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Kersti Rodis und Matthias Fuchs in der Johanniskirche.

Oberursel

Oberursel haucht der zerstörten Johanniskirche neues Leben ein

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Der Verein zum Erhalt der Johanniskirche organisiert Konzerte, Theateraufführungen oder Kabarettabende. Bei Regen bekommen die Helfer ein Problem.

Wenn Matthias Fuchs ins Träumen gerät, sieht er ein Glasdach auf die Ruine der Weißkirchener Johanniskirche schweben. Vor zehn Jahren haben er und seine Mitstreiter damit begonnen, dem ehemaligen Gotteshaus neues Leben einzuhauchen. Seitdem organisiert der Verein zum Erhalt der Johanniskirche (VEJ) Konzerte, Theateraufführungen oder Kabarettabende. Bei Regen bekommen die Helfer aber ein Problem – wegen des fehlenden Daches mussten schon Veranstaltungen ausfallen.

Den Blick in den Himmel wolle man aber auch nicht mehr missen, sagt Fuchs. Deshalb die Idee mit dem Glasdach. Doch leider wird es vorerst beim Träumen bleiben. Denn eine solche Konstruktion würde 100 000 Euro kosten, rechnet der VEJ-Vorsitzende vor. Selbst ein herkömmliches Dach mit Pfannen wäre nicht unter einem hohen fünfstelligen Betrag zu haben. Geld, das die engagierten Bürger nicht haben.

Jubiläum

Sein zehnjähriges Bestehen feiert der VEJ am kommenden Samstag, 10. August, ab 18 Uhr in der Johanniskirche, Urselbachstraße 59. Der Eintritt ist frei.

Auftreten werden das Vokalensemble Cantauris, das Evangelische Kabarett „Heiterkeit und Niedertracht“ und Jazz-Formation „Springtime Experience“ der Musikschule Oberursel. 

www.johanniskirche.org

Entstanden ist der Verein aus dem Freundeskreis des Gründungsvorsitzenden Stefan Dillmann. Die Gruppe wollte es nicht mehr hinnehmen, dass die Johanniskirche im alten Ortskern des Oberurseler Stadtteils immer weiter verfällt. Schließlich hingen bei vielen Weißkirchenern noch viele Erinnerungen an dem Gebäude, auch wenn die katholische Gemeinde bereits 1962 in die neu errichtete Kirche St. Crutzen umgezogen ist. Fünf Jahre später war dann der Blitz in das Gebälk der Johanniskirche gefahren, das anschließende Feuer hatte das Gebäude, das aus dem 16. Jahrhundert stammt, massiv beschädigt.

Seit der VEJ sich 2009 der profanierten Kirchenruine angenommen hat, ist schon einiges passiert. Bereits zwei Jahre später haben die Helfer den Boden mit Eichendielen befestigt. „Alles mit eigenen Kräften und Mitteln“, sagt Matthias Fuchs. Wobei es nicht damit getan war, einfach die Bohlen zu verlegen. Zur Absicherung mussten zunächst kleine Betonstempel im Boden versenkt werden, auf die dann ein Holzgitter aufgebracht wurde.

Darüber hinaus haben die Vereinsmitglieder mittlerweile an den Wänden eine Seilkonstruktion angebracht, an der Sonnensegel befestigt werden können. Leider fehle außer einem Dach in der Johanniskirche auch noch ein Wasseranschluss, bedauert Matthias Fuchs. Zum Glück könne man die Toiletten im benachbarten Alten Rathaus nutzen.

Etwa 100 Menschen finden in dem früheren Kirchenraum Platz. Sechs bis acht Veranstaltungen organisiert der VEJ pro Jahr. Es könnten sogar ein paar mehr sein, sagt Kersti Rodis, die stellvertretende Vorsitzende. „Es kommen immer wieder Leute auf uns zu, die gern auftreten würden.“ Doch die Kapazitäten des Vereins, der aktuell 35 Mitglieder hat, seien nun einmal begrenzt.

Außer der Jubiläumsfeier am kommenden Samstag (siehe Infobox) steht für dieses Jahr noch ein Konzert der Hochtaunus-Streicher am 21. September sowie die alljährliche Adventsfeier an. Die sei immer besonders stimmungsvoll, sagt Kersti Rodis. Wofür sie selbst den besten Beleg liefert: Die Atmosphäre habe sie einst als Besucherin so begeistert, dass sie kurz darauf in den Verein eingetreten sei.

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