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Geldstrafe fürs Füttern von Nilgans und Nutria

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Nilgänse hinterlassen Kot auf Wegen und Plätzen.
Nilgänse hinterlassen Kot auf Wegen und Plätzen. priedemuth © Jens Priedemuth

Gefahrenabwehrverordnung soll geändert werden / Gegen Verschmutzungen durch Vogelkot und Schäden

Oberursel - Wer Wasservögel, Nutrias und andere Wildtiere, die am Maasgrundweiher und am sogenannten Entenweiher im Rushmoorpark leben, füttert, soll künftig Strafe zahlen. Und zwar bis zu 5000 Euro. Das sieht eine Beschlussvorlage vor, die heute im Bauausschuss und am Donnerstag im Hauptausschuss auf der Tagesordnung steht. Wenn die Mehrheit der Stadtverordneten einverstanden ist, soll die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt um den Passus mit dem Fütterungsverbot ergänzt werden. Gelten soll die Änderung vom neuen Jahr an. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich, denn am 20. Juli hatte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat damit beauftragt, die Gefahrenabwehrverordnung um genau dieses Fütterungsverbot zu ergänzen.

Als Begründung soll folgender Text hinzugefügt werden: „Eine Fütterung von freilebenden Wasservögeln und anderen wildlebenden Tieren ist nicht notwendig. Das natürlich vorkommende Nahrungsangebot ist, auch im Winter, völlig ausreichend.“ Zusätzliche Fütterung führe zur Überfütterung und könne gravierende Auswirkungen auf Tiere und Natur haben. „Dabei verlieren die Tiere ihre natürliche Scheu vor den Menschen und werden träge.“ Unfälle im Straßenverkehr und Angriffe durch freilaufende Hunde führten zur Gefährdung der Tiere und der öffentlichen Sicherheit. Die Tiere gewöhnten sich an den Menschen, bettelten Spaziergänger auf öffentlichen Wegen und Plätzen um Futter an und hinterließen Kot auf Gehwegen, Straßen und privatem Eigentum. Durch das übermäßige Futterangebot würden die Tiere auch zum vermehrten Brüten animiert und es wanderten mehr Tiere aus den umliegenden Bereichen zu. „Diese Übervölkerung führt dazu, dass übermäßig viel Tierkot in das Wasser gelangt und das Gewässer verunreinigt.“ Außerdem könnten sich durch Kot und nicht aufgenommene Brotreste Bakterien bilden, die für Wasservögel und andere Tiere giftig seien und zum Tod führen könnten.

Auch der Nutria ist ein Abschnitt gewidmet. Das Nagetier, das auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt wird, stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde - wahrscheinlich schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts - zur Pelzgewinnung in Deutschland angesiedelt. Seit 2016 wird es auf der EU-Liste der invasiven, gebietsfremden Tierarten geführt.

TIERSCHUTZVEREIN IST ANDERER MEINUNG

Ende September hat der Tierschutzverein Stellung genommen: „Nilgänse, Kanadagänse, Enten und Nutrias werden nicht durch Fütterung angezogen, sondern durch Gewässer. Hätten wir keine Teiche, wären sie gar nicht da.“

Der Verein sei nicht gegen ein Fütterungsverbot, was die Schilder bewiesen, die an den Teichen stünden. Sie seien in Absprache mit der Stadt aufgestellt. „Wir schauen nach verletzten Tieren, um sie einfangen zu können.“ Durch Anfüttern mit geringen Futtermengen sei das Einfangen für Mensch und Tier stessfreier.

Vermehrtes Brüten habe nichts mit Fütterung zu tun, sondern mit dem Fortpflanzungstrieb. Außerdem spiele der Klimawandel eine erhebliche Rolle, da die erste Brut durch mildere Winter fast zwei Monate früher beginne und Vogelpaare dadurch im Herbst noch einmal brüten könnten.

Die Gehwege würden auch ohne Fütterung verkotet, weil die Gänse sie überqueren müssten, um an das Gras zu kommen, das sie fressen. cg

Überpopulationen vermeiden

In der Gefahrenabwehrverordnung soll es nun heißen: „Die Nahrungsaufnahme von Nutriagruppen kann sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Schäden verursachen.“ Nutrias könnten großflächig Ufervegetation abfressen und sie vernichten. Damit verschwänden Brut- und Schutzräume für Wasservögel, Fische und Amphibien. Ein Zufüttern stärke die Population und vergrößere damit das Schadpotenzial. Weil die Biberratten gern graben, seien zudem Uferbereiche gefährdet. Das betreffe vor allem am Maasgrundweiher die neu befestigten Uferabschnitte sowie den Überlauf. Aber auch am Weiher im Rushmoorpark sei etwa der Abfluss in den Urselbach gefährdet. Schilder „Füttern von Wasservögeln und anderen Wildtieren verboten“ sollen an allen Zugangswegen zu den Weihern angebracht werden und werden2500 bis 3000 Euro kosten. Auch über die Familienfreundlichkeit des Verbots hat sich die Stadt Gedanken gemacht. Kinder könnten nun zwar nicht mehr durch Füttern in Kontakt mit Wasservögeln und anderen Wildtieren treten, heißt es. Wenn ihnen aber erklärt werde, welche negativen Folgen mit dem Füttern verbunden sind, würden sie erfahren, „dass es darum geht, sich nicht bloß um die Fütterung zu kümmern, sondern auch Verantwortung für das Tierwohl und die Natur insgesamt zu übernehmen.“

Durch geringere Tierpopulation um die Weiher werde zudem der Spielplatz im Maasgrund weniger verkotet. Der Tierschutzverein Oberursel sieht die Sache freilich anders. Er möchte die Tiere weiter anfüttern und hätte von der Stadt gerne die Erlaubnis dazu. Die will ihm aber keine Ausnahmeregelung erteilen, heißt es in der Beschlussvorlage. Es sei aber geplant, mit dem Tierschutzverein erneut in Kontakt zu treten, um Betreuung und Kontrolle des Tierbestandes an den Weihern fortzuführen. cg

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