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Achtung Bienenstich. Mitarbeiter des Instituts im Einsatz.

Oberursel

Institut der Goethe-Uni zieht auf Gelände in Oberursel

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Das Institut der Goethe-Uni zieht auf ein Gelände im Osten von Oberursel. Für den Neubau hatten sich 72 Architekten mit Entwürfen beworben.

Die Arbeit des Instituts für Bienenkunde findet nicht nur in der internationalen Forschergemeinschaft Anerkennung, sondern stößt auch in der Öffentlichkeit auf immer größeres Interesse. Die aktuellen Debatten um Insektensterben, Klimawandel und die Folgen der modernen Landwirtschaft haben die Biene zum Symboltier werden lassen.

Die Zahl der Besuchergruppen, die Institutsleiter Bernd Grünewald oft persönlich über das Gelände im Norden Oberursels führt, ist deutlich gestiegen. Vor allem Schulklassen und Kindergartengruppen nutzen das Angebot, aber auch Politiker, jüngst war der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hessischen Landtag, Mathias Wagner, zu Gast. „Das freut uns“, sagt Grünewald. „In der Vergangenheit war unsere Arbeit nicht ganz so populär.“

Allerdings sind die Gebäude am Karl-von-Frisch-Weg mächtig in die Jahre gekommen; ein Teil stammt aus den 60er Jahren, ein anderer sogar noch aus der Gründungszeit in den 30ern. Zudem befinden sich die angemietete Bienenflughalle und die Institutsgebäude nicht auf demselben Areal.

Ein Zustand, der sich nach dem Willen der Verantwortlichen möglichst bald ändern soll. Erste Überlegungen, die vorhandenen Gebäude zu sanieren, hatte die Polytechnische Gesellschaft als Träger des Bieneninstituts wegen zu hoher Kosten verworfen.

Stattdessen soll auf einem 5000 Quadratmeter großen Areal an der verlängerten Ebertstraße im Osten Oberursels ein Neubau entstehen, der auch Platz für die Flughalle bietet. In einem Architektenwettbewerb hat sich das Büro „ARGE ts/c und Marcel Heller“ unter insgesamt 72 Teilnehmern durchgesetzt. Der Entwurf sieht drei Gebäude für Verwaltung, Bienenhaltung sowie Forschung und Lehre vor, die durch ein großes Foyer miteinander verbunden sind. Die Fassaden der ein bis zwei Geschosse hohen Häuser sollen aus Holz gestaltet werden. Das neue Bieneninstitut soll „ein Vorbild für eine nachhaltige Bauweise sein“, kündigt Bernd Grünewald an.

Das Institut für Bienenkunde wurde 1937 gegründet und ein Jahr später in Oberursel angesiedelt. Träger ist die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Seit 1963 gibt es eine enge Kooperation mit der Goethe-Universität, im Biologicum am Riedberg befinden sich Labore und Büros.

Die Architektenentwürfe zum Neubau des Instituts sind ab sofort bis zum 29. August 2019 im Foyer des Rathauses Oberursel, Rathausplatz 1, zu sehen. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie am Montag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr. Am Dienstag, 20. August, werden Vertreter des Instituts für Bienenkunde und einzelne Wettbewerbsteilnehmer von 17 bis 19 Uhr anwesend sein. 

Hinzu kommt ein großes Außengelände mit dem Wirtschafts-Institutsgarten und besseren Möglichkeiten für öffentliche Führungen. Grünewald schwebt darüber hinaus eine Art frei zugänglicher Modellgarten vor, in dem sich Interessenten zum Beispiel über bienenfreundliche Bepflanzung informieren können.

Die Besonderheit des Instituts für Bienenkunde in Oberursel ist die Verbindung von Forschung und praktischer Bienenhaltung. Es gibt sogar Ausbildungsplätze für Tierwirte mit Schwerpunkt Imkerei. Gemeinsam werden unter anderem neue Methoden zur Bekämpfung der Varroa-Milbe entwickelt oder Bienenvölker als Schadstoffmonitore im Rhein-Main-Gebiet eingesetzt. Dazu hält das Institut bis zu 250 Bienenvölker für die Forschung und Honigproduktion.

Für die Tiere hat der neue Standort klare Vorteile. Das derzeitige Gelände in einem Wohngebiet am Waldrand bietet den Bienen nur ein bescheidenes Nahrungsangebot. Dagegen sei an der Ebertstraße „die Nähe zu der vorhandenen Kleingartenanlage und zu Streuobstwiesen optimal und auch für die Kleingärten ökologisch sinnvoll“, sagt Oberursels Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne).

Froh sind die Verantwortlichen der Stadt, dass das Institut weiterhin in Oberursel bleibt. Hier gebe es eine „hohe Akzeptanz“ in der Bevölkerung, hatte Grünewald bei der Präsentation der ersten Pläne gelobt. Außerdem sei das Institut in der globalen Wissenschaftsgemeinschaft mit dem Namen Oberursel eng verbunden.

Eine genaue Kostenschätzung möchten die Verantwortlichen derzeit noch nicht abgeben. Der Neubau dürfte aber mit mehreren Millionen Euro zu Buche schlagen. Auch was den Zeitplan angeht, ist Bernd Grünewald noch vorsichtig. „Wir würden gern loslegen“, sagt er. Doch bevor das möglich ist, müssen die Oberurseler Stadtverordneten noch einen Bebauungsplan für den neuen Standort beschließen.

Aktuell steht ein Vorentwurf auf der Tagesordnung. Für großen politischen Streit taugt das Projekt aber wohl nicht. Im Bauausschuss am Mittwochabend gab es jedenfalls eine einstimmige Zustimmung zu den bislang vorliegenden Plänen.

Weitere Informationen: de.institut-fuer-bienenkunde.de

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