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Euro-Rettung, Syrien und etwas Unsinn

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Schüler fragen, Politiker antworten. Podiumsdiskussion mit 150 jungen Frauen und Männern in der Rotunde.
Schüler fragen, Politiker antworten. Podiumsdiskussion mit 150 jungen Frauen und Männern in der Rotunde. © Michael Schick

Bundestagskandidaten treffen in Oberursel bei einer Podiumsdiskussion auf Abiturienten des Gymnasiums Oberusel. Der Versuch, bei den potenziellen Jungwählern Punkte zu sammeln, glückt nicht immer.

Von Fabian Böker und Niklas Kaulbersch

Bundestagskandidaten treffen in Oberursel bei einer Podiumsdiskussion auf Abiturienten des Gymnasiums Oberusel. Der Versuch, bei den potenziellen Jungwählern Punkte zu sammeln, glückt nicht immer.

Die Jugend soll an die Wahlurnen. Landauf, landab wünschen sich die Menschen eine politisch interessierte Jugend. Gestern kamen die Politiker zu den Jugendlichen; sechs Bundestagskandidaten versammelten sich im Oberurseler Gymnasium zu einer Podiumsdiskussion.

Die Themen waren klar abgesteckt: Euro-Rettung, innere Sicherheit und Datenschutz sowie der Syrien-Konflikt. Dazu rund 150 angehende Abiturienten im Publikum; auf dem Podium saßen Steffen Etzel (Linke), Jutta Bruns (Grüne), Hans-Joachim Schabedoth (SPD), Stefan Ruppert (FDP), Markus Koob (CDU) und aus dem Wahlkreis Darmstadt Stephan Weber (Alternative für Deutschland/AfD).

Der Versuch, bei den potenziellen Jungwählern Punkte zu sammeln, glückte nicht immer. Markus Koob (CDU) erntete bereits bei der Vorstellungsrunde nicht ganz ernst gemeinte Buh-Rufe, weil er als „echter Orscheler“, wie er zuvor betont hatte, die Altkönigschule in Kronberg besucht hat. Auch dass SPD-Mann Hans-Joachim Schabedoth im Verlauf der Diskussion mehrfach von den bestens vorbereiteten Moderatoren zu mehr Kürze in seinen Beiträgen aufgefordert wurde, dies aber regelmäßig missachtete, kam nicht gut an beim jungen Publikum.

Positiv waren dagegen manche Reaktionen auf Thesen des AfD-Vertreters Stephan Weber. Seine Ausführungen, dass bestehende Gesetze zum Thema Datenschutz einfach eingehalten werden müssten und bei Zuwiderhandlungen Strafen drohen sollten, ließen Teile des Publikums sogar applaudieren.

Seinen Mitstreitern auf dem Podium hingegen gefielen seine Positionen nicht. Markus Koob schüttelte immer wieder den Kopf, Jutta Bruns warf Weber und dessen Partei Populismus vor und sprach von „völligem Schwachsinn“, was Weber in Bezug auf Griechenland und die Euro-Rettung vertrete. Hans-Joachim Schabedoth bezeichnete dieses nicht als Schwachsinn, sondern als „blanken Unsinn“.

Inhaltlich wichen die Kandidaten wenig überraschend voneinander ab. Zwar war man sich einig, eine deutsche Beteiligung an einem möglichen Militärschlag gegen Syrien abzulehnen. In Punkto Euro-Rettung und Datenschutz gab es dagegen Diskussionen.

Bis auf Stephan Weber sahen alle Kandidaten in der Runde eine solidarische Rettung der in Schwierigkeiten geratenen Länder als unumgänglich an. Danach müssten jedoch Länder wie Griechenland ihre Wettbewerbsfähigkeit nachweisen, forderte Markus Koob.

Floskeln zu Abhöraktionen

Der Kandidat der FDP, Stefan Ruppert, sieht in stabilen Haushalten die zukünftige Lösung, laut der Grünen-Frau Jutta Bruns müsse die EU auch weiterhin dafür sorgen, dass es ihren Partnern gut gehe. Stephan Weber von der Alternative plädierte für eine Auflösung der bisherigen Währungsunion, unter anderem deshalb, so sein ernsthaftes Argument, weil er die Kulturen innerhalb Europas für zu unterschiedlich halte.

Beim Thema Datenschutz und Abhöraktionen der NSA war der Vertreter der AfD dann aber der einzige, der zumindest in Teilen die Zustimmung des Publikums gewann. Die anderen Politiker warfen mit Floskeln wie der vom „unkontrollierbaren Internet“ oder den „gewachsenen technischen Möglichkeiten“ um sich, die das Publikum offensichtlich gehörig nervten.

Stephan Weber sprach sich dafür aus, anhand der Grundrechte, wie beispielsweise des Briefgeheimnis-Gesetzes, die Geheimdienste und Unternehmen nach deutschem Recht zu bestrafen, so wie es bei „normalen“ Straftätern auch üblich sei. Zwar brachte auch Weber keine Alternative ins Spiel, präsentierte jedoch als einziger Vorschläge für Konsequenzen aus dem NSA-Skandal der vergangenen Wochen.

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