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Ingenieur Trötschler auf dem belasteten Grundstück.
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Ingenieur Trötschler auf dem belasteten Grundstück.

Oberursel Schadstoffe

BUND sieht Umweltskandal

  • Götz Nawroth-Rapp
    VonGötz Nawroth-Rapp
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Es sind schwerwiegende Vorwürfe des Bundes für Umwelt und Naturschutz: Bei der Bodensanierung auf einem mit Schadstoffen belasteten Grundstück in Oberursel seien mehrere Menschen wegen fehlender Schutzvorkehrungen unheilbar erkrankt. Die Stadt kündigt eine Stellungnahme an.

Es sind äußerst schwerwiegende Vorwürfe, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gegen die zuständigen Behörden vorbringt: Bei der Bodensanierung auf einem mit Schadstoffen belasteten Grundstück in der Eppsteiner Straße sei es zu schwerwiegenden Versäumnissen gekommen. In der Folge seien mehrere Menschen unheilbar erkrankt, teilen die Umweltschützer nun mit.

Auf dem Gelände waren, wie bereits berichtet, bis Mitte der 1970er Jahre in einem Gewerbebetrieb Fässer mit Lösungsmitteln unsachgemäß gereinigt worden – mit den Abwässern gelangten Schadstoffe in das Erdreich, darunter auch sogenannte LHKW (leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe). Bei der Bodensanierung entschied man sich für das sogenannte Vegas-Verfahren, bei dem die krebserregenden Stoffe mit heißem Dampf aus der Erde gespült werden. Ein Team der Universität Stuttgart unter Leitung des Diplom-Ingenieurs Oliver Trötschler wendet die Technik an.

Dabei wird der Dampf in die Erde gepresst, wo er die flüssigen LHKW verdampfen lässt. An anderer Stelle wird das Gasgemisch anschließend abgesaugt und in Fässer mit Aktivkohle geblasen. Die Kohle soll das Gift binden, damit es später aufbereitet und schadlos verbrannt werden kann.

Keine Schadstoffbeseitigung vor Hessentag

Nach Darstellung des BUND soll es während der Anfangsphase, bei der 2012 Bohrungen vorgenommen wurden, zu hohen Schadstoffbelastungen der Umgebungsluft gekommen sein. So hätten in diesem Zeitraum zwei Bauarbeiter Vergiftungssymptome gezeigt. Kontaminiertes Erdreich aus der obersten Bodenschicht soll ohne ausreichende Schutzvorkehrungen abgetragen und abgefahren worden sein. Kinder, die in einem Laden in unmittelbarer Nähe des verseuchten Grundstückes im Erdgeschoss gespielt haben, seien infolge der Belastung erkrankt.

Bei einem Jungen seien eine chronische Darmerkrankung sowie die unheilbare Hautpigmentstörung Vitiligo diagnostiziert worden, ein Mädchen leide zudem an Aphasie, einer schweren Schädigung des Gehirns. Die Eltern des Jungen seien ebenfalls schwer erkrankt, was der BUND auch bei ihnen auf lange Aufenthalte in dem Laden zurückführt.

Es liege nahe, dass die Schadstoffe durch Boden und Wände des alten Fachwerkhauses gedrungen seien. Der BUND vermutet, dass der Stadt der Abriss der Bebauung und der Abtrag des Erdreiches zu kostspielig gewesen sei. Zudem habe man mit Schritten zur Schadstoffbeseitigung gewartet, bis das Großereignis Hessentag 2011 vorüber war, obwohl die Belastung des Bodens bereits zuvor bekannt gewesen sei. Erst dann habe man sich für das Dampfdruckverfahren entschieden. Dessen voraussichtliche Kosten hatte die Stadt im vergangenen Sommer auf mindestens 700 000 Euro beziffert.

BUND: Umweltgift PCB in hoher Konzentration

Im Boden ist laut BUND das Umweltgift PCB in hoher Konzentration festgestellt worden. Der Umweltverband beziffert zudem die Menge der im Boden abgelagerten LHKW auf ungefähr acht Tonnen und stützt sich dabei auf den geologischen Abschlussbericht eines prüfenden Ingenieurbüros zu dem Grundstück.

Die Stadt Oberursel hatte im Sommer von einer erwarteten Belastung des Bodens mit rund 600 Kilogramm LHKW gesprochen.

Der Erste Stadtrat und Umweltdezernent Christof Fink (Grüne) sagte gestern auf Anfrage der Frankfurter Rundschau, es sei von vornherein nicht auszuschließen gewesen, dass sich die tatsächliche Bodenbelastung höher darstelle als anfänglich angenommen.

„Doch woher die konkrete Zahl kommt, ist für mich nicht ersichtlich“, betont Fink mit Blick auf die Mitteilung des BUND. „Diese enthält Fakten, aber auch Wertungen.“

Laut Fink arbeitet die Stadt derzeit intensiv an einer eigenen Stellungnahme als Replik auf die von den Umweltschützern des Verbandes erhobenen Vorwürfe. Diese müsse jedoch mit dem Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmt werden. Vor Mittwoch sei aus diesem Grund mit einer offiziellen Mitteilung der Behörden nicht zu rechnen.

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