Yoga im Rushmoor-Park in Oberursel.  
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Yoga im Rushmoor-Park in Oberursel.  

Kulturreihen

Hungrig auf den Sommer

  • vonJürgen Streicher
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Ausgebucht sind die Veranstaltungen bei den Kulturreihen in Oberursel und Hofheim. Bad Homburg bietet ein virtuelles Angebot.

Der „Orscheler Sommer“ ist bunt, so leise wie sonst nie und völlig entspannt. Die Arme zum Himmel und immer kontrolliert einatmen und ausatmen, manchmal sind es auch die Beine, die nach oben ragen. Bis die rund 60 bunt gekleideten Frauen und zwei, drei Quotenmänner wieder im Schweigen zurückgleiten in die Ausgangslage. Ganz entspannt im Hier und Jetzt, Aufmerksamkeit gilt einzig dem eigenen Körper und dem Geist, der ihn lenkt.

Wir sind beim „Yoga im Park“, der „Orscheler Sommer“ in der Stadt zeigt sich von seiner sportiv-meditativen Seite. Nur der Wind ist in den Bäumen zu hören, die den Rushmoor-Park säumen. Und die sanfte Stimme von Petra Colaci-Kozarec, die über ein Headset die Gruppe anleitet.

Yoga im Park am Sonntagmorgen um halb elf ist ein echtes Gruppenerlebnis, jeder für sich mit ordentlichem Abstand zum nächsten und doch alle zusammen, eine Schutzmaske braucht im weiten Wiesengrund niemand.

Termine

Der „Orscheler Sommer“ bietet diese Woche am Dienstag ein Poetry Slam Spezial (19.30 Uhr ), am Freitag Rockkonzert mit „Voll daneben“ (19.30 Uhr ), am Samstag Open-Air-Kino (ca. 22 Uhr) Ort: Grundschule Mitte. Anmeldung: www.orschelersommer.de

Der „KreisStadtSommer“ im Hofheimer Wasserschloss offeriert am Samstag (21.30 Uhr) Kino mit „Monsieur Claude“, am Sonntag (11 Uhr) Jazz mit „Swingers & Stringers“. Anmeldung: Telefon, 06192/202-228 oder E-Mail an kartenreservierung@ hofheim.de

Infos unter www.bad-homburger- sommer.de zum virtuellen Programm in der Kurstadt und den Weg zum Stream. jüs

Im „Wasserschloss“ zu Hofheim stimmen sich gleichzeitig mit den Yoga-Praktikanten die „Dreamboat Serenaders“ auf einen flotten Sonntagmorgen-Jazz ein. Und mit ihnen das Publikum im gut durchlüfteten Schlosshof. Nach 80 Plätzen zum Üben und nun der ersten Lockerung dürfen jetzt bis zu 114 Plätze vergeben werden. „Die Freude auf Ausgehen und Kultur ist groß“, hat Iris Bernardelli vom Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus festgestellt. So ist es, einige Veranstaltungen wie „Stoltze für Alle!“ mit Michael Quast waren schnell ausgebucht. „Klein aber fein“ wollen sie den „KreisstadtSommer“ feiern, bescheiden sprechen die örtlichen Kulturmacher von „en miniature“. Den wichtigsten Satz hat Hofheims Bürgermeister Christian Vogt an den Anfang seines Grußwortes im geschrumpften Programmheft gestellt: „Was wäre Hofheim ohne den Kreisstadt-Sommer?“

So sehen das auch die Macher des „Orscheler Sommer“ vom Verein Kunstgriff. Deswegen haben sie auf den Werbeplakaten nach ein paar Pünktchen noch das Appendix „aber sicher“ angehängt. Doppeldeutig natürlich, ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem und die Verlegung auf den umzäunten Hof der Grundschule Mitte in der Altstadt als Veranstaltungsort für Musik, Kino und Poetry Slam stecken dahinter. Hier hat ein kleiner Verein trotz Corona-Bremsen ein Open-Air-Programm auf die Beine gestellt, das sich nicht gegenüber den Vorjahren verstecken muss. Der „Sommer“ ist angekommen in der Stadt, lässig und mit Nonchalance, heiter und gelassen die Stimmung bei den Frühschoppen-Konzerten auf dem nackten Hof der Schule, der plötzlich zum Swing-Ort mutierte. Mit Masken hier und dort, immer aber mit respektablem Abstand.

„Die Leute sind hungrig auf Kultur“, sagt Besucher Arnd Köhler. „Ausgebucht“ konnte Kunstgriff-Cheforganisator Dirk Müller-Kästner bisher bei jeder Veranstaltung melden, von anfangs 100 zugelassenen Besuchern durfte beim ersten Kinoabend am Samstag schon auf die doppelte Zahl aufgestockt werden. „Ich bin begeistert von eurer Disziplin“, lobt Müller-Kästner das Publikum.

Schnell abgesagt war im Frühling der „Bad Homburger Sommer“ mit vielen geplanten Highlights im Großformat vor allem im Kurpark. Dabei sind sie trotz Lockerungen geblieben, „wir wollen vieles von dem, was geplant war, im Sommer 2021 präsentieren“, so Kurdirektor Holger Reuter. Zeitgemäß bringt die Kur- und Kongreß-GmbH als Veranstalter den Homburger Sommer mit Streaming-Programmen ins Gespräch, am Mittwoch, 15. Juli, etwa mit dem Comedian David Werker, am 23. Juli mit einem Live-Wunschkonzert der Band „Blackbirds“ aus dem Kulturspeicher am Bahnhof. Auf überraschende analoge Begegnungen können Spaziergänger im Kurpark hoffen. Mit Stelzenläufern, die als „lebendige Bäume“ unterwegs sind, vielleicht auch mit wandelnden Schneekugeln. Termine nennt die Kur nicht, nur dass die Aktionskünstler an Wochenenden auftreten. Im „Bad Homburger Sommer“ braucht es nicht wie in Oberursel und Hofheim eine Online-Anmeldung, hier kommt einfach jener in den Kunstgenuss, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

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