Kronberg

Neue Erkenntnisse zu alter Kapelle

  • schließen

Junge Leute legen im Wald bei Kronberg Mauerreste aus dem 14. Jahrhundert frei. Landrat Krebs will die Ruine wieder „erlebbar“ machen.

Mit Schippe, Hacke und Kehrbesen machen sich die jungen Leute an dem alten Gemäuer zu schaffen. „Eine Super-Sache“ findet Anika Wölfert, trotz aller Anstrengung. Gemeinsam mit anderen Nachwuchskräften aus dem Landratsamt des Hochtaunuskreises hat sie die vergangenen beiden Tage in einem Waldstück oberhalb von Kronberg verbracht, um unter Anleitung des Archäologen Kai Mückenberger die Reste der Antoniuskapelle aus dem 14. Jahrhundert auszugraben.

Dabei habe man auch einiges zu Tage befördert, berichtet Annica Eichhorn. So seien nicht nur Keramikscherben, sondern auch eine alte Zahnpastatube und ein kleiner Knochen aufgetaucht. Sogar einen Bombensplitter habe man entdeckt, ergänzt Mückenberger, der als Bezirksarchäologe für den Hochtaunuskreis zuständig ist.

Relikte aus der Entstehungszeit der kleinen Kapelle waren bislang zwar nicht unter den Funden. Dafür habe man aber einige neue Erkenntnisse gewonnen. So seien bisher alle davon ausgegangen, dass das Gebäude einen rechteckigen Grundriss hatte. Die Ausgrabung habe jedoch deutlich gemacht, dass die Kapelle aus einem breiten Vorraum bestanden hat, an den sich ein schmaleres Kirchenschiff anschloss.

Die Kapelle

Die Antoniuskapelle war Teil einer Einsiedelei, die 1339 durch den Ritter Walter V. von Kronberg und seine Frau Elisabeth von Ingelheim gestiftet worden war.

Neben der Kapelle befand sich die deutlich kleinere Wohnung des Einsiedlers, zu der auch ein umfriedeter Garten und eine Wasserquelle gehörten.

Nach knapp 200 Jahren wurde die Einsiedelei im Zuge der Reformation aufgegeben. Bereits um 1550 war die Antoniuskapelle verfallen. 

Die Idee, die Kapellenruine genauer zu untersuchen, sei vor zwei Jahren bei einem Wandertag entstanden, sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU). Damals habe das Areal rund um die Mauerreste einen ziemlich traurigen Eindruck gemacht. Mittlerweile hat der Naturpark Taunus immerhin eine Tafel aufgestellt, die über die Geschichte der Antoniuskapelle informiert.

Nun gehe es erst einmal darum, den Ist-Zustand zu sichern und zu dokumentieren, erklärte Kai Mückenberger. Dabei wolle man den Innenraum so wenig wie möglich antasten, um die Stabilität der Mauer nicht zu gefährden. Die sei zwar ziemlich massiv gewesen, bestehe aber nur aus Bruchsteinen, die einst mit Lehm verbunden waren.

Für die Zukunft kann sich Landrat Krebs aber zumindest eine teilweise Rekonstruktion der alten Kapelle vorstellen. Man wolle das Gebäude und seine Umgebung „für die Wanderer im Taunus besser erlebbar“ machen. Möglich wäre das, indem man die Mauerreste mit einem Flies abdeckt und mit den um die Ruine verteilten losen Steine wieder aufmauere, erklärt Kai Mückenberger.

Die Auszubildende Lorena Lang jedenfalls hätte nichts dagegen. „Wenn ich irgendwann wieder herkomme, kann ich sagen, dabei habe ich mitgeholfen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare