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Eine Brücke zur Toleranz

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Japanische Tänzerinnen erinnern an die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. gerrit mai
Japanische Tänzerinnen erinnern an die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. gerrit mai © Gerrit Mai

Fest des Friedensbündnisses mit nachdenklichen und ermutigenden Tönen

Oberursel - Kriege gibt es in vielen Regionen dieser Erde, seit gut einem halben Jahr auch wieder in Europa. Berichte und Bilder vom Krieg in der Ukraine bestimmen die Berichterstattung in den Medien. Allerdings spiegelten sich die damit verbundenen Ängste nur gering im Besuch des zweiten Friedensfestes. Ein Großteil der Teilnehmer waren Friedensbewegte, die sich schon in den 1980er-Jahren gegen den Nato-Doppelbeschluss eingesetzt hatten, die Ostermärsche und Demonstrationen bevölkerten.

„Das mag daran liegen, dass die Leute in ihrem Alltag genug vom Krieg hören“, vermutete Clemens Metzdorf vom Friedensbündnis Oberursel, dem Veranstalter des Festes rund um die 2019 gepflanzte Friedenslinde. Zum Frieden könne jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einen kleinen Teil beitragen. Robert Kommraus arbeitete auch daran. Er hatte Material mitgebracht und baute mit Kindern und Jugendlichen die längste Brücke Oberursels. Da bohrte die zehnjährige Sugmali mit ihren Geschwistern doch gerne die eine oder andere Schraube ins Holz.

Vom Brückenbauen sprach auch Bürgermeisterin Antje Runge (SPD): „Eine Brücke für die Verständigung von Mensch zu Mensch ist immer besser denn ein undurchquerbarer Graben. Auch hier in Oberursel können wir durch Toleranz, Verständnis, Verständigung und Solidarität etwas für den Frieden tun.“

Internationale Unterstützung und das Hinsehen könnten dazu beitragen, Konflikte zu beenden und die Situation der dort lebenden Menschen zu verbessern. Sie forderte auf: „Das dürfen wir nicht vergessen - wir müssen hinsehen.“ Frieden gründe sich auf die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte und das Völkerrecht. Das seien entscheidende Lektionen aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, in dem Menschen so viel Leid und Elend gesehen hätten. Antje Runge zitierte Willy Brandt mit den Worten von 1981: „Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Junge Leute in der Minderheit

Junge Leute waren zwar in der Minderheit, aber Schüler des Gymnasiums Oberursel hatten sich schon im Vorfeld mit dem Thema Frieden und Toleranz beschäftigt und Plakate kreiert. Claudia Bardi, die zusammen mit ihrem Mann Erich Uhl-Bardi durch den Nachmittag führte, hätte sich in ihrer Schulzeit Lehrer gewünscht, die sich derart engagiert mit diesem Thema beschäftigen. Ernst Uhl-Bardi verlas einen Brief des Verantwortlichen für Friedensförderung in Hiroshima, in dem es hieß, dass auch kleine Dinge dazu beitragen können, Frieden zu fördern. Etwa die Origami-Kraniche, welche die Oberurseler in die japanische Stadt, die am 6. August 1945 durch US-Atombomben zerstört wurde, schickten. Symbolhaft waren die Tänze der japanischen Gruppe zur Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki, der Stadt, die nur drei Tage später getroffen wurde. Beim Friedensfest gab es, fröhlich und besinnlich zugleich, instrumentale Musik, aber auch friedensbewegten Gesang des Chores „Entrüstet Euch“, nachdenkliche Gedichte und ermunternde Worte sowie Informationen. Clemens Metzdorf erklärte: „Trotz des lebensbejahenden Flairs erinnert das Fest auch an den Internationalen Antikriegstag am 1. September. Die aktuelle Weltlage begründet wieder ein Mal mehr die Notwendigkeit und den tieferen Sinn des Friedensfestes.“ Zuvor hatte die Bürgermeisterin bereits Mahatma Gandhi zitiert: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.“

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