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Neustart in einem fremden Land

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Von: Miriam Keilbach

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Für einen Job von Granada nach Kronberg: Maria de Torres.
Für einen Job von Granada nach Kronberg: Maria de Torres. © Jülich

Die 30 Jahre alte Chemieingenieurin Maria de Torres findet in Spanien keine Arbeit – nun setzt sie auf Deutschland. In einer Familie in Kronberg arbeitet sie als Au-pair-Mädchen, um Deutsch zu lernen. Danach will sie sich hier eine Arbeit suchen.

Sie liebt Spanien. In Granada hatte es zu Weihnachten 15 Grad. Es sind nur zwei Stunden bis zum Meer. Sie vermisst den blauen Himmel, das Licht. Und doch ist es ihre einzige Chance. Maria de Torres ist 30 Jahre alt und Chemieingenieurin. Ihr Problem: Sie kommt aus Spanien und dort gibt es keine Arbeit mehr – nicht einmal für hochqualifizierte Leute wie sie. „Bisher war Wegziehen nie eine Option, jetzt geht es nicht anders“, sagt de Torres. „Du wartest auf Anrufe, aber du weißt, es ruft keiner an.“

Nach ihrem Studium in Granada schlug sie sich mit Nachhilfejobs durchs Leben. Sie hat ein Praktikum in Spanien und eins in Wien gemacht. Ihr jüngerer Bruder studiert, er lernt nun Englisch, falls er auch wegziehen muss. Der Vater ist Architekt – eine jener Berufsgruppen, die am meisten unter der Krise leiden. Maria de Torres fing irgendwann an, Geld zu sparen. Im vergangenen Sommer beschloss sie, nach Deutschland zu ziehen. „Es ist besser, als nichts zu machen.“

Weil sie kaum deutsch sprach, entschied sie sich, als Au-pair-Mädchen zu beginnen. Sie fand eine Familie in Kronberg mit einem Mädchen, im September zog sie zu ihnen. De Torres ging offen damit um, auf Dauer einen anderen Job haben zu wollen. Jeden Tag besucht sie drei Stunden lang einen Deutschkurs in Rödelheim, sie finanziert ihn selbst. „Meine Familie zu Hause sagte, ich sei verrückt, mit den Qualifikationen auf Kinder aufzupassen“, sagt de Torres. Sie antwortete, dass sie zurückkommen könne, wenn es nicht funktioniere. Erst wollte sie nur bis Dezember in Kronberg bleiben, nun bleibt sie bis Juni.

Freunde in der Welt verstreut

Von ihren Studienfreunden ist nur noch einer in Spanien. Alle anderen haben anderswo Arbeit gefunden: in Chile, Österreich, Großbritannien oder Deutschland. Über Facebook hat sich eine Gruppe Spanier in Frankfurt gefunden – es sind rund 600 Leute. „Viele kamen, weil sie keine Perspektive mehr hatten.“ Angela Merkel habe die spanische Jugend einst erreicht, als sie sagte, Deutschland brauche Ingenieure. „Auf einmal fingen alle an, Deutsch zu lernen.“

Viele Landsmänner würden verkennen, wie schwierig die Lage ist. „Die Medien vermitteln uns, dass es einfach ist in Deutschland. Dass jemand sagt: Hallo, ich hab hier einen super Job für dich.“ Wie schwierig es aber ist – zumal mit mangelnden Sprachkenntnissen –, würden viele erst vor Ort realisieren. Nur wenige Spanier sprechen englisch oder weitere Fremdsprachen. „Wir lernen es in der Schule, aber vielen ist es peinlich, die Sprache anzuwenden.“

Die 30-Jährige hofft, bald mehr deutschen Anschluss zu finden, einen Tandempartner hat sie schon. „Deutsch ist schwierig, die Artikel, Dativ, Akkusativ, über solche Dinge habe ich vorher nie nachgedacht.“ Seit ihrem Weihnachtsurlaub wird nun auch in der Gastfamilie deutsch statt englisch gesprochen. „Das Kind hat wirklich viel Geduld mit mir und hilft mir bei den Hausaufgaben.“

Im Moment ist sie am Wochenende vor allem mit Spaniern zusammen. Mit ihnen ist es auch einfach: Sie machen alle das Gleiche durch, die, die schon länger da sind, helfen denen, die erst vor kurzem kamen. „Einer hat mir geraten, mich schon einmal bei der Agentur für Arbeit zu melden.“ Auch ihre Gastfamilie helfe ihr.

Was sie tut, sagt de Torres, ist nicht das, was sie sich erträumt hat. „Aber ich glaube, so kann ich einen guten Job finden.“ Sie möchte in Deutschland Erfahrungen sammeln, um irgendwann wieder nach Spanien zurückkehren zu können. „Aber ich muss etwas aus meinem Leben machen.“

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