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Wahlplakate zur Kommunalwahl und Bürgermeisterwahl an der Königsteiner Straße. Der AfD-Kandidat ist verschmiert. Foto: Monika Müller
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Wahlplakate zur Kommunalwahl und Bürgermeisterwahl an der Königsteiner Straße. Der AfD-Kandidat ist verschmiert.

Oberursel

Eine Frau und sieben hoffnungsvolle Männer

  • vonJürgen Streicher
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Gerangel um Nachfolge von Bürgermeister Hans-Georg Brum, der nach 18 Jahren die politische Bühne verlässt. Der Wahlkampf wird vor allem digital ausgetragen.

Drei Stockwerke hoch sind das Maximum. Am zentralen und stets belebten Verkehrskreisel in der Innenstadt hat über Wochen die CDU mit einem riesigen Porträt für ihren Mann geworben. Carsten Trumpp, lächelnd mit gepflegtem Bart und Brille, der Mann, der Bürgermeister werden will. „Einer von uns“, das steht überall drauf, wo es um Trumpp geht. Jetzt prangt dort Andreas Bernhardt, Kandidat der Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG).

Einst war die seit Jahrzehnten etablierte Wählergruppe Koalitionspartner der CDU im Stadtparlament, jetzt hat man sich weit voneinander entfernt. Auf dem Wahlposter mit der größtmöglichen Werbefläche empfiehlt Bernhardt schlicht: „Jetzt Briefwahl machen!“ Die FDP war auch schon am Kreisel, über zwei Stockwerke hoch schräg gegenüber. „Jetzt neu denken“ ist die Devise ihres Kandidaten Michael Planer.

Kleine Botschaften mit wenig Information auf viel Fläche im analogen Raum, großes Vertrauen auf die Macht des Bildes und den Verstärkereffekt durch Penetranz an vielen Orten bestimmen diesen stillen Wahlkampf. Ohne große Töne in öffentlichen Veranstaltungen mit politischer Prominenz kommt er daher, ohne Podiumsdiskussionen, bei denen die rhetorischen Messer gewetzt werden, ohne den sonst üblichen Straßenwahlkampf in der City und an anderen strategischen Plätzen.

Mehr als 34000 Oberurseler sind aufgerufen, am 14. März einen neuen Bürgermeister oder erstmals eine Bürgermeisterin zu wählen. Nach 18 Jahren Hans-Georg Brum (SPD), der bei seiner ersten Wahl 2003 von einem innerparteilichen Streit in der CDU profitiert hat, die plötzlich zwei Kandidaten hatte, stehen nun sieben Männer und eine Frau bereit, das Erbe Brums anzutreten.

Superwahltag

Rund 34 000 Menschen sind am 14. März zur Wahl aufgefordert. Gewählt wird außer der neuen Rathausspitze das Stadtparlament, Ortsbeiräte und Kreistag. Für das Stadtparlament stehen CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, OBG-Freie Wähler, AfD und erstmals die Klimaliste zur Wahl.

Im aktuellen Parlament mit CDU/SPD-Koalition ist die Sitzverteilung wie folgt: CDU 12, SPD, 11, Grüne, OBG je 6, FDP, AfD je 4, Die Linke 2.

Wahlpartys im Rathaus gibt es in diesem Jahr nicht, alle Ergebnisse online unter : www.oberursel.de jüs

Der Wahlkampf wird vor allem digital ausgetragen, „soziale Medien“, lokale Foren und persönliche Internetseiten der Kandidat:innen sind die Plattformen, auf denen sie sich beweisen müssen. Auch mal im Friseursalon, in den Bewohner:innen der Altstadt eingeladen hatten, um beim Waschen und Fönen Standpunkte zu ihren Interessen herauszukitzeln, die dann im Netz verbreitet wurden. Oder zuletzt am Freitagabend bei einer Online-Podiumsdiskussion, organisiert vom Forum der Selbständigen Oberursel „fokus O.“, einer Institution, wenn es um Handel und Wirtschaft geht.

Man muss schon genau hinhören und hingucken, um große Unterschiede im gleichzeitig stattfindenden Bürgermeister- und Kommunalwahlkampf zu entdecken. Die Themen sind gesetzt, keiner kann sich den drängenden Herausforderungen Stadtentwicklung und Wohnen, Wirtschaft und Handel in einer lebendigen Innenstadt, Verkehr und Grün, entziehen. Die Worte Klimaneutralität und Verweilqualität gehen allen Kandidat:innen geschmeidig über die Lippen. Bei Antje Runge (SPD) kommt immer noch das Mantra „Bei mir regiert das Wir“ dazu.

Mit Brum steht der Platzhirsch vieler Jahre nicht mehr auf dem Stimmzettel. Das hat viele Newcomer auf den Plan gerufen. OBG und FDP sind erstmals mit eigenen Kandidaten dabei, auch die Grünen, die mit Christof Fink einen Mann im Rennen haben, der seit einigen Jahren als Stadtrat die Politik mitprägt. Stets sachlich und seriös, wie die kurzen Statements auf seinen Wahlplakaten es vorgeben: „Verantwortung für Oberursel – Vernunft gestaltet besser“. Das Oktett wird komplettiert von Peter Lutz (AfD) und den Unabhängigen Dirk Müller-Kästner und Dennis Luxen.

Die plakative Präsenz im öffentlichen Raum zeigt den finanziellen Spielraum der Kandidat:innen und der Parteien im Hintergrund. Ganz vorne die CDU, Trumpp ist überall meist ziemlich groß, Kleinformate füllen Plakatwände und Gartenzäune. Eine Wählerinitiative wurde für Spendenakquise gegründet, Anzeigen geschaltet, Flyer in Briefkästen geworfen. Zahlen mag Parteichef Thomas Poppitz aber nicht nennen. Unverbindlich auch die SPD, das Geld stammte aus Mitgliedsbeiträgen, aus „privaten Spenden“ und aus der eigenen Tasche, so Antje Runge.

Die „Kleinen“ gehen offen mit ihrem Wahlkampfetat um. Christof Fink nennt einen Gesamtetat von 35 000 Euro, finanziert aus Beiträgen und Spenden, vom Kreis- und Landesverband sind 3500 Euro enthalten. Ein Großteil der privaten Spenden (12 000 Euro) kommen vom Kandidaten selbst. Die FDP nennt einen Gesamtetat von 40 000 Euro, mit einem „ordentlichen vierstelligen Betrag“ ist Michael Planer beteiligt. Nur aus Spenden finanziert die OBG ihre etwa 25 000 ausgegebenen Euro. Die AfD bekommt laut Peter Lutz 3000 Euro von der AfD Hochtaunus, den „höheren vierstelligen Betrag“ für seinen Wahlkampf zahlt er selbst.

Wenig zu sehen im Straßenbild die Kandidaten Dirk Müller-Kästner und Dennis Luxen. Müller-Kästner hat knapp über 3000 Euro Spenden gesammelt und steuert für die Eigenwerbung einen „vierstelligen Betrag“ bei. Am Ende der Finanztabelle Dennis Luxen, der 200 Euro vom Landesverband der „Partei“ bekommen hat und bisher 212 Euro für Plakate und Aufkleber ausgegeben hat, Bier extra. Sein Motto; „Gute Politik muss nicht teuer sein.“

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