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Ältere Jugendliche unerwünscht

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Daumen runter für die Pläne der Stadt: Die älteren Jugendlichen wollen weiter im IB-Jugendtreff willkommen sein. Das hofft auch Cemre Kilinc (Mitte), die den Treff nur noch bis Ende Januar leitet. reimer
Daumen runter für die Pläne der Stadt: Die älteren Jugendlichen wollen weiter im IB-Jugendtreff willkommen sein. Das hofft auch Cemre Kilinc (Mitte), die den Treff nur noch bis Ende Januar leitet. reimer © mrm

Stadt will Ausrichtung des Treffs Weißkirchen ändern / Nur noch Zehn- bis 14-Jährige

Oberursel - Das ist unser zweites Zuhause“, sagt Sekandar (17), wenn er gefragt wird, was der Jugendtreff U59 im Familien- und Begegnungszentrum Weißkirchen ihm und den anderen Jugendlichen bedeutet. „Wenn geöffnet ist, sind wir fast jeden Nachmittag hier.“ Seit zwei Jahren besucht der 17-Jährige die Einrichtung des Internationalen Bunds (IB) regelmäßig, genau wie Meraj. „Hier gibt es viel, was wir machen können“, sagt der 15-Jährige auf. Für Kaan (18) sind es auch die „guten Gespräche“ mit dem Team, die ihn mindestens zweimal in der Woche ins Alte Rathaus ziehen. „Hier ist jeder willkommen, jeder kann Anschluss finden. Und alles ist so multikulti“, sagt Kaan. Er kennt den Jugendtreff seit zwei Jahren. Viele andere hätten ebenso erst mit 16, 17 Jahren in die Einrichtung gefunden, ergänzt Zwillingsbruder Mehmet. „Und deshalb macht das alles einfach keinen Sinn.“

Mit „das alles“ meint Mehmet die Pläne, die im Rathaus geschmiedet werden. Dort will man nämlich gern zurück zum Auftrag, den die Stadt dem IB ursprünglich erteilt hatte: Demnach soll sich das Angebot im Stadtteil an die jüngeren Kinder und Jugendlichen richten, also an die Zielgruppe zwischen 10 und 14 Jahren; alle über 14 Jahren sollen die zentrale städtische Jugendeinrichtung Portstrasse in der Innenstadt nutzen.

Vor einigen Wochen habe sie in der Sache wieder ein Gespräch mit der Stadt geführt, berichtet Cemre Kilinc (34), die das Haus in Weißkirchen leitet. „Meine Rückmeldung war: Das geht so nicht.“ Das, was in der Einrichtung geleistet werde, sei Beziehungsarbeit. „Ich habe 2016 hier begonnen. Da hatten wir viele 13- und 14-Jährige. Jetzt sind sie 20, 21 und manche kommen immer noch, eben weil wir Beziehungen aufbauen.“

In der Praxis sei nicht vorstellbar, die über 14-Jährigen einfach wegzuschicken, sagt Kilinc. „Hier wurde so viel aufgebaut, Angebote, die ineinandergreifen. Und die Jugendlichen kommen, weil sie sich wohlfühlen, auch aus anderen Städten, wenn sie hier Freunde haben. Ich weiß nicht, wo sie sich aufhalten würden, wenn sie hier nicht mehr herkommen könnten.“ Jetzt etwas zu verändern, sei „kurzsichtig“, meint Kilinc, die die Einrichtung Ende Januar verlässt, weil sie sich zur Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin ausbilden lässt. „Ich mache mir natürlich Sorgen, wie mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin das handhabt.“ Kilinc hofft, dass er oder sie für die Jugendlichen kämpft.

Unterschriften sammeln

Sekandar hatte die Idee, Unterschriften zu sammeln, damit keine Altersbeschränkung greift. 150 gibt es schon. „Leute haben für uns unterschrieben, die uns gar nicht persönlich kennen“, sagt Sekandar gerührt. Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) indes verweist auf den ursprünglichen Auftrag. „Seit Jahrzehnten ist die Portstrasse unsere zentrale Anlaufstelle. Das Haus funktioniert und ist gut erreichbar. In den Stadtteilen sollte es dezentrale Ergänzungen für die jüngeren Jugendlichen geben.“ Gehalten hätten sich die IB-Einrichtungen in Bommersheim und Weißkirchen, die die Stadt jährlich mit zusammen 200 000 Euro bezuschusst. Bei der Summe bleibe es auch in der mittelfristigen Finanzplanung: Weder in der politischen Diskussion noch vonseiten der Verwaltung sei bislang Thema gewesen, die Mittel zu kürzen. Fink: „Es geht um die inhaltliche Ausrichtung, nicht darum, dass es für uns billiger wird.“ mrm

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