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Edith Schäfer (r.) organisiert das Ehrenamtsteam. Monika Müller

Lesen

Fleißige Freunde der Stadtbücherei Oberursel

Der Förderverein „Freunde der Stadtbücherei“ erwirtschaftet durch Flohmärkte viel Geld für die Leseförderung.

Ein Bayern-Krimi und ein Werk von Hanns-Josef Ortheil reicht Gaby und Günter Spieler für heute. Je zwei Euro für Schmöker in bester Qualität und ein schöner Beitrag zum nachhaltigen Lesen. Die Spielers sind Stammgäste bei den Bücherflohmärkten der „Freunde der Stadtbücherei“, schätzen das „gut funktionierende Recycling von Büchern“ auf diesem Weg. Literatur im Fluss, mehrere Leser pro Buch, „das ist doch nachhaltig“, findet Wirtschaftsinformatiker Günter Spieler. Die Bücher stehen ausgelesen nicht mehr im Keller rum, gehen auf die Reise, erzeugen geistigen Mehrwert.

Das Treiben in der Stadtbücherei am Markt am Samstagmorgen ist der lebendige Beweis, dass Bücher in der digitalen Welt keineswegs out sind. Am Eingang zum Flohmarkt steht Edith Schäfer und bedankt sich für die Stapel neuer Bücher, die von den Besuchern als Spende mitgebracht werden, im Gegenstrom fließen andere Bücher hinaus in die Welt. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Edith Schäfer mit einem Lächeln. „Die Leute wissen, dass sie hier gute Ware bekommen“. Bücher, an denen man auch das Mittagessen der Nutzer und deren Kaffeekonsum ablesen kann, Geschriebenes in mangelhaftem Zustand oder schlichtweg veraltete Ware aus der Zeit vor der Rechtschreibreform werden aussortiert. Zum Bedauern von Edith Schäfer muss dabei leider viel in die blaue Papiertonne wandern.

Rund 18 000 Euro erwirtschaften die „Freunde der Stadtbücherei“ jährlich mit den Flohmärkten am jeweils ersten Samstag im Monat und bei drei großen Märkten im Jahreslauf über vier Tage auf mehreren Ebenen des Hauses der Medien. Für Koordinatorin Edith Schäfer ist das ein ehrenamtlicher Halbtagsjob. Die 70-Jährige schaut eigentlich jeden Tag mal rein. Sortiert die Eingangsware, sorgt für Ordnung im Lagerkeller, plant alle Flohmarkt-Termine, kümmert sich um die Personaleinteilung, damit der Laden läuft. Etwa drei Dutzend der rund 100 Mitglieder des Fördervereins sind aktiv dabei, um die 2000 Arbeitsstunden leisten sie pro Jahr.

Für die Stadtbücherei, die mit Millionenaufwand von der Kommune finanziert wird, bedeuten die Flohmärkte einen doppelten Mehrwert. Für die Anschaffung neuer Medien bleibt im Etat nicht so viel Spielraum, wie es wünschenswert wäre. Da ist der Zuschuss des Fördervereins eine willkommene Hilfe.

Viele der ersten digitalen Medien wurden davon finanziert, heute wird der Erlös der Flohmärkte vor allem in Aktivitäten und Veranstaltungen der Kinder- und Jugendbücherei zur Leseförderung investiert. Außerdem sorgen die beliebten Flohmärkte für Neuanmeldungen. Aus sporadischen Besuchern werden Stammkunden.

Die jüngsten Zahlen von 2017 belegen den Erfolgskurs eindrucksvoll. Knapp 127 000 Besuche –Oberursel hat aktuell rund 44 000 Einwohner – wurden verzeichnet, rund 370 000 Ausleihen und 850 Neuanmeldungen. Den Kunden stehen 55 000 Medien zur Verfügung, der Anteil der „Non-Books“ beträgt inzwischen etwa 30 Prozent.

Die Zahlen freuen nicht nur Büchereileiterin Claudia Hannes, die kontinuierliches Wachstum melden kann. Auch Edith Schäfers Bilanz ist positiv. Am Samstag war der Bücherfluss wieder mal stetig in beide Richtungen unterwegs. Binnen drei Stunden gingen mehr als 300 Bücher über den Verkaufstisch. Mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen für ihre Verdienste um den Verein wurde Schäfer kurz vor Weihnachten ausgezeichnet.

Ein Highlight im Arbeitsjahr der „Freunde der Stadtbücherei“ ist der Frühlingsflohmarkt im März. Vom 13. bis 16. März findet der Flohmarkt statt, die Öffnungszeiten sind mit denen der Stadtbücherei identisch.

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