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Auf einer natürlichen Eisfläche auf einer überfluteten Wiese am Ende der Freiligrathstraß in Oberursel gelten keine Verbote. rolf oeser
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Auf einer natürlichen Eisfläche auf einer überfluteten Wiese am Ende der Freiligrathstraß in Oberursel gelten keine Verbote. rolf oeser

Taunus

Bunte Wimmelbilder im freien Feld

  • VonJürgen Streicher
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Im Eiswinter bilden sich temporäre Coldspots an überraschenden Orten. Vor allem in Senken und auf überfluteten Wiesen sind Eisläufer:innen unterwegs.

Eiswinter! Von Kältehoch „Gisela“ geschenkt. Und nach Giselas Abreise erst richtig angekommen mit klirrender Kälte und strahlend blauem Himmel. Eiswinter, Sonnenschein und bunte Wimmelbilder im Kopf. Mit Musik im Ohr, von kratzenden Kufen, dumpfen Schlaggeräuschen des Eishockey-Werkzeugs, vor allem aber Musik freudig gestimmter Menschen, die sich auf glattem Geläuf tummeln. Es gibt sie noch, diese an alte Brueghel-Gemälde erinnernden Szenen, die auch ein Virus nicht verdunkeln kann.

Nicht am „Warmen Damm“ in Wiesbaden, keine „Eiszeit“ dieses Jahr. Nicht auf der Henkell-Kunsteisbahn, nicht beim Hofheimer „Eiszauber“ oder beim Bad Homburger „Eiswinter“ im Kurpark am Kaiser-Denkmal. Abgesagt im Corona-Winter. „Natureisbahnen“, kleine Seen, Teiche, Weiher, alle behördlich gesperrt. Eine „dringende Warnung“, Eisflächen zu betreten, schickt die für Sicherheit zuständige Bad Homburger Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor in die Winterwelt und spricht von „trügerischer Sicherheit“, die manche dünne Schicht vorgaukle.

Und doch scharren die Schlittschuhläufer und -läuferinnen mit den Kufen. Und es gibt sie, solche kleinen Coldspots an Orten, an die vor ihrer kurzfristigen Belebung keiner bei Eissport und Spaß gedacht hätte. Irgendwo da draußen im Feld in einer Senke zwischen Oberursel und Bad Homburg, in der sich bei der ersten Schneeschmelze mit Dauerregen eine riesige Pfütze im Wiesengelände aufgestaut hat. Nun ist sie eine traumhafte Natureisfläche geworden, hunderte Quadratmeter groß, genug Raum für ein Wimmelbild mit Kinderlachen und Freude ohne Bande und Regeln, kein Verbot weit und breit. Wer hier einbricht, fällt nur zehn Zentimeter tief.

Die „Spielverderber“ sitzen in den Rathäusern. „Der Magistrat“ steht meist unter der klaren Ansage: „Betreten der Eisfläche verboten“. Rund um die zugefrorenen Weiher stehen die Schilder, in Oberursel am „Entenweiher“ im Rushmoor-Park und am Maasgrundweiher, einem in Jahren mit richtigem Winter stets beliebten Treffpunkt von Schlittschuhfreaks und anderen Eisgleiter:innen. „Och nö“, nörgelt der siebenjährige Nick, innerlich schon seit Tagen bereit fürs Eis. Seine Mutter will ihn partout nicht aufs Eis lassen.

Zu Recht, die Sauerstoffzufuhr durch mikrofeine Löcher in Schläuchen unter der Oberfläche zur Aktivierung Schlamm abbauender Bakterien stört beim Zufrieren, die Linien mit den Bläschen sind deutlich zu erkennen. Früher haben sie hier in kalten Wintern immer den Bohrer angesetzt, bei 15 Zentimeter Eisdicke wurde der Weiher für Spaß und Wintersport freigegeben. Heute stehen versicherungsrechtliche Argumente über allem, finale Begründung für ein Verbot ist allerorten die Corona-Schlinge.

Natürlich sind trotz der Verbote überall ein paar Unverfrorene auf dem Eis, Gebrauchsspuren gibt es auf jedem Weiher. Gerne sind kleine Inseln das Ziel der Abenteurer:innen. Nicht auf dem Schlossparkweiher in Bad Homburg vor der pittoresken Kulisse mit dem Weißen Turm als Wahrzeichen der Stadt. „Nein, das war nie üblich“, sagt ein älterer Herr aus der Kurstadt. „Da durften wir auch als Kinder nie drauf, zu gefährlich, hieß es immer.“ Stetiger Wasserzulauf hat es so gefährlich gemacht, nur das liebe Federvieh unter den Trauerweiden am Rand darf zum Tête-à-Tête aufs Eis. „Achtung Lebensgefahr“ wird auf altmodisch designtem Schild gewarnt, auch hier ist das Betreten der Eisfläche verboten.

Schlicht verweist die Kur- und Kongress-GmbH als Hausherr am See mit Insel im „Kleinen Tannenwald“ und am beliebten Schwanenteich im Kurpark auf die Verbote. Piktogramme für Enten füttern, Eislaufen, Schwimmen sind rot durchstrichen. Wohl zur nachhaltigen Verstärkung machen auch mal schwarz gekleidete Security-Herren die Runde, die am Samstag am Schwanenteich gesichtet wurden. Einsam auf dem Eis eine leere Champagnerflasche. „Wir brauchen Geduld“, sagt Kurdirektor Holger Reuter. „Es tut uns ja leid, aber wir haben keine 15 Zentimeter.“ Selbst wenn sie hätten, sie würden den Teich nicht freigeben. Da ist Corona vor.

Nur in der Wildnis weitläufiger Feld- und Wiesenlandschaften ist die Freude am Eiswinter ungebrochen. Nicht nur im Wiesengrund zwischen Oberursel und Bad Homburg. Kleine improvisierte Flächen ohne Gefahr sind überall zu finden.

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