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Ab dem kommenden Frühjahr sollen hier neue Medizinprodukte entstehen.

Heraeus Medical

Neubau für Knochenzement

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Heraeus Medical erweitert den Standort an der Philip-Reis-Straße in Wehrheim für jüngste Produktlinien.

Noch ist die Bautätigkeit im Norden Wehrheims nicht abgeschlossen, noch stehen Bauzaun und Container, Radlader und Lastwagen. Abschließende Arbeiten an einem Bauwerk, das die Zukunft von Heraeus Medical prägen und dem Expansionsstreben des Unternehmens architektonischen Ausdruck verleihen soll. Hell strahlend präsentiert sich die von Alu-Wandpaneelen strukturierte Fassade der unlängst in Betrieb genommenen Fertigungshalle.

Nichts weniger als ein „revolutionäres Konzept für die Gelenkersatz-Medizin“ soll auf einer Fläche von 2800 Quadratmetern umgesetzt werden. „Zwei innovative Produktlinien“, sagt Nicole Petermann aus der Geschäftsführung, „die das Arbeiten im OP vereinfachen und schneller machen.“ Über Jahre, so Petermann, habe man entwickelt, was nun patentgeschützt und kurz vor der Marktreife sei: orthopädischer Knochenzement „ready to mix“ und „ready to use“, der direkt im Operationssaal zusammengemischt und verwendet werden könne. Im Laufe des nächsten Jahres sollen die ersten Chargen ausgeliefert werden.

Die Geschäftseinheit des Heraeus-Konzerns zielt zunächst auf den US-Markt, der seit kurzem im Direktvertrieb bedient wird. Ein Markteintritt in Europa soll folgen, heißt es.

An der Philipp-Reis-Straße ist man mit dem Geschäft zufrieden – es floriere seit Jahren: „Wir wachsen beim Umsatz zweistellig und liefern mittlerweile 2,3 Millionen Zementeinheiten pro Jahr aus“, sagt Petermann. Um die entwicklungsbedingte Raumnot zu kontern, wurden 27 Millionen Euro zur Errichtung des neuen Gebäudes investiert. Was sich außen auf 50 mal 56 Meter dehnt und elf Meter in die Höhe strebt, biete im Inneren eine ausgeklügelte Technikwelt. „Unsere Maschinen sind allesamt Unikate, Sondermodelle“, sagt Produktionsleiterin Britta Bär.

Während im fertiggestellten Reinraum die Abläufe der automatisierten Herstellungsstrecke getestet werden, geht nebenan und hinter Glaswänden der weitere Innenausbau vonstatten. Böden werden verlegt, Decken abgehängt, Leitungen ausgerichtet. Nur das Erdgeschoss dient zur Zement-Modernisierung: „Kurze Wege, absolute Sterilität.“ Wer eintreten möchte, muss den Arbeitsanzug überstreifen, Schleusen passieren, sich in eine andere Atmosphäre begeben.

Hier, im Neubau des größten Wehrheimer Arbeitgebers, regiert ein ausgeklügeltes System für die Luftumwandlung. Unter dem flachen Dach des verkappten Zweistöckers wirken übermannshohe Filtermaschinen, ihre Rohre und Röhren in alle Richtungen streckend. „Klimatechnik, die eine Wärmerückgewinnung von bis zu 70 Prozent ermöglicht“, erläutert Produktionsleiterin Bär.

Abgestiegen in erdnahe Gefilde flutet Tageslicht die Ebene der Werktätigen. Große Fensterfronten erlauben Ausblicke auf Waldrand und Ackerflur. Ein langgestreckter Büroraum ist verwaist, harrt der 25 Menschen, die im kommenden Jahr den 211 Mitarbeiter starken Personalstamm in Wehrheim erweitern sollen. „Wir wollen in allen Bereichen aufstocken“, kündigt Nicole Petermann an.

Das Gelände – so verwinkelt und vielfältig bestückt es sich heute offenbart – bietet noch weiteren Raum zur Ausdehnung. Teilabrisse schaffen Platz, Freiflächen stehen zur Verfügung. Was hier vorzeiten mit den Zahnmedizin-Experten von Kulzer begann, findet auch Gefallen im Hause Heraeus.

Die Medical-Abteilungen Verwaltung, Entwicklung und Produktion sind an einem Standort versammelt, den Britta Bär als „gut angebunden und attraktiv“ bezeichnet. „Wir können uns in Wehrheim sehr gut auf das Wesentliche konzentrieren.“

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