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Neue Abteilung für Mutter und Kind

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Von: Jürgen Streicher

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Die Klinik Hohe Mark erweitert ihr medizinisches Spektrum. Eine Mutter-Kind-Abteilung bietet Platz für psychisch erkrankte Mütter und ihre Kinder.

„Wenn nicht wir, wer wagt so eine Pionierarbeit?“ Mit Selbstbewusstsein und Optimismus haben Krankenhausdirektorin Anke Berger-Schmitt und ihr Team ein neues Kapitel in der über 100-jährigen Geschichte der Klinik Hohe Mark aufgeschlagen. Das Krankenhaus am Waldrand mit Abteilungen für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bietet im neuen „Haus Feldberg“ eine Mutter-Kind-Abteilung mit vier Plätzen für psychisch erkrankte Mütter und ihre Kinder im Alter von bis zu 24 Monaten. Schon bald soll das Angebot auf sechs Plätze erweitert werden; in Arbeit ist zudem der Aufbau einer ambulanten Mutter-Kind-Sprechstunde auch für werdende Mütter.

Oberarzt Andreas Richter geht es nicht nur um die Behandlung der psychischen Grunderkrankung der Mutter. Ziel ist auch, die Auswirkungen von deren Erkrankung auf die Beziehung zum Säugling oder Kleinkind in die Therapie einzubeziehen, um „den Teufelskreis der transgenerationalen  Weitergabe von psychischer Erkrankungsbereitschaft abzuschwächen“. Immer mehr Forschungen hätten ergeben, dass frühkindliche Erfahrungen im Guten wie im Schlechten zu dauerhaften Veränderungen des Stresshormonsystems führen, so Richter. Darauf fußt die Idee – die Fachärzte wollen einen „primärpräventiven Effekt“ erzielen.

Vom Bedarf waren Klinikleitung und Ärzte dann doch überrascht; auch für sie ist das Projekt ein „kleines Abenteuer“, so Anke Berger-Schmitt. Ein Dutzend Behandlungen konnten inzwischen durchgeführt werden, mehr als 50 Anfragen aus ganz Deutschland liegen vor, die Warteliste wird länger. Überzeugt vom Konzept mit Einzeltherapie, Gruppentherapie für Mütter und videogestützter Interaktionstherapie der Mutter-Kind-Beziehung, ist die Erweiterung der Abteilung bereits ins Auge gefasst. Kalkuliert wird angesichts des spezialisierten Behandlungskonzepts mit einer Aufenthaltsdauer von acht bis zwölf Wochen in der Klinik.

„Die Nachfrage ist groß, vom ersten Tag an“, sagt Klinik-Direktorin Anke Berger-Schmitt. Das Angebot soll angesichts von nur wenigen Einrichtungen mit Mutter-Kind-Abteilungen im Bundesgebiet die „Versorgungslücke verkleinern“. Der hohe Anspruch erfordert verstärkte Leistungen, ist aufwendig und personalintensiv durch zwei Pflegekräfte mehr auf der Station. Für die Klinik ein finanzielles Risiko-spiel, da die stationäre Mutter-Kind-Behandlung nicht ausreichend von den Kostenträgern gegenfinanziert wird. Die Kinder sind im Verständnis des Gesundheitswesens ja nicht krank und werden bei der Kostenerstattung daher nicht berücksichtigt.

„Gute Argumente für die Kostenträger“ gebe es, so Oberarzt Andreas Richter. Jede Symptomatik der Mutter habe Auswirkungen auf das Kind, ob Depressionen, Psychosen, Angstneurosen oder Borderline-Syndrom. „Wenn wir 20 Patientinnen behandeln und nur eine vollständig geheilt entlassen und damit auch primärpräventiv im Sinne des Kindes wirken, erspart das möglicherweise immense Folgekosten.“ Weil die Klinik von der Sinnhaftigkeit und der nachhaltigen Wirksamkeit ihrer Behandlungsmethoden überzeugt ist, geht sie mit jährlich 160 000 Euro in Vorleistung.

Zwei Jahre Probezeit haben sie sich gegeben an der Klinik Hohe Mark. Zeit, um Krankenkassen von ihrem Konzept zu überzeugen und Stiftungen – und um Fundraising zu betreiben. Ein „Gesamtpaket“ soll es am Ende sein, so Berger-Schmitt.

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