicherstellung des Rechtsanspruches führt“.

Der Personalmangel werde sich weiter verschärfen: Neben der Finanzierung der Angebote scheine „vor allem die Gewinnung ausreichender und gut qualifizierter Fachkräfte ein nahezu aussichtsloser Kampf zu sein“, schreibt die Verwaltung im neuen Kita-Entwicklungsplan.

Die Grundschulbetreuung stellt eine besondere Herausforderung dar - obwohl man den Bereich in den vergangenen zehn Jahren am stärksten ausgebaut habe, ohne Rechtsanspruch, wie Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) sagte. „Die Eltern sitzen bei uns und haben den Bedarf.“

Dennoch zählen die Oberurseler Horte und Betreuungszentren noch 960 Plätze zu wenig, um alle Grundschüler zu versorgen. Die Quote liegt bei unter 60 Prozent, und Ganztagsschulen oder Grundschulen im Landesprogramm „Pakt für den Nachmittag“ gebe es in der Brunnenstadt keine, weshalb fast alle Angebote von der Stadt finanziert werden müssten.

Derweil plant Berlin den Rechtsanspruch auch für diese Altersgruppe, der von 2026 an greift - man müsse davon ausgehen, dass ihn „nahezu 100 Prozent der Familien in Anspruch nehmen“, heißt es im Kita-Entwicklungsplan. Noch unklar sei, welche Rahmenbedingungen und Durchführungsvorschriften vorgegeben würden. Ende März soll das Stadtparlament den endgültigen Kita-Entwicklungsplan 2023 beschließen. Bis dahin werde der Empfehlungsteil noch konkretisiert, sagte Fink.

Auch interessant

Kommentare