Hochtaunus

Notfallpatienten meiden Krankenhaus

Klinik reagiert auf Ansteckungsgefahr und lässt Wände einziehen. Kur-Einrichtungen halten Betten vor.

Fünfzehn an Covid-19 erkrankte Patienten werden derzeit in den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Das teilt Klinik-Geschäftsführerin Julia Hefty mit. Dafür seien im Krankenhaus extra Stationen zur Verfügung gestellt und eine zweite Intensivstation eingerichtet worden. In Usingen seien fünf infizierte Patienten auf einer eigenen Corona-Station in Behandlung.

Die Zahl ihrer Beatmungsplätze hätten die Hochtaunus-Kliniken bis jetzt um zehn erweitert. „Wir haben ein mehrstufiges Organisationskonzept erstellt, mit dem wir sicherstellen, dass sowohl die nicht an Covid-19 erkrankten Patienten als auch die voraussichtlich in den kommenden Wochen zunehmend in den Kliniken aufzunehmenden Corona-Infizierten sicher versorgt werden können“, berichtet Hefty.

Denn abseits von Corona sollen auch andere Notfälle wie bisher behandelt werden. Besonderen Wert habe man bei dem Konzept auf eine räumliche Trennung gelegt, die durch organisatorische sowie bauliche Vorkehrungen umgesetzt werde. „Wir haben zum Beispiel Trockenbauwände einziehen lassen, um in der Notaufnahme die Covid- und Nicht-Covid-Patientenströme voneinander zu trennen“, erklärt die Klinikchefin.

Diese Schritte setzten sich auf den Stationen sowie in den Untersuchungs- und Behandlungsräumen fort. Damit werde sichergestellt, dass Nicht-Corona-Patienten keiner erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien.

Denn Corona habe noch einen anderen besorgniserregenden Effekt: „Wir beobachten in diesen Tagen mit Sorge, dass Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Blinddarmentzündungen zu lange warten, bevor sie zu uns kommen, oder sich sogar regelrecht scheuen – aus Angst, sich im Krankenhaus mit Covid-19 anzustecken“, sagt Hefty. „Das Herzkatheterlabor, die ,Stroke Unit‘ und die Operationssäle stehen selbstverständlich weiter zur Verfügung. Alle Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf können weiter in den Hochtaunus-Kliniken behandelt werden.“

Eingriffe und Behandlungstermine, die ohne Gefahr für Leben und Gesundheit der Patienten hätten warten können, seien dagegen verschoben worden. Wer sich nicht sicher sei, ob er ins Krankenhaus kommen solle, rufe am besten an.

In Bad Homburg helfend im Hintergrund stehen auf jeden Fall die Kurkliniken. „Wir bereiten uns vor, damit wir als Hilfskliniken einspringen können, sobald freie Betten gebraucht werden“, sagt Kurdirektor Holger Reuter. Vier Kurkliniken gibt es in Bad Homburg. Sie alle bekommen derzeit zu spüren, dass in den Akutkrankenhäusern nur noch unverschiebbare Operationen vorgenommen werden. Knie- oder Hüft-OPs werden auf die Zeit nach der Corona-Krise verschoben. „In der Klinik Dr. Baumstark liegt unsere Auslastung momentan nur bei 40 Prozent“, veranschaulicht Reuter. In der Einrichtung, in der Patienten wieder laufen lernen, die eine solche OP hinter sich haben, werden etwa 80 der 160 Betten zur Verfügung gestellt.

In der Wicker-Klinik sind gar zwei Drittel der Betten für die orthopädische Nachsorge frei. Und die Klinik Wingertsberg, deren Schwerpunkt auf der Rehabilitation von Menschen mit onkologischen Krankheiten, mit psychischen und psychosomatischen Störungen liegt, hat eine Auslastung von rund 28 Prozent.

Die freien Betten werden vorgehalten für den Fall, dass die Akutkrankenhäuser in nächster Zeit Platz für Nicht-Corona-Patienten brauchen. Die Zuteilung erfolgt laut Reuter zentral über die fünf Schwerpunktkrankenhäuser in Hessen, die sich um Corona-Erkrankte kümmern. Für die Kurstadt ist die Uniklinik Frankfurt zuständig. Doch auch mit den Hochtaunus-Kliniken gebe es einen Austausch. Im schlimmsten Fall, sagt Reuter, könnten auch leichte Corona-Fälle in die Klinik Dr. Baumstark verlegt werden. Intensivpatienten aber nicht, denn dazu fehle es in der Kureinrichtung an Material, Geräten und entsprechend geschultem Personal.

In der Klinik Wingertsberg hat die Leitstelle des Katastrophenschutzes 105 der insgesamt 219 Betten für die Corona-Vorsorge eingeplant, wie Tanja Mahel, Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichtet. Derzeit werden 61 Patienten in der Klinik betreut. Die Behandlung erfolge mit körperlichem Abstand und unter den vorgegebenen hygienischen Anordnungen. Besucher sind nicht zugelassen, der Kontakt zu Lieferanten ist auf ein Minimum reduziert. Mitarbeiter fragen vor jeder Behandlung den Gesundheitsstatus der Patienten ab.

Auch in der Wicker-Klinik werden Patienten zunächst auf Corona gescreent. Das Hochhaus ist noch zur Hälfte belegt, weil hier außer Patienten mit neuer Hüfte auch Personen genesen, die einen Schlaganfall erlitten haben.

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