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Keine zweite Nachspielzeit für Josef Gab

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Meister der Zahlen und Finanzen: Josef Gab, scheidender Stadtkämmerer von Oberursel.
Meister der Zahlen und Finanzen: Josef Gab, scheidender Stadtkämmerer von Oberursel. © Monika Müller

Der Finanzverwalter der Stadt muss sich heute zu seinem Leidwesen mit einem dicken Defizit verabschieden. Für zwei Jahre hatte die Stadt den 67-Jährigen nachverpflichtet, und nicht wenige hätten ihn gerne noch länger gehalten.

Von Jürgen Streicher

Wenn der Geist angespannt ist, muss der Körper in gleichem Maße gespannt sein. Es passt zum Christdemokraten Josef Gab, diese buddhistische Devise für seine Arbeit und sein Leben zu adaptieren. Auch nach 50 Jahren in Rathäusern – die meisten davon in Oberursel – strahlt der 67-Jährige eine Vitalität aus, die nach Aufgaben verlangt. Im Rathaus hat er sie nun nicht mehr, hier wird er heute im Stadtparlament endgültig verabschiedet. Für zwei Jahre hatten sie ihn nachverpflichtet, und nicht wenige würden ihn gerne noch länger halten, den Meister der Zahlen und Finanzen.

Josef Gab denkt in Zahlen, vor allem aber in Zahlenverhältnissen. Weil eine Zahl nur im Verhältnis zu anderen Größen bewertungsfähig ist. So hat er es beschrieben, als er vor sechs Jahren die höchste Stufe eines Finanzverwalters erklommen hat – für die Zahlen als Stadtrat auch politische Verantwortung zu übernehmen. Nicht seine Parteifreunde von der CDU haben ihn in das Amt des Stadtkämmerers gehievt, es war der damalige Koalitionspartner OBG (Oberurseler Bürgergemeinschaft), der die CDU-Vordenker damit brüskierte. Hatten diese doch öffentlich bereits einen anderen für den Job ausgeguckt. Wobei Josef Gabs fachliche Qualitäten nie in Zweifel standen – in keiner Fraktion.

Gab war immer ein Macher, ein Treiber mit einem hohen Anspruch an sich und seine Arbeit. Ordnung und System als oberste Prämissen, „eine Jungfrau eben“, wie er selbst von sich sagt. Zu viele Besprechungen würde Gab „praktische Alternative zur Arbeit“ nennen. Auch so ein Leitbild, das den Mann gut beschreibt, der nun mit hohen Schulden in den Ruhestand geht. So hat er die Arbeit verstanden: Die 12 Millionen Miese auf den städtischen Konten in 2011 hätte er gerne vermieden, als wäre es sein eigenes Konto.

Er werde „ohne Wehmut“ gehen, das passt zu Ordnung und System. Der Termin zum 30. September stand lange fest, da war er vorbereitet, konnte ein geordnetes Büro für seinen Nachfolger Thorsten Schorr (CDU) hinterlassen. Ein bisschen ist er sogar froh, dass Stress und Termindruck nun von ihm weichen. Denn in ein Loch fällt ein Mann wie Josef Gab nicht, auch wenn die Geld-Welt, wie er sie sieht, nicht mehr sein Mittelpunkt sein wird.

Auf einer Weltkarte in seinem Büro hat er mit Nadeln alle Stationen seiner vielen Reisen markiert. Bei Projekt-Inspektionsreisen der GTZ hat der Hobbyfilmer früher oft die Filmaufnahmen gemacht. Die Reisegeschichten werden ihn weiter begleiten. „Mittelamerika fehlt mir noch, und quer durch Vietnam will ich noch mal mit meiner Frau“. Mindestens ein halbes Jahr will er sich „zum Durchatmen“ gönnen.

Ob dann wieder die Arbeitstriebkraft über den Müßiggang siegt, den man sich bei Josef Gab nicht recht vorstellen kann, werden wohl auch die Angebote entscheiden. Die Frankfurter Verwaltungsfachhochschule hätte ihn gerne wieder als Dozenten: den Mann, der 1960 als Stadtsekretär-Anwärter angefangen hat.

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