Die unterschiedliche Braun-Färbung sagt viel über die Röstung aus. Die hellen Bohnen sind weniger lange geröstet worden.
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Die unterschiedliche Braun-Färbung sagt viel über die Röstung aus. Die hellen Bohnen sind weniger lange geröstet worden.

Oberursel

Der Geschmack von Kaffee in Oberursel

  • vonMatthias Pieren
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Zwei Existenzgründer aus Oberursel rösten Bohnen selbst und vertreiben sie via Internet.

Zwei Existenzgründer aus Oberursel rösten unter dem Label „Flatberry“ elf ausgewählte Kaffeesorten und vertreiben sie online.

Die Idee für eine Kaffeerösterei entstand während einer Reise nach Italien 2016. Damals, in Florenz, suchten die beiden nach einem Café. Weil im Reiseführer eine falsche Adresse angegeben war, landeten sie statt in einem Café in einer Rösterei. Die verließen sie mit einem Päckchen Kaffee und jeder Menge Inspiration.

Wenn Mario Busshoff fragt, welcher Geschmack es denn sein soll, stellt sich gleich die nächste Frage: Kann Kaffee eigentlich einen besonderen Geschmack haben? Ja, kann er. Die angebotene Sorte aus El Salvador mit Kakao-Note hält, was sie verspricht. Es ist ein Single Origin von einem ihm bekannten Kaffeebauern. Single Origin bedeutet, dass die Kaffeesorte nur von einem Anbauer stammt – im Gegensatz zum Blend, bei dem Kaffeebohnen verschiedener Geschmackssorten gemischt sind. „Acht Wochen ist die Kaffeeverkosterin für uns vor Ort, spricht mit den Kaffeebauern persönlich und testet die angebauten Sorten“, erzählt der 47-Jährige.

Bauern werden fair bezahlt

Nur wer bewusst langsam genieße, nehme den Geschmack einer Kaffeesorte wahr. Das schärfe das Bewusstsein dafür, dass Kaffee nicht nur heiß und stark sein kann, sondern eine Breite an Aromen biete.

Mario Bushoff hat sich selbst wieder auf das Aufbrühen des Kaffees mit siedendem Wasser per Hand in einem altmodischen Kaffeefilter besonnen. Bis vor kurzem sei es hip gewesen, seinen Kaffee automatisch in Automaten aus einzeln verpackten Aludöschen aufzubrühen. Niemand habe bedacht, dass das nicht nur ein Umweltfrevel sei. Auch der Preis der Kaffeekapseln sei horrend. „Hochgerechnet kosten die Kapseln der Standardklasse über 100 Euro pro Kilo Kaffee“, sagt Busshoff. „Unser teuerster Spitzenkaffee kostet maximal 50 Euro das Kilogramm.“

Busshoff und seine Partnerin Sabrina Renz haben nicht vor, mit den Großen der Branche zu konkurrieren. „Mit unserer Geschäftsidee wenden wir uns an Kunden, die bewusst Spezialitäten-Kaffee genießen wollen und Näheres über Herkunft und Herstellungsbedingungen der Kaffeebohnen wissen wollen“, sagt der Gründer. „Wir kennen zum Beispiel einen Geschäftspartner, dessen Frau Kolumbianerin ist. Ihre Familie bewirtschaftet eine eigene Kaffeeplantage in Kolumbien.“ So können Busshoff und Renz garantieren, dass die Kaffeebauern und Pflücker auf den Plantagen fair entlohnt werden. „Wir vereinbaren den Preis über unsere Einkäufer mit den Kaffeebauern vor Ort. Wir haben zwar kein Transfair-Siegel, glauben aber auch so, das Vertrauen unserer Kunden gewinnen zu können“, sagt Mario Busshoff. Neben den elf Kaffeesorten bieten die beiden Gründer auch an, Kaffee nach individuellen Wünschen zu rösten.

Wie viele Händler sind die beiden Gründer in der Startphase der Kaffeerösterei von den aktuellen Entwicklungen betroffen. Da das Vertriebskonzept von „Flatberry“ auf Online-Handel ausgelegt ist, sieht Busshoff den anlaufenden Verkauf und die Neukundengewinnung nicht gefährdet. „Die Vorstellungsgespräche für den Aufbau eines Mitarbeiter-Stamms führen wir eben per Skype im Internet“, sagt er.

Mehr Informationen gibt’s im Internet unter https://flatberry-market.de.

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