Oberursel

„Herbsttreiben“  in Oberursel: Gesicht zeigen und Geschäfte machen 

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Das „Herbsttreiben“ in der City von Oberursel ist eine Leistungsschau von Handwerk und Handel.

Edelstahl hat eine Halbwertzeit von 2600 Jahren, sagt Dirk Velte. Die Anzahl der Innungsbetriebe in der Branche der Metallbauer, Metallgestalter und Schmiede im Hochtaunuskreis hat sich binnen 14 Jahren von 80 auf 40 halbiert. Warum? Weil die alten Meister keine Nachfolger finden, wenn es Zeit für den Ruhestand ist. Und sich nicht auf neue Anforderungen einstellen.

Innungsobermeister Dirk Velte ist auch Euro-Schweißfachmann und Betriebswirt des Handwerks, seine „Metallmanufaktur“ im Oberurseler Gewerbegebiet ist auch Kunstschmiede. Familienbetrieb in dritter Generation, wachsend mit 21 Mitarbeitern. Bereit für die Änderungen am Markt und die neuen Wünsche der Kunden. Und immer dabei beim „Herbsttreiben“. So auch dieses Jahr.

Als traditionelle „Leistungsschau von Handel und Handwerk“ kündigt der Veranstalter, das Forum der Selbständigen Oberursel „Fokus O.“, das alljährliche dreitägige bunte Treiben im Herz der Innenstadt und auf dem historischen Marktplatz an. Tausende potenzielle Kunden von Handel und Handwerk strömen an goldenen Frühherbsttagen wie an diesem Wochenende in die Stadt. Ein passender Moment, ihnen den roten Teppich auszurollen, der in der Unteren Hainstraße tatsächlich vor den Geschäften liegt. Auf dem Epinayplatz bestimmen Handwerksbetriebe das Bild mit schmucken Zelten und Ständen. „Man muss präsent sein, Gesicht zeigen“, ist die Devise von Dirk Velte. „Oberurseler Handwerker – wir machen das!“ steht auf den Tassen, der aktiven Mitstreiter. Menschen erinnern sich, Geschäfte werden später gemacht.

Am Stand der „Metallmanufaktur“ ist immer was los, Veltes Sohn Tim Fischer zeigt vor Ort, wie Plasmaschneiden mit einem Lichtbogen funktioniert. Darf’s ein Eintracht-Adler sein oder ein Bembel für den Apfelweinfreund? Binnen Minuten ist das kleine Kunstwerk auf der Edelstahlplatte fertig. Auf Fischers Visitenkarte steht „Art and Design“, Zeugnis für den zweiten Weg des traditionellen Handwerks und ein Baustein seiner Zukunft.

Die Schwerpunkte der Leistungsschau haben sich verschoben, immer mehr liegt der „Fokus O.“ auf dem Handel und vor allem dem Gastro-Bereich. In beiden Bereichen müssen sich die Ortsansässigen gegen fliegende Händler und die mobile moderne Food-Szene behaupten. Aus Frankreich und Italien werden Spezialitäten für stolze Preise aufgetischt, Bergkäse aus den Pyrenäen und Wurst vom Reh und Fasan mit Cognac, Olivenöl aus Apulien und dazu ein Primitivo aus der potenziellen neuen Partnerstadt Gioia del Colle.

Vor der Altstadtkulisse am Marktplatz im „Hessendorf“ ist rustikale regionale Kost angesagt. Und vor allem Äppelwoi in mindestens 22 Facetten. Hier küren sie am Sonntagabend nach der „Vertestigung“ des Stöffchens den neuen Apfelweinkönig. Die auswärtigen Gäste sind da schon längst wieder verschwunden.

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