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Marion von Nolting zwischen ihren bibliophilen Schätzen.

Oberursel

Blick fürs Niveauvolle in Oberursel

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Marion von Nolting schließt ihre Buchhandlung.

Das Telefon klingelt in regelmäßigen Abständen. Nein, Marion von Nolting kann keine Bücher mehr für ihre Kundschaft bestellen. Das Bedauern ist spürbar in den nun publikumsleeren Erdgeschossräumen der Kumeliusstraße 3. Was hier an sein Ende kommt, hat nichts mit den aktuellen Viruseinschränkungen zu tun. Aus Altersgründen schließt die Händlerin ihre Buchhandlung mitsamt dem angeschlossenen Antiquariat.

Dass es in den Aprilwochen nicht zur Lesung mit Peter „Pit“ Knorr und dem angekündigten Ausverkauf kommt, hat dann doch mit Corona zu tun. Der Abschied soll in den Mai verlegt werden. Zum Ende des Wonnemonats erlischt dann auch ein Mietverhältnis, das vor 25 Jahren – am 1. April 1995 – seinen Anfang genommen hatte.

Damals hat Marion von Nolting den Laden mitsamt Antiquariat von Gunter Klärner übernommen. 1961 hatte der Vorgänger das Geschäft gegründet und im Parterre des mehrstöckigen Mietshauses etabliert. Gelobt wird allenthalben, was in der Kumeliusstraße 3 zu finden ist: von ausgewählter Belletristik über Kinder- und Bilderbücher bis hin zu einer Auswahl famoser Postkartenmotive. „Früher hatten wir hier viel mehr Lyrik und Philosophie – das lief aber immer schlechter“, bedauert die 70-Jährige. Dennoch kam eine Änderung des Konzepts nicht infrage.

Marion von Noltings Literaturparadies ist eine echte Buchhandlung geblieben, das Augenmerk gilt dem Niveauvollen, ja dem Schöngeistigen im besten Sinne. Die Kunden haben es mitgetragen. Obwohl das im Nebenraum beheimatete Antiquariat mit seinen bibliophilen Schätzen mittlerweile nur noch als „Büchermuseum“ gilt und kaum mehr eine wirtschaftliche Rolle spielt, trug es doch wesentlich zu dem Zauber des Ortes bei.

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