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Obdachlos über Nacht

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Nicht mehr viel übrig: Das war einmal das Bürgerhaus.
Nicht mehr viel übrig: Das war einmal das Bürgerhaus. © dpa

Bei Brand in Steinbach verlieren acht Familien ihre Wohnungen

Von Martina Propson-Hauck

Den Männern und Frauen im Feuerwehrgerätehaus steht am frühen Morgen noch der Schreck in die Gesichter geschrieben. Ein Vater versucht seine Tochter in eine warme Decke zu packen. Sie hat bei der Kälte keine Strümpfe an, nur ein paar Stoffschuhe lugen unter der getupften Schlafanzughose hervor.

Ganz abrupt sind die rund 60 Bewohner eines achtstöckigen Hochhauses am Hessenring in Steinbach (Hochtaunuskreis) in der Nacht gegen kurz nach 1 Uhr von Feuerwehrleuten aus ihren Betten gerissen worden.

Das Hochhaus in der Stadtmitte ist unmittelbar an das Bürgerhaus angebaut, das in der Nacht komplett ausgebrannt ist. Die Flammen zerstörten sogar das komplette Dach. Es blieb nach zwei Stunden intensiver Löscharbeiten nur noch ein Stahlskelett übrig. Die Flammen griffen so auf das Wohnhaus mit Gaststätte und Hotel über. Rußschwarz ist die Nordseite des Baus am Morgen.

„Die Flammen schlugen bis zum siebten Stock hoch“, berichtet Kreisbrandinspektor Carsten Lauer. „Ich habe von meinem Fenster aus gedacht, die ganze Stadt brennt“, berichtet Bürgermeister Stefan Naas, der in der Nacht zum Brandort geeilt war. Alle Fensterscheiben der seitlichen Wohnungen zerbarsten.

Gegen 9.30 Uhr gab es eine Lagebesprechung im Feuerwehrgerätehaus, in das die Hausbewohner gebracht worden waren und wo sie vom DRK mit Suppe, heißen Getränken und Brötchen versorgt werden. Da waren die Bewohner der einen Haushälfte bereits wieder glücklich in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Acht Wohnungen aber sind so zerstört, dass die Familien und Einzelpersonen, die dort leben, in den nächsten Tagen und Wochen vermutlich nicht mehr dahin zurückkönnen. Der Bürgermeister hat Ersatzquartiere in umliegenden Hotels besorgt.

Rund 250 Einsatzkräfte der Feuerwehren von Steinbach, Oberursel, Kronberg, Eschborn, und Bad Homburg hatten in der Nacht noch Schlimmeres verhindert, denn verletzt wurde niemand. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt Naas. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro. „Wir müssen nun sehen, wie wir in der nächsten Zeit ohne Bürgerhaus auskommen.“ Vereine und Musikschule bieten dort ihre Kurse an, der Saal ist zentraler Veranstaltungsort für Theater, Konzerte und Feste. Landrat Ulrich Krebs stellte gestern Nachmittag die Mensa der Geschwister-Scholl-Schule als Ausweichort für Veranstaltungen in Aussicht. Der Männerballett-Wettbewerb des Steinbacher Carneval Clubs am Rosenmontag kann im Vereinsheim des Frohsinn Oberursel stattfinden. Doch das Schicksal der über Nacht obdachlos gewordenen Familien stand in Steinbach gestern im Mittelpunkt.

Kristin Darmstadt ist eine von ihnen. Sie zittert, bricht zwischendurch immer wieder in Tränen aus. Eine Freundin gibt Halt, hält sie fest umklammert. Sie wird mit ihren beiden Kindern in den nächsten Tagen, vielleicht Wochen nicht mehr in ihre Wohnung zurück können. Gelbe Faschingshosen schlabbern um ihre Beine.

Die Party war eigentlich schon vorbei, als sie sich als eine der letzten Gäste des Weiberfaschings im Bürgerhaus zusammen mit 15 anderen auf den Heimweg machen wollte. „Plötzlich ging die Brandmeldeanlage, direkt an der Bühne war Rauch“, erzählt sie. Die Brandursache war gestern noch nicht gefunden. Das kleine Mädchen mit den kalten Füßen, bekam schnell Hilfe: Eine Anwohnerin holte Kleidung ihrer eigenen Kinder. Zum ersten Mal an diesem Morgen konnte das Mädchen wieder ein wenig lächeln.

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