Hochtaunus

Neustart am Sandplacken

  • Olaf Velte
    vonOlaf Velte
    schließen

Das Traditionslokal Tannenheim soll im August wiedereröffnen — mit rustikalem Charme und Wirtshausküche.

Noch hängt das Schild „Vorübergehend geschlossen“ im Fenster. Die Anzeichen jedoch mehren sich, dass dieser Zustand bald endet. Die Gaststätte Tannenheim auf dem Sandplacken soll demnächst wiedereröffnet und in behutsam verändertem Ambiente fortgeführt werden.

Als Tag des Neustarts nennt Stefan Lang den 5. August. „Unter Vorbehalt“, sagt der Gastronom, seines Zeichens Betreiber des Offenbacher Restaurants Schaumahl und neuer Pächter unterm Feldberg. Immerhin ist das Traditionshaus auf 669 Metern über Normalnull noch eine Baustelle.

Was Lang seit mehr als 15 Jahren im Gourmetzirkel von Offenbach umtreibt, kann auf der Taunus-Passhöhe nicht gelten. Eine „bodenständige Wirtshausküche“ will er bieten – mit saisonalen Einschüben, aber ohne „Tüteneinsatz“. Dass der großräumigen, von Licht durchfluteten Küche strategische Bedeutung zukommt – wer will es verdenken? „Wer vorbeikommt, ist willkommen“, sagt Lang, der die rundherum angeordneten Wanderwege ebenso im Blick hat wie die auf Kanonen- und Siegfriedstraße anreisenden Kurzzeitgäste. Dem „schnellen Bier“ steht also nichts im Wege, dem ausgiebigen Mahl erst recht nicht. Der Brauereibesitzer will auch sein eigenes oberfränkisches „Raubritter-Dunkel“ ausschenken.

Ein Kraftakt

Bevor „Gasthaus-Feeling“ nebst Außengastronomie realisiert werden konnten, bedurfte es eines Kraftakts. Volker Handon, der das zweigeschossige Fachwerkgebäude von der Familie Scherber übernommen hat, musste zwecks Trinkwasserversorgung eine Tiefenbohrung vornehmen lassen. 2018 hatte der 80 Jahre alte und elf Meter tiefe Brunnen kein lebenswichtiges Nass mehr gespendet, war aufgrund fehlender Oberflächenfeuchtigkeit trockengefallen.

Mit viel Geduld habe er die Grunddienstbarkeit an der Schürfungsstelle erwerben können, erzählt Handon, der Kauf des 60 Quadratmeter großen Areals sei nicht möglich gewesen. Ein 80 Meter tiefes Loch wurde schließlich in die Gesteinsschichten des Mittelgebirges getrieben, bis Wasser sprudelte und dem Gastbetrieb zur Verfügung gestellt werden konnte.

„Es war uns wichtig, die Wiedererkennbarkeit zu gewährleisten“, sagt der Eigentümer. Deshalb blieben Eingangstür, Holzdecke, Schmuckelemente und Gastraumsäulen unangetastet. „Luftiger und heller“ soll es laut Handon werden. Er veranschlagt die Renovierungskosten auf „zirka 200 000 Euro“. Obwohl Theke und Ausschank verwaist sind, ist die Szenerie belebt. Noch ist der Eichenboden nur in Teilen verlegt, sind die Elektriker fleißig zugange, wird die Eingangstreppe vergrößert.

Erinnerungen sind jedenfalls willkommen an diesem Ort, den 1930 der Anspacher Wirt Adolf Jäger besiedelt hat. Als Erbauer der gastlichen Stätte und unmittelbarer Nachbar des Hotel-Waldrestaurants Heid sind ihm die eigenen Kühe und Hühner noch notwendige Nahrungsmittel-Lieferanten. Nachfolger auf dem Sandplacken ist von 1959 an sein Schwiegersohn Willi Scherber. Dessen Sohn Horst – mit seiner Ehefrau Ursula für 38 Jahre eine Tannenheim-Instanz – wurde über dem Gastraum geboren.

Nach „60 Jahren am Herd“ endete im Dezember 2018 die Ära von Ursula und Horst Scherber, Pächter Stefan Lang will anknüpfen, auch an originalem Backwerk soll es nicht fehlen. Das Schönste aber: „Der Name Tannenheim bleibt erhalten.“

Kommentare