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Feldversuch mit Zwischenfrüchten

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Landwirt experimentiert für EU-Wasserrahmenrichtlinie

Oberursel - Vor strahlend blauem Himmel arbeitet Timo Steinbach mit Traktor und Sämaschine. Ausgerüstet mit moderner Technik, zieht der Traktor autonom schnurgerade Bahnen. Im Tank der Sämaschine nicht etwa Weizen oder Raps, sondern eine Mischung verschiedener Samen wie etwa Senf, Sonnenblumen, Klee, Ölrettich oder Phacelia, vielen auch bekannt als Bienenweide.

Mehr als ein Dutzend verschiedener Mischungen der sogenannten Zwischenfrüchte werden „Auf dem hinteren Beet“ in Stierstadt ausgesät, ein Demonstrationsversuch in Zusammenarbeit mit Beratern des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), Ruben Feisel und Caroline Holler.

„Zwischenfrüchte, auch Gründung genannt, werden vor Sommerkulturen wie Rüben oder Mais angebaut und haben vielfältigsten Nutzen auf dem Feld, sie fördern Artenvielfalt und Bodenleben, schützen vor Erosion, schaffen Lebensräume, erhöhen die Bodenfruchtbarkeit, fördern Nützlinge, können Krankheiten und Schaderreger bekämpfen und beugen einer Verlagerung von Nitrat ins Grundwasser durch die Fixierung des Nährstoffs vor“, erklärt der Landwirt. Vor allem der letzte Punkt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nitrat als wichtigster Pflanzennährstoff ist in Stickstoffdüngern enthalten. Ziel einer jeden Düngung ist die bedarfsgerechte Versorgung von Getreide, Raps, Mais oder Zuckerrüben mit den notwendigen Nährstoffen.

Herausforderung Hitzesommer

Zugleich ist die Düngung nur ein Rädchen im komplexen Pflanzenbau. Mit der Ernte im Sommer beginnen die Vorbereitungen für die nächste Aussaat. Die Beschaffenheit des Bodens, der Schutz der Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und konkurrierenden Pflanzen sind ebenso entscheidend wie die Technik, die zum Einsatz kommt, die Erfahrungen und Kenntnisse des Landwirts und nicht zuletzt das Wetter.

Und doch stellte der Sommer in diesem Jahr mit Hitze und Trockenheit besondere Anforderungen an die Landwirte. Knochenharte Böden, die eine Bearbeitung und damit auch die sonst im August übliche Aussaat der Zwischenfrüchte unmöglich machten, prägten das Bild. Unberührt davon fordern gesetzliche Regelungen vor allem in besonders grundwassersensiblen Bereichen eine Begrünung der Flächen durch Zwischenfrüchte. Und Zwischenfrucht ist nicht gleich Zwischenfrucht, nicht jede Mischung für jede Anforderung geeignet. Die Anlage der Demonstrationsfläche auf dem Betrieb Steinbach soll daher auch Aufschluss darüber geben, welche Sorten auf den Standort und zur Folgekultur im nächsten Jahr passen. Und mit der Aussaat ist es nicht getan. Fehlender Frost hat in den vergangenen Wintern ein zuverlässiges Abfrieren von Senf, Phacelia und Ölrettich verhindert, so dass Landwirte wie Steinbach geeignete Möglichkeiten finden müssen, die massigen Pflanzenbestände vor der Aussaat etwa von Rüben im zeitigen Frühjahr zu zerkleinern und in den Boden einzuarbeiten.

Hierzu sollen gemeinsam mit den Beratern des ZWO zu Beginn des neuen Jahres verschiedene Verfahren wie Walzen oder Scheibeneggen in ihrer Wirksamkeit verglichen werden. Die Anlage solcher Demoversuche ist Teil der Zusammenarbeit zwischen Landwirten in der Region und dem ZWO im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), einer durch das Land Hessen geförderten Maßnahme. Ziel der WRRL ist der gute mengenmäßige und qualitative Zustand des Grundwassers. caro

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