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Im Opel Zoo gibt es seit 2018 eine Zuchtstation für Feldhamster.

Hochtaunus

Neue Heimat für Hamster

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Hamster aus dem Opel-Zoo sollen ab Frühjahr in Hessen ausgewildert werden. Umweltministerin Hinz präsentiert das Vorhaben bei einem Besuch.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es im Opel-Zoo eine Auffang- und Zuchtstation für Feldhamster. Zum Besuchermagneten sei die Anlage allerdings nicht geworden, sagt Direktor Thomas Kauffels, dazu sind die nachtaktiven Tiere schlicht zu selten zu sehen.

Dennoch hat sich die Investition von 230 000 Euro aus Sicht der Verantwortlichen gelohnt. 18 Jungtiere sind mittlerweile in der neuen Station geboren worden. Und die sollen ab dem kommenden Jahr dafür sorgen, dass sich die Population der Nagetiere in Hessen wieder etwas erholt.

Denn die einst als Schädlinge verfolgten Hamster sind mittlerweile zur bedrohten Art geworden. Ähnlich wie andere Tiere, die auf offenen Acker- und Wiesenflächen zu Hause sind, etwa Rebhuhn und Feldlerche. Für sie hat das hessische Umweltministerium das Schutzprogramm „Förderung der Leitarten der Feldflur“ ins Leben gerufen. „Wir wollen die biologische Vielfalt wieder ins Gleichgewicht bringen“, sagt die zuständige Ministerin Priska Hinz.

Sie war am Freitag in den Opel-Zoo gekommen, um sich die Feldhamsteranlage anzusehen und dabei den Startschuss für ein Feldflurprojekt im Hochtaunuskreis zu geben. Der Kreis ist eine von zehn Modellregionen für das Feldflurprogramm des Landes. Ziel sei es, Flächen so anzulegen, dass Feldhamster und andere gefährdete Tierarten sich dort wieder ansiedelten. Dabei bemühe sich das Ministerium, auch Jäger und Landwirte mit ins Boot zu holen.

Das sei im Hochtaunuskreis bereits gelungen, schilderte der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Dieter Selzer. Schon 2011 habe man damit begonnen, sich im Vordertaunus die landwirtschaftlich genutzten Flächen anzusehen. Dabei seien die betroffenen Bauern noch skeptisch gewesen. Doch schon 2013 sei es gelungen, zusammen mit Kreislandwirt Georg Kopp in Ober-Erlenbach und Burgholzhausen auf insgesamt gut drei Hektar zwei für Feldhamster geeignete Äcker anzulegen. Zwei Jahre später habe der Kreis dann gemeinsam mit den dortigen Landwirten im Usinger Becken zwischen Wehrheim und Usingen Blühflächen und Feldgehölze angelegt, die vor allem Rebhühnern Nahrung und Schutz bieten.

Inzwischen seien 155 Hektar in solche Maßnahmen einbezogen, ergänzte Nikolaus Bretschneider-Herrmann vom Amt für den ländlichen Raum. Das seien immerhin 15 Prozent der landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche. Und in den kommenden Jahren sollen noch 15 bis 16 Hektar dazukommen.

„Die Landwirte sind engagiert dabei“, lobt Dieter Selzer. Allerdings seien auch andere Bevölkerungsgruppen gefragt. So sollten vor allem Hundehalter sich und ihre Tiere von den entsprechenden Flächen fernhalten, um Rebhühner und Hamster nicht zu verschrecken.

Aber auch das werde wohl nicht reichen, damit sich der Feldhamsterbestand wieder erhole. Hessenweit gibt es nur noch 2000 bis 3000 Reviere. „Ohne Wiederansiedlung hat der Feldhamster keine Chance“, konstatiert Selzer. Noch ist allerdings nicht genau festgelegt, wo der Nachwuchs aus dem Opel-Zoo freigelassen wird. Das müsse nicht unbedingt im Taunus sein, sagte Selzer. Es sei auch möglich, dass Tiere an anderen Orten in Hessen ausgewildert würden.

Ziel sei es aber, auch im Vordertaunus die Feldhamsterpopulation wieder zu erhöhen. Für Kreislandwirt Georg Kopp kein Problem: „Den ein oder anderen Hamster werden wir noch ernähren können“, sagte er.

Programm

Mit dem Schutzprogramm „Förderung von Leitarten der Feldflur“ will das Land Hessen für Tierarten im Agrarland wieder geeigneten Lebensraum schaffen. Dabei geht es um Blühflächen, Brachen, Feldraine und Hecken, die als Bestandteile der Kulturlandschaft wieder vermehrt entstehen sollen.

Die ersten fünf Feldflurprojekte in Wiesbaden, im Main-Kinzig-Kreis, im Wetteraukreis, bei Limburg und in Bad Zwesten sind 2018 gestartet worden. 2019 folgte ein weiteres Projekt bei Gießen. Insgesamt können zehn Modellregionen an dem Programm teilnehmen.#

Für dieses Jahr stehen dafür 400 000 Euro bereit. Im kommenden Jahr soll sich die Summe auf 500 000 Euro erhöhen.

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