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Homeoffice-Leidtragende: Hunde

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Tierheimmitarbeiter Nils mit "Milo". caro
Tierheimmitarbeiter Nils mit "Milo". caro © caro

Oberursel Tierheim wegen "Corona-Rückläufern" brechend voll / Überforderte Halter

Wie viele Rädchen sich drehen, um heimatlosen Tieren im Hochtaunuskreis Unterkunft und Versorgung zu geben wird deutlich, wenn Renate Echterdiek, Tierschutzverein Bad Homburg, und Nicole Werner, Tierheim Hochtaunus berichten. Das Tierheim ist ein Verein, in dem alle Kommunen des Kreises sowie die Tierschutzvereine Kronberg und Bad Homburg Mitglieder sind. Ein komplexes Gebilde aus Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen, den beiden Tierschutzvereinen und den Vertretern der Gemeinden, von denen einer für zwei Jahre jeweils auch Vorsitzender des Vereins ist.

Und jetzt wurde gemeinsam unter Federführung von Renate Echterdiek ein dickes Brett gebohrt. Dass das Verwaltungsgebäude des Tierheims von 1964, in dem auch die Kleintiere und die Quarantänestation untergebracht sind, mehr als ein Sanierungsfall ist, war allen Beteiligten schon länger klar. Und dass der Neubau ein Kraftakt werden würde. Und so brauchte es teils viel Überzeugungsarbeit, um das Projekt voranzubringen. Doch mit dem finalen Okay des Landrats konnte Bau & Service Oberursel (BSO) mit der Planung beginnen. 2024 soll es losgehen. Für die Bauzeit werden Container gestellt. Darauf, dass dann das undichte Dach, marode Leitungen, Schimmel und viele weitere Mängel Geschichte sind, setzt auch Nicole Werner, die mit ihrem neunköpfigen Team und unzähligen ehrenamtlichen Gassigehern und Katzenstreichlern. Derzeit hat das Tierheim so viele Bewohner wie noch nie. Mehr als 60 Ratten, Schildkröten, Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen sind da. 30 Katzen und 35 Hunde bevölkern die Anlage, eine Aufnahme weiterer Tiere ist fast unmöglich, auch wenn täglich Anfragen kommen. Das seien, stellt Nicole Werner klar, vor allem "Corona-Rückläufer". Mit dem Homeoffice sei ein Haustier für viele verlockend geworden. Vor allem große Hunde mit Jagd- oder Herdenschutztrieb seien teils in Wohnungen und Häuser gelangt. Alles Tiere, für deren Haltung gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Platz, Auslauf, konsequente Erziehung. Das werde von vielen Haltern unterschätzt. Mit tragischen Konsequenzen für die Tiere.

Verhaltensauffällig wegen nicht artgerechter Haltung

Werner schätzt, dass etwa 80 Prozent der Hunde, die im Tierheim landen - meistens nur ein bis zwei Jahre alt - wegen nicht artgerechter Haltung verhaltensauffällig sind. "Das sind Tiere, die wir trotz Training und bester Vorbereitung nur noch in sehr erfahrene Hände abgeben, nicht mehr etwa in eine Familie mit Kindern", so die erfahrene Tierschützerin. Oft sind die Hunde schon durch einige Hände gegangen, werden übers Internet immer wieder weiterverkauft. "Ebay Kleinanzeigen ist ein tolles Instrument, aber absolut nicht geeignet für den Handel mit Tieren, speziell Hunden", warnt Werner. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Tieren zusammen zu kommen. Sich erstmal um Hunde in der Nachbarschaft kümmern oder Gassigeher im Tierheim werden. Und wer ernsthaft ein Tier halten möchte, kann sich ja auch erstmal im Tierheim umsehen, rät sie.

"Wir sind gerade in einer Extremsituation. Aus ganz Deutschland kommen Anfragen, ob wir noch Tiere aufnehmen können. In diesem Ausmaß haben wir das noch nie erlebt", beschreibt Werner die Lage, die auch an Mitarbeitern und Ehrenamtlichen nicht spurlos vorbeigeht. Der Druck, allem gerecht zu werden, ist hoch, gleichzeitig müssen immer wieder Absagen erteilt werden, die teils mit Beschimpfungen seitens überforderter Halter erwidert werden. Ideal wäre für Werner ein Sachkundenachweis als Voraussetzung für die Hundehaltung, wie es ihn in einigen Bundesländern schon gibt. Dann wird im Vorfeld schon deutlicher, was es bedeutet, über ein bis eineinhalb Jahrzehnte einem Tier ein seinen Bedürfnissen angemessenes Dasein und Zuhause zu geben.

Etwas, das viele Hunde, die derzeit mit ihren Besitzern aus der Ukraine kommen fürs erste verloren haben. In solchen Fällen kann das Tierheim nur begrenzt tätig werden, Grund sind vor allem Quarantänebestimmungen. Unterstützung gibt es dennoch, hier greifen Renate Echterdiek und ihr Team mit einer kostenlosen Futterausgabe ein.

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