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Beliebtes Fotomotiv für TSGO-Teams: die großen Buchstaben im Zentrum der Universitätsstadt. 

TSG Oberursel

Oberursel: Erinnerung für ein ganzes Leben

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100 junge Handballer der TSG Oberursel gehen auf Jubiläumsfahrt nach Skandinavien.

Es war der Aufbruch in eine neue Welt, als Richard Stock im Sommer 1970 mit einem Dutzend jungen Handballern auf dem Rückweg von einer Reise zum Nordkap Oslo ansteuerte. Eine Handball-Welt tat sich da auf beim „Oslo-Cup“, ein Turnier mit Ausmaßen und einem Spirit, den Trainer Richard Stock, damals 24 Jahre alt, und seine Buben gerne mitnahmen und an Generationen Oberurseler Handballer weitergaben. Sie waren die Ersten, die vom skandinavischen Handballfieber gepackt und infiziert wurden. Im 50. Jahr in Folge sind am zweiten Weihnachtsfeiertag in aller Herrgottsfrühe rund 100 junge Handballerinnen und Handballer der TSG Oberursel mit ihren Betreuern zum Jubiläumstrip in die südschwedische Universitätsstadt Lund nahe Malmö und Kopenhagen aufgebrochen. Lund und das weltweit größte internationale Jugendturnier sind in Handballkreisen Zauberwörter.

Richard Stock ist der Urvater des Oberurseler Jugendhandballs, das kann man so sagen. Mehr als 50 Jahre war der Schlossermeister vor und hinter den Kulissen für seinen Verein tätig, ohne seine Initialzündung in den 60er Jahren würde es die Handballabteilung der TSGO mit ihren fast 500 Mitgliedern wohl so nicht geben. Heinz Ried ist auch so einer, in Oslo 1970 war er als 17-Jähriger einer im Team TSGO, das in einem aufregenden Turnier auf Mannschaften aus Norwegen, Dänemark und Schweden traf. Später wurde er Trainer, Spielervater, Vorstand. Natürlich, mag man fast sagen, sind sie bei der 50. Skandinavienfahrt dabei, die Familie von Heinz Ried hat gar schon die dritte Generation in Lund am Start, mit Enkelin Malin als Spielerin im erfolgreichsten Oberurseler Team „Girls 12“. Und jeder trägt den Spirit auf seine Art weiter, findet und genießt seine eigenen Schwedenhappen.

Darum geht es in Lund, den Aufbruch in neue Welten für junge Sportler. „Creating memories for life!“ – die Veranstalter haben dem fünftägigen Handballfest ein passendes Motto gegeben. Unzählige Geschichten ranken sich um das Turnier, erlebt und weitererzählt von jungen Handballern, die sich alle ihre eigenen Erinnerungen kreiert haben. Als Spieler, als Betreuer, als Trainer und dann als Eltern der nächsten Generation, die den Mythos am Leben erhält.

Die Geschichten stecken in den Ur-Erlebnissen der 70er Jahre, als noch im Sommer abwechselnd in Oslo, Göteborg, Kopenhagen und Norrköping Freiluft-Turniere besucht wurden, seit 1979 werden sie in Lund geschrieben. Einen blank gewienerten Silberteller bekamen Dirk Lodders und Jutta Stahl, auch zwei TSGO-Urgesteine mit reichlich Schweden-Erfahrung als Spieler, Trainer, Fahrtleiter und Geschätsführerin, im vergangenen Jahr. Weil die TSGO bei der 40. Auflage des Turniers zum 39. Mal dabei war. Kein ausländischer Verein weltweit hat diese Konstanz aufgebracht. „We are proud to share ‚Memories for life‘ with Oberursel TSG“ steht auf dem Teller.

Als Sammler und akribischer Statistiker ist Richard Stock ein Bewahrer des kollektiven TSGO-Gedächtnisses. Natürlich hat er noch das Turnierheft von Oslo 1970, das daherkommt wie aus einer anderen Zeit. Die Spielergebnisse auf einem Zettel, die handgeschriebene Liste der damaligen Fahrtteilnehmer. Für Richard Stock, bis 1998 war er als Trainer stets dabei in Lund, sind die Turniere immer auch Kontaktbörse gewesen. Vernetzung in einer Zeit ohne Handys und Laptops. Inspiriert von den Erlebnissen mit seinen Jugendmannschaften im hohen Norden, hatte er schon 1976 das Turnier um die „Orscheler Bembel“ ins Leben gerufen. Aus den Ländern hinter dem damaligen „Eisernen Vorhang“ reisten Vereine nach Oberursel, aus allen Erdteilen kamen Sportler und Schiedsrichter, um großartigen Handball zu zelebrieren und eine einzigartige Atmosphäre beim international gerühmten „Bembel-Turnier“ in Oberursel zu verbreiten und zu genießen. Lund war die Plattform, wo die engen Kontakte zu Bohemians Prag und mehreren polnischen Mannschaften geknüpft wurden, die sportliche Verbundenheit erleichterte das Reisen in schwierigen Zeiten.

Ein Herzstück aller Handballreisen der TSGO ist der Winter in Lund über all die Jahre geblieben. Das Lund-Fieber grassiert wie eh und je, kreiert neue Geschichten und Erinnerungen für ein Handballerleben allemal.

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