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Mit Bembel und Geripptem: Florian (links) und Valentin Steden in ihrer Kelterei in der Oberurseler Altstadt.
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Mit Bembel und Geripptem: Florian (links) und Valentin Steden in ihrer Kelterei in der Oberurseler Altstadt.

Oberursel

Keltern vor Publikum

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Die Brüder Florian und Valentin Steden planen an der Regionalparkroute ein Ausflugslokal mit Schaukelterei. Es gibt aber Bedenken wegen der Verkehrsbelastung.

Das Stöffche hat Zukunft. Davon sind Florian und Valentin Steden fest überzeugt. „Junge Leute trinken wieder mehr Apfelwein“, sagt Florian, der selbst erst 29 Jahre alt ist. Und auch neuere Kreationen wie Apfelsecco kämen prima an.

Deswegen haben sich die beiden Brüder im vergangenen Jahr entschieden, den familieneigenen Obstanbaubetrieb zu übernehmen. Und sie haben vor, ihn auszubauen. Das sei jedoch am angestammten Standort in der Altstadt nicht möglich, schildern sie. Bei einem Rundgang wird deutlich, warum: Die Kelterei arbeitet jetzt schon auf zwei Ebenen. Und im Lagerraum ist keine Fläche mehr übrig für neue Tanks.

„Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Florian Steden. Richtig problematisch werde es im Sommer, wenn der Hof zur Straußwirtschaft „Alt Orschel“ umfunktioniert wird und sie gleichzeitig mit einem Traktor auf das Grundstück müssten. „Das ist eine riesige Rangiererei.“

Deswegen wollen die Steden-Brüder die Kelterei so bald wie möglich an die verlängerte Freiligrathstraße auslagern. Dort hat die Familie ein Grundstück, auf dem schon eine Maschinenhalle steht. Außerdem wächst der Rohstoff auf den Apfelwiesen direkt nebenan, so dass viele der Fahrten in die Stadt überflüssig würden.

Zusätzlich zu der neuen Kelterei planen Florian und Valentin Steden eine Gastronomie, dazu soll auch ein Wohngebäude im Feld entstehen. Den nötigen Bebauungsplan hat das Stadtparlament noch im vergangenen Jahr mit breiter Mehrheit auf den Weg gebracht, lediglich die Grünen enthielten sich.

Dabei gehe es nicht um das Projekt als solches, betonte deren Sprecher Frank Böhme. Als großes Problem sehen die Grünen aber die zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Besucher der Gaststätte, die nach der Vorstellung der Steden-Brüder ganzjährig geöffnet sein soll.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) geht davon aus, dass sich die Verkehrs-Probleme lösen lassen. Die Parkplätze für die Gastronomie sollen direkt hinter den an der verlängerten Freiligrathstraße gelegenen Schrebergärten in einem Teil der jetzigen Obstwiese angelegt werden.

Bis dahin könnten auch jetzt schon die Gartenbesitzer mit ihren Autos fahren. Ziel sei es, dass möglichst viele Menschen mit dem Rad oder zu Fuß zu dem Ausflugslokal gelangen, betont der Rathauschef. Für Oberursel erhofft er sich eine durch das Projekt der Stedens eine zusätzliche Attraktion. Das 2,5 Hektar große Areal liegt direkt an der Regionalparkroute.

Auch die beiden Brüder setzen bewusst auf Öffentlichkeitswirkung. Ziel sei eine Schaukelterei, bei der die Besucher die Herstellung von Apfelwein und Saft von der Blüte bis ins Gerippte nachvollziehen können, kündigt Florian Steden an. „Wir wollen den Menschen ein Stück Natur wieder näher bringen“, sagt er. Schon jetzt offeriere man rund 15 Keltereiführungen pro Jahr, es sollen künftig aber deutlich mehr werden.

Man habe schließlich nichts zu verbergen, ergänzt sein Bruder Valentin. 90 Prozent der Äpfel, die von den Stedens vermarktet werden, stammen von den eigenen Obstwiesen. Insgesamt 70 verschiedene Sorten wachsen dort, darunter Klassiker wie der Boskoop oder der Kaiser-Wilhelms-Apfel. Auch zehn der selten geworden Speierlings-Bäume können die Stedens vorweisen.

Die Äpfel würden nicht gespritzt, beteuern die Brüder. Nach dem Baumschnitt im Frühjahr würden die Wiesen unter den insgesamt etwa 900 Bäumen bis zur Ernte im Herbst lediglich noch zwei Mal gemäht.

30.000 Liter Apfelwein produzieren die Stedens derzeit im Schnitt pro Jahr. Das soll aber nach dem Willen der Brüder in den kommenden Jahren noch deutlich mehr werden. Verkauft wird das Stöffchen bisher noch vor allem per direkt ab Kelterei oder an regionale Gastronomen. Inzwischen sind aber auch in einigen Rewe-Lebensmittelmärkten Flaschen mit Gespritztem aus der Stedenschen Produktion zu finden.

Der neue Apfelwein gärt derzeit noch in den Tanks in der Oberurseler Altstadt. Im Februar könne dann der erste 2017er verkostet werden, kündigt Valentin Steden an. Die Ernte war allerdings im vergangenen Jahr sehr schwach, von „60 Prozent Einbuße“ spricht Bruder Florian. Zum Glück habe man von einem befreundeten Landwirt genug Äpfel zukaufen können. „So haben wir die Fässer einigermaßen voll bekommen.“

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