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Nicht nur Männersache

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Von: Miriam Keilbach

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Der Oberurseler Gesangsverein Germania Weißkirchen feiert in diesem Jahr sein 140-jähriges Bestehen. Einst war er ein reiner Männerchor - fast 100 Jahre nach der Gründung gab es dann den ersten Kinderchor und mit den Kindern kamen deren Mütter.

Die Germania Weißkirchen startete 1873 als Männerchor. Damals galt Singen noch als männlich und der Verein gab dem Leben der Menschen eine Struktur. In diesem Jahr wäre der Männerchor beinahe eingestellt worden. Mit einer riesigen Werbeaktion, die den Namen „Männersache“ trug und bei der ganz Oberursel mit halbnackten Männern zugehängt wurde, sicherte sich der Männerchor den Erhalt.

Es ist ein Verein, der eine Geschichte wie so viele Vereine hat. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Vereine auf, um das Leben der Menschen zu füllen. Verein hieß Verpflichtung. Lange war Singen eine Männerdomäne.

Fast 100 Jahre nach der Gründung gab es den ersten Kinderchor und mit den Kindern kamen deren Mütter. 1977 sang der erste Frauenchor. Als die Kinder älter wurden, fehlte eine Spanne zu den Erwachsenen, die Tontauben gründeten sich 1982. Und weil die Tontauben zusammen bleiben wollten, aber nur unter 26-Jährige im Jugendchor singen dürfen, traten sie in einer anderen Kategorie an. Ein neuer Jugendchor, der nun den Namen Sound Up! trägt, entstand vor rund fünf Jahren. Dazu hat die Germania noch einen gemischten Chor.

Sound Up! singen die Charts rauf und runter, gerne auch auf Englisch. Die Tontauben weichen ebenfalls vom klassischen Chorsegment ab, sie singen Pop, Rock, Jazz und Gospel, „ein moderner Chor“, sagt die Vereinsvorsitzende Julia Zinser-Hofmann.

Heute gilt Singen als eher weiblich, Männer finden sich nur schwer. Mit der Plakataktion gewann der Verein zwölf neue Gesichter, der jüngste Neusänger ist knapp über 20. Bald steht der erste gemeinsame Auftritt an. „Wir versuchen Männer um die 40 anzusprechen, die anderen schämen sich ein wenig, vor Freunden zu sagen, dass sie zum Singen und nicht zum Sport gehen“, sagt Renate Dann, zweite Vorsitzende.

Vor 20 Jahren zog die Germania in das Feuerwehrhaus Weißkirchen. Im ersten Stock gibt es einen Proberaum, die Stadt verlangt keine Miete. „Viele unserer Mitglieder haben damals beim Umbau des Feuerwehrheims geholfen“, sagt Damm.

Ein Jubiläumsfest wie zum 125-jährigen Geburtstag wird es nicht geben. 1998 feierte der Verein an mehreren Tagen an verschiedenen Standorten. In diesem Jahr gibt es Konzerte und Veranstaltungen über das Jahr verteilt. Beginn ist am Sonntag beim Neujahrsempfang, vorher nimmt die Germania beim Wettbewerb „Mein Verein bei hr4“ teil und muss diverse Aufgaben lösen. Der HR sendet live vom Feuerwehrhaus. Eine Aktion, die auch der Werbung dient. Die Germania hat einen vergleichsweisejungen Vorstand – Zinser-Hofmann ist 50, Dann 60 und der zweite Vorsitzende Helmut Lewerenz 64. „Früher hatten wir einen Vorstand, der gar nicht oder nicht mehr gearbeitet hat. Wir bringen unsere Berufserfahrung mit ein“, sagt Zinser-Hofmann. Probleme, die es vor einigen Jahren gab, sind behoben. Früher schimpften die Älteren über die Jungen, heute gelinge die generationenübergreifende Kommunikation.

Verändertes Vereinswesen

Das gesamte Vereinswesen habe sich verändert. Früher seien Kinder in den Verein eingetreten und blieben ihr Leben lang. „Ständig ehre ich Menschen, die 50 oder 60 Jahre im Verein sind“, sagt Zinser-Hofmann. Heute gebe es eine höhere Fluktuation, Vereine seien eher Dienstleister. „Die Leute zahlen lieber mehr, als sich selbst zu engagieren“, sagt Zinser-Hofmann. „Ich erinnere mich an Zeiten, da gab es noch Kampfabstimmungen um den Vorstandsvorsitz“, sagt Lewerenz. „Heute ist es in vielen Vereinen ein Kampf, einen Kandidaten zu finden.“

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