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Furcht vor Frankfurts Wachstum

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Von: Torsten Weigelt

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Im Vordertaunus ist eine Diskussion über einen möglichen neuen Frankfurter Stadtteil jenseits der A5 entbrannt. Nicht alle sind grundsätzlich dagegen.

Will Frankfurt ein Areal jenseits der A5 in Richtung Steinbach und Oberursel-Weißkirchen zum Wohngebiet machen und plant dort gar einen neuen Stadtteil? Diese Vorstellung hat die Lokalpolitiker in den betroffenen Vordertaunus-Kommunen aufgeschreckt. So stellten die Oberurseler Grünen in der jüngsten Parlamentssitzung den Antrag, die Stadt solle „alle Optionen nutzen, die Entstehung eines solchen Baugebietes zu verhindern“.

Es könne nicht im Interesse Oberursels sein, „dass Frankfurt versucht, die Siedlungsprobleme der Region einseitig zulasten der Nachbargemeinden zu lösen“, kritisiert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephan Schwarz. Die Freiflächen zwischen den Städten müssten erhalten bleiben, fordert der Grünen-Politiker. Sie machten „die Lebensqualität in unserer Region aus“. Zudem seien sie wichtig für ein gesundes Stadtklima, „nicht nur bei uns, sondern gerade auch für Frankfurt selbst“. Darüber hinaus würden wertvolle landwirtschaftliche Flächen vernichtet und Naherholungsgebiete für die Bevölkerung zerstört, befürchtet Schwarz.

Dem Vorstoß der Grünen wollten die übrigen Fraktionen jedoch vorerst nicht folgen. Nun wird über das Thema noch einmal im Bauausschuss beraten. Um Näheres aus erster Hand zu erfahren, soll dazu ein Vertreter aus Frankfurt eingeladen werden. Denn noch herrscht reichlich Informationsbedarf.

Eine klare Aussage ist auch aus der Frankfurter Stadtverwaltung nicht zu bekommen. Im Juni werde Planungsdezernent Mike Josef (SPD) Einzelheiten zum integrierten Stadtentwicklungskonzept präsentieren, teilte dessen Sprecher Mark Gellert auf Anfrage mit. Im Rahmen des Konzepts werde er Flächen für zusätzliches Wohnen und Gewerbe vorschlagen. Insgesamt sind dafür rund 200 Areale untersucht worden. Der Planungsdezernent werde auch einen Vorschlag für einen neuen Stadtteil machen, kündigte Gellert an. Außer dem Areal an der A5 werden dafür der Pfingstberg und das Gebiet Heiligenstock bei Bad Vilbel gehandelt.

Deshalb ist es aus Sicht von Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) auch noch zu früh, sich konkret dazu zu äußern. Er selbst lehne zusätzliche Baugebiete nicht grundsätzlich ab, betonte er. „Wenn wir preiswerten Wohnraum wollen, geht das nicht auf den vorhandenen Flächen.“ Das schwarz-rote Bündnis in Oberursel hat sich selbst auf die Fahnen geschrieben, bis zum Ende der Wahlperiode 1000 neue Wohnungen zu bauen, davon 300 im bezahlbaren Segment.

Allerdings stellt Brum auch Bedingungen. So müsse ein breiter Grünstreifen zwischen den Gemarkungsgrenzen der beiden Städte erhalten bleiben. Außerdem sei eine verträgliche Lösung bei der Verkehrserschließung nötig, fordert er. Das könne für die Taunusstädte sogar eine „Chance“ sein, glaubt Brum. So hofft er auf neuen Schwung für die sogenannte Südumfahrung zwischen Eschborn und Kalbach, die von Oberursel schon seit Jahrzehnten vergeblich gefordert wird.

Brums Steinbacher Amtskollege Stefan Naas (FDP) ist da skeptisch. Für die Südumfahrung sieht er „keine Erfolgschance“. Und auch ein mögliches Wohnviertel an der A5 betrachtet er deutlich kritischer als Oberursels Rathauschef. „Wir wollen keine Trabantenstadt“, betont Naas. Angesichts der Trennlinie durch die A5 würde ein solcher Stadtteil viel stärker auf den Vordertaunus als auf Frankfurt ausgerichtet sein.

Allerdings könne der große Nachbar ein solches Vorhaben auch nicht allein beschließen, betont Naas. Für ein solches Projekt sei eine Änderung des regionalen Flächennutzungsplans (FNP) nötig. Und in der zuständigen Kammer des Regionalverbands habe Frankfurt nur zwölf von 93 Stimmen.

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