Im Fitnessstudio der TSG Oberursel gibt es viele Auflagen.
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Im Fitnessstudio der TSG Oberursel gibt es viele Auflagen.

Hochtaunus

Neustart mit Auflagen

  • vonJürgen Streicher
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Vereinsschwimmer im Hochtaunus dürfen in die ersten Bäder. Fitnessstudios haben mit strikten Auflagen geöffnet.

Klaus Vestner ist leidenschaftlicher Schwimmer. Endlich kann er wieder durchatmen. Nach Schwimmerart unter Wasser auspusten. „Ich bin froh, dass ich wieder schwimmen darf“, sagt der 53-Jährige, der als Hobbysportler immer noch in der Masters-Klasse mitschwimmt.

Vestner wohnt in Oberursel, sportlich gehört er dem Bad Homburger Schwimmclub an, Training war bisher nur außerhalb der Landesgrenzen möglich, etwa in Mainz. Aufgrund einer Taunus-Connection kann er ab morgen wieder im Oberurseler Tauna-Bad schwimmen, draußen unter freiem Himmel. Das große Seedammbad in der Kurstadt Bad Homburg mit seinen elf Becken bleibt weiterhin geschlossen.

Die Sportschwimmer, die nach der jüngsten Lockerung wieder ins Wasser dürfen, treffen sich nach kooperativer Absprache in Oberursel mit den Kollegen vom SC Oberursel, dessen Triathleten und den DLRG-Schwimmern. Von Montag bis Freitag, jeweils von 16 bis 20 Uhr ist der Betrieb möglich, so starten wir den „Testlauf“, sagt Stadtwerke-Pressesprecherin Andrea Königslehner. „Abläufe üben, Prozesse testen“ sei die Aufgabe in der „ersten Startphase“. Mit klaren Regeln im Wasser und außerhalb des Beckens.

SC Oberursel starte Testlauf

Maximal 16 Schwimmer pro Doppelbahn mit Mindestabstand 1,5 Meter, Duschen und Umziehen in der Halle ist nicht gestattet, lediglich die Toiletten sind zugänglich. „Das klappt gut“, sagt Klaus Vestner von seiner Erfahrung in Mainz, „im Wasser fühle ich mich sicherer als in der U-Bahn.. „Wir dürfen endlich wieder rein“, heißt es heute auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden zumindest in drei Bädern, sagt Betriebsleiter Thomas Baum von Mattiaqua, dem städtischen Betreiber der Wiesbadener Bäder. Gemäß den Vorgaben der Landesregierung ist die erste Nutzung ausschließlich Sportvereinen und Kursanbietern vorbehalten.

Bis zum Wochenende hatten bereits 35 Nutzer bei Baum Bedarf angemeldet. Geöffnet werden heute das Freizeitbad Mainzer Straße, das Hallenbad Kostheim sowie die Schwimmhalle im Kleinfeldchen. Auch Wiesbaden hofft auf „Erfahrungswerte“ vor der Öffnung der Bäder für die gesamte Öffentlichkeit. Thomas Baum erwartet ein „positives Signal dafür Mitte des Monats“. Die Schwimmbäder spekulieren auf einen Start für den „Regelbetrieb“ zu Beginn der Sommerferien. Gestützt wird sich auf ein mit den Gesundheitsämtern abgestimmtes Hygienekonzept des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) als Leitlinie in allen Bädern, die Wasseraufsicht müssen die Vereine übernehmen und dafür auch unterschreiben. „Wie wichtig der Testlauf ist, weiß jeder Trainer und Vereinsvorstand“, sagt Baum. „Da vertrauen wir auf die nötige Disziplin.“

Start mit Handicap

Im Fitness-Studio der TSG Oberursel (TSGO) mit ihren rund 4500 Mitgliedern darf schon seit drei Wochen trainiert werden, doch es gibt viele Auflagen. Eine Online-Anmeldung ist erforderlich, maximal zehn Athleten dürfen gleichzeitig an ihren Muskeln arbeiten. Immer auf Distanz, einzelne Geräte wurden mit rot-weißem Flatterband verklebt und aus dem Verkehr gezogen. Die Trainingszeit ist auf eine Stunde begrenzt, danach ist Lüftungs- und Desinfektionspause.

Die Reha-Sportgruppe traf sich jetzt erstmals, fünf Frauen und Männer sind gekommen. „Die Leute sind noch zurückhaltend“, sagt Trainerin Sabine Helfrich. „Es gibt auch Kündigungen, die Leute sind sehr verhalten. Wir versuchen, möglichst viel im Freien anzubieten“, so TSGO-Geschäftsführerin Jutta Stahl.

Die benachbarte Homburger Turngemeinde (HTG) mit über 4000 Mitgliedern hat in ihrem „Motoricum“, einem hochmodernen Fitness-Park, kein Raumproblem. Aufgrund der großen Fläche sind keine Absperrbänder nötig, 35 Sportler können locker parallel trainieren, ohne sich in die Quere zu kommen. „Der Sport tobt in allen Hallen“, freut sich HTG-Präsident Ralph Gotta, aber es gebe auch zahlreiche Abmeldungen.

Vor allem ältere Leute äußerten Angst, das Vertrauen in Hygienekonzepte habe Grenzen. Und neue Sportler können kaum geworben werden, Gäste und Schnupperstunden sind nicht erlaubt.

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