Bad Nauheim

Neues Baugebiet an der Bahn

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Bad Nauheim verpflichtet Investor zu Wohnungen mit „bezahlbarer Miete“ und zur Renovierung des Bahnhofs.

Was vielerorts in der Region nicht möglich zu seien scheint, geht offenbar nun in Bad Nauheim – attraktive Eigentumswohnungen auf teurem Bauland und die Auflage der Politik an den Investor, 15 Prozent des Wohnraums mit einer bezahlbaren Miete auf dem Markt zu bringen. Bauherrin ist die süddeutsche Portal Real GmbH in Lörrach. Am kommenden Dienstag, 30. April, werden die Stadtverordneten über den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Am Bahnhof“ abstimmen.

„Es zeigt sich jetzt, dass unter der Baulandknappheit und der Nachfrage in der Stadt nun Projekte realisiert werden, die vor Jahren undenkbar waren“, sagt Bürgermeister Klaus Kress (parteilos). Das zum Teil aus wenigen Kleingärten bestehende Gelände neben dem Bahnhof zählt – anders als das vom Bürgerprotesten gestoppte Baugebiet am Sprudelhof – per se nicht zu den hochpreisigen Flächen. Dennoch habe sich bislang kein Investor herangetraut. „Es sind sehr hohe Investitionen für Erschütterungs- und Lärmschutz nötig“, sagt Kress. Damit der Verkehr auf der Main-Weser-Bahn die Wohnqualität geringstmöglich beeinträchtigt, muss eine Schallschutzmauer gebaut werden. Zudem wird das Raumkonzept der sechs Häuser, darunter zwei gewerbliche Gebäude, für das Projekt „Fürstenhöfe“ entsprechend gestaltet. So liegen etwa die Treppenhäuser bahnseitig. Für den Hausbestand in der Rittershauserstraße bilden die Neubauten einen Lärmriegel.

Die Gebäude werden eine Höhe von drei bis vier Etagen und eine Tiefgarage haben. Dem Vernehmen nach werden 36 Wohnungen entstehen. Über Größe und Schnitt ist derzeit nichts zu erfahren. Die Antworten der Portal Real auf eine Anfrage der FR stehen noch aus. Keine Information auch über den Kaufpreis, der wegen des erhöhten baulichen Aufwands sowie der Bahnhofs- und Innenstadtnähe vermutlich kein Schnäppchen seien wird. Der Investor wird zudem die Vermietung einpreisen. Unter den vier Gebäuden im ersten Bauabschnitt, soll ein Haus aus Mietwohnungen bestehen. In den ersten fünf Jahren beträgt die Kaltmiete 8,50 Euro pro Quadratmeter für die folgenden fünf Jahre 1,50 Euro mehr, so die Auflage der Politik – das ist jedoch nicht die einzige.

Die Portal Real ist im Besitz es prächtigen denkmalgeschützten Bahnhofs aus dem Jahr 1850, der nun ebenfalls Teil des Bebauungsplans ist. „Wir wollen damit eine unerwünschte Nutzung verhindern“, so Kress. Dazu zählt der Aufstellungsbeschluss etwa Wettbüros und Spielhallen auf. Aktuell bewirbt der Investor die Räumlichkeiten im Erdgeschoss, darunter kleinere offene Verkaufsflächen, Ladengeschäfte und für Gastronomie 370 Quadratmeter. Laut Kress ist es wichtig, dass die Besitzerin den „heruntergekommenen Bahnhof innen renoviert und einer sinnvollen Nutzung zuführt, die Bad Nauheim würdig ist“. Das Konzept werde für den finalen Bebauungsplanbeschluss entscheidend sein. Bislang gebe es von dem Investor jedoch nur positive Reaktionen, berichtet Kress.

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